Gute Erfahrungen mit dem Bundesfreiwilligendienst
„Du wirst hier gebraucht“

Nottuln -

Freiwillige Helfer, sogenannte „Bufdis“, sind in vielen Nottulner Einrichtungen eine echte Bereicherung.

Freitag, 03.02.2012, 20:02 Uhr

Gute Erfahrungen mit dem Bundesfreiwilligendienst : „Du wirst hier gebraucht“
Lale Ersan (r.) arbeitet ebenso wie Patrick Venschröder (kl. Foto) als Bundesfreiwillige im St.-Elisabeth-Stift. Bewohner Josef Schräer ist froh, dass sie da sind. Der Wegfall des Zivildienstes bereitet Heimleiterin Sabine Tenambergen (l.) keinerlei Probleme. Foto: Bettina Laerbusch

Sabine Tenambergen ist richtig glücklich, dass sie Lale Ersan hat. Die 20-Jährige arbeitet im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes im St.-Elisabeth-Stift – und das so gerne und so überzeugt, dass sie einen Ausbildungsplatz zur Altenpflegerin in genau dieser Einrichtung bereits in der Tasche hat. Auch Patrick Venschröder (21) ist als „Bufdi“ im Elisabeth-Stift. Anders als Lale Ersan ist er sich aber noch nicht sicher, welchen Berufsweg er einschlagen möchte. Doch liebt er das, was er zurzeit macht. Auch ihn schätzt Sabine Tenambergen, Leiterin des Pflegeheims, über alle Maßen. Und die Bewohner? Die lieben die jungen Leute alle beide.

Seit dem 31. Dezember 2011 gibt es in der Bundesrepublik keinen Zivildienst mehr, seit dem 1. Juli 2011 stattdessen den Bundesfreiwilligendienst. Zäh, sagt Sabine Tenambergen, sei dieser neue Freiwilligendienst angelaufen. Doch inzwischen sind die vier Praktikumsplätze, die das St.-Elisabeth-Stift zu bieten hat und die auch mit Zivis besetzt worden waren, alle vergeben.

Nur wenige 100 Meter entfernt liegt das Haus Margarete. Wie ist dort die Situation? „Vollkommen entspannt“, sagt Heim- und Pflegedienstleiterin Alexandra Brands. Drei Zivis gab es hier zuletzt, aktuell arbeiten auch drei junge Leute im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes im Haus. „Nur die Frauenquote ist höher“, schmunzelt Alexandra Brands. Im Haus Margarete gibt es zwei weibliche und einen männlichen Bufdi. Die drei jungen Leute werden aller Voraussicht nach zwölf Monate bis zum August bleiben. „Wie es dann weitergeht, ob es schwierig werden wird, neue Mitarbeiter zu bekommen, weiß ich natürlich nicht“, sagt Alexandra Brands. Denn der neue Dienst sei eben – anders als zuvor der Zivildienst – freiwillig.

Lale Ersan im St.-Elisabeth-Stift hat den Realschulabschluss in der Tasche. Schon während ihrer Schulzeit absolvierte sie Praktika in der Altenhilfe. „Die Arbeit mit den Menschen macht Spaß“, sagt sie. In den Wohnbereichen des Stifts – einmal mit zwölf und zweimal mit je 31 Personen – sei es wie in einer Familie. Ganz viel, sagt die 20-Jährige, bekomme sie zurück. Manchmal fragen Bewohner, wenn sie ihnen zum Beispiel beim Anziehen helfe, ob ihr das nichts ausmache. „Sie sind noch so jung“, hört sie dann oft. Was Lale Ersan ihnen antwortet? „Ich sage dann: Nein, ich werde doch auch mal alt und bin dann ganz bestimmt froh, wenn mir jemand hilft.“ Immer sähen die Bewohner sie dann mit strahlenden Augen an.

Auch in Einrichtungen für Jugendliche und Kinder waren noch 2011 oftmals Zivis im Einsatz. Belastet das Zivi-Aus die Mitarbeiter hier? Das Jugendzentrum am Niederstockumer Weg hat nach Auskunft von Erzieher Daniel Bertelsbeck schon seit circa vier Jahren keine Zivildienstleistenden mehr, ergo musste die Einrichtung auch nicht nach Bundesfreiwilligen suchen. Die Jugendherberge Nottuln hatte bis Anfang 2011 Zivis. „Da wir nicht wussten, wie das mit dem Bundesfreiwilligendienst laufen wird, haben wir 400-Euro-Kräfte eingestellt“, sagt Herbergsleiter Christoph Berghaus. Dieses Konzept habe sich bewährt.

Im St.-Elisabeth-Stift gießt Patrick Venschröder gerade einer Frau Mineralwasser ein. Sie sieht ihn an, lacht, sagt ihm, dass er sehr gut aussehe. Die Freude über junge Leute ist groß. Nein, antwortet Patrick Venschröder, auf die Frage, ob er sich nicht manchmal ausgenutzt fühle. „Wenn ich mich ausgenutzt fühlen würde, wäre ich nicht mehr hier.“

„Für uns ist es eine Verpflichtung genau hinzusehen“, sagt Sabine Tenambergen. Dem ganzen Team sei es wichtig, den Freiwilligen das Gefühl zu geben, dazuzugehören – und das Signal: „Du wirst hier gebraucht.“

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