„Es wird ein raffinierter Mord“
Hans-Peter Boer ist Kultur-Dezernent und Erfinder von Kommissar Kattenstroth

Nottuln/Münster -

Hans-Peter Boer (62) ist Kultur-Dezernent beim Regierungspräsidenten, Historiker, Heimatkundler, Pädagoge und Krimi-Autor. Alles in einem. Ein Mann der Geschichte und mit Geschichte.

Donnerstag, 24.11.2011, 13:11 Uhr

Man muss Hans-Peter Boer mal bei einem Konzert des Landesjugendorchesters gesehen haben. Beim letzten Takt reißt es ihn aus dem Sessel. „Bravo“, brüllt er wie ein Italiener. Ganz schön viel Emotion für einen Ur-Münsterländer aus Nottuln .

Boer (62) ist Kultur-Dezernent beim Regierungspräsidenten, Historiker, Heimatkundler, Pädagoge und Krimi-Autor. Alles in einem. Ein Mann der Geschichte und mit Geschichte. Mühlenhof-Chef war er auch mal – eine Episode in den 80ern. „Vergessen“, sagt er.

Jetzt sitzt er in seinem Büro im Zentrum Nord. Ein Christo-Foto an der Wand, Karteikästen und Bücher auf dem Tisch. Beim Telefonieren zwirbelt er mit seiner kleinen Drahtlesebrille zwischen den Fingern. Es geht um Ärger im Förderverein des Landesjugendorchesters, in dem er vertreten ist. Dienstlich und aus Überzeugung. Die Sache klingt spannend.

Und dann ist er bei seinem Lieblingsthema: Klaus Kattenstroth – Hans-Peter Boers Beitrag zur münsterländischen Krimikultur.

Kattenstroth, sagt Boer, „ist ein bisschen eine Spiegelung eigener Vorstellungen und Wünsche“. Der Kommissar lebt in Münster und ermittelt in einem imaginären Brinke-Landkreis. Die Namen der Akteure findet sein Autor in alten Registern aus dem 18. Jahrhundert. Die „Locations“ in seiner Erinnerung, zum Beispiel der Baumberger Bauerschaft Uphoven. Die Kattenstroth-Bücher heißen Stoppelland, Schwengelrecht, Schweinemond – Literatur vom Land und aus dem Hiltruper Landwirtschaftsverlag.

Der Bäckersohn vom Martinus-Kirchplatz in Nottuln ist mit Platt und Dönekes groß geworden. In Münster hat er das Paulinum besucht – seither pflegt er die alten Schulbekanntschaften. „Beziehungen sind alles.“

Im Dorf untersuchte er die Geschichte der Martini- und Antoni-Bruderschaften, der Bauernhöfe, der Dorf-Originale. Er stöberte Münzschätzen und barocken Beichtbüchern nach. Hunderte Fachartikel hat er über die Münsterland-Historie verfasst, zehn Bücher dazu. Viel Lokalkolorit saugt er aus diesem historischen Fundus für seine mittlerweile auf sechs Bände angewachsene Krimiserie.

„Das ist Gebrauchsliteratur“, sagt er, „in 20 Jahren redet keiner mehr davon.“ Aber sein Kattenstroth transportiert Münsterland-Mentalität, Eigenarten, Eigentümliches. Bis zu Töttchen und Stippmilch mit Schwarzbrot: „In jedem Buch kommt ein Rezept vor.“

Boer ist, was man auf Platt einen Wippstert nennt. Einer, der in allen Töpfen rührt, der nicht still sein kann. Nachdem er jahrelang Lehrer war – unter anderem am Ratsgymnasium – war sein Sprung ins Kulturdezernat der Bezirksregierung ein Geschenk. Hier konnte er Großprojekte wie die Emscher-Kultur mitfördern, hat einen 30 Millionen-Etat zu vergeben. Und steht doch nicht im Rampenlicht der Kulturdiskussion: „Wir fördern nur, haben mit vielen interessanten Künstlern, Tänzern, Musikern zu tun.“ Die meisten seien dankbar.

Schreiben ist für ihn pure Entspannung. „Ich kann die Tinte nicht halten“, sagt er. Am liebsten im Urlaub in Dänemark: „Blick aufs Meer, ein Whiskey auf dem Tisch“. Dann kann Kattenstroth kommen. Band sieben ist auch schon in Arbeit. „Bei allen Gesprächen“, sagt Boer, „habe ich mein Notizbuch dabei.“ Der nächste Krimi wird vom Ableben einer Lehrerin handeln, in dem Gewerbe kennt sich Boer aus. Eins ist versprochen: „Es wird ein raffinierter Mord.“

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