Kindernothilfe Nottuln
Grundlage für ein Leben ohne Armut schaffen

Nottuln -

Die Kindernothilfe Nottuln engagiert sich in Haiti. Jetzt war Erich Rump erstmals vor Ort, um sich ein Bild von der Situation zu machen.

Montag, 27.02.2012, 08:02 Uhr

Die Kindernothilfe Nottuln engagiert sich seit zwei Jahren in Haiti , um dort Kindern und Jugendlichen eine Chance zu geben. Zusammen mit dem Verein „LVM Helfen verbindet Menschen“ und dem „Aktionskreis Pater Beda für Entwicklungsarbeit“ wird in Jacmel/Haiti ein Jugendbildungszentrum für 250 Jugendliche aufgebaut. Mitte Januar hat sich Erich Rump von der Kindernothilfe Nottuln zusammen mit Pater Roy nach Haiti aufgemacht. Vor Ort mussten der Abschluss der Arbeiten und die Förderung des Projekts sichergestellt werden.

Der Flug von Düsseldorf nach Miami war für Erich Rump ein Glücksfall: Der Chefpilot des Flugs stammt auch aus Nottuln. Er lud Erich Rump ins Cockpit ein und begleitete ihn bis nach Miami auf den Flughafen. Von Miami/Florida ging es dann weiter nach Haiti, in die Hauptstadt Port-au-Prince. Von einem der reichsten Länder der Welt, nämlich aus Deutschland, kam Erich Rump in das Armenhaus Amerikas. „Ich bin aus Brasilien schon vieles gewohnt, aber in Haiti herrscht das blanke Elend“, sagt der Nottulner. Dazu kamen noch die Empfehlung des Auswärtigen Amtes, das Land nicht zu bereisen wegen Cholera-, Malaria- und Kriminalitätsgefahr.

In Port-au-Prince wurden Erich Rump und Pater Roy von dessen Bruder in Empfang genommen und während der ganzen Reise begleitet. Jean Marc Roy ist der Geschäftsführer des Jugendprojekts in Jacmel.

Am ersten Besuchstag hatten Pater Roy, Jean Marc und Erich Rump schon einen Termin bei der Deutschen Botschaft in Port-au-Prince, um dort Hilfen für das Projekt in Jacmel zu beantragen. Der Botschafter war von dem Projekt begeistert und prüft, wie man diesem Hilfe zukommen lassen kann. Er fand es mutig und engagiert, von Deutschland aus solch ein Projekt in Haiti aufzubauen, wies jedoch sofort darauf hin, dass von staatlichen bzw. kirchlichen Stellen für die Verwirklichung des Projekts keine Unterstützung zu erwarten sei.

Jean Marc Roy, Pater Roy und Erich Rump blieben dann zehn Tage in Haiti zusammen. Sie besuchten nach der Deutschen Botschaft das Kinderprojekt von Schwester Dona, das in den Bergen vor Port-au-Prince liegt. Die Schwester und die Kinder wurden mit dem Besuch überrascht und freuten sich riesig. „Schwester Dona kämpft vor Ort mit viel Leidenschaft, um den Kindern und Waisen im Alter von ein bis 15 Jahren eine Lebensgrundlage zu geben“, berichtet Rump. In dem Projekt sind verschiedene Hilfen aus Nottuln schon umgesetzt worden. Erich Rump konnte vor Ort mit den Kindern, Lehrern und der Schulleitung sprechen und neueste Informationen sammeln.

In Port-au-Prince wurden Kontakte zu internationalen Nicht-Regierungsorganisationen und Hilfsorganisationen geknüpft, um dort Tipps für die Arbeit in Haiti zu bekommen. Etliche Gesprächspartner in Port-au-Prince einschließlich verschiedener Redakteure der ARD, die vor Ort einen Dokumentarfilm produzierten, gaben die Auskunft, dass das Land im Augenblick ohne Perspektive und ohne eine funktionierende Regierung bzw. Administration sei. Die Menschen kämpfen täglich ums Überleben. Zwei Drittel der Bevölkerung sind arbeitslos und unterernährt. Die ständige Auseinandersetzung mit dem Elend, dem Dreck, der Hitze und der bitteren Armut fordert ihre Kräfte.

Die Bevölkerung in Haiti wohnt hauptsächlich in den Küstenstädten. Das Land ist im Landesinneren gebirgig. Über die Berge fuhren die drei etwa drei bis vier Stunden bis nach Jacmel, um für mehrere Tage das Projekt zu besuchen.

Die Bauarbeiten im Jugendbildungszentrum waren zu 80 Prozent abgeschlossen. Der Schulbetrieb läuft schon, und es konnten viele Gespräche mit dem Schulträger, den Schülern und Lehrern geführt werden. Das Projekt liegt an einer Küstenstraße etwa 20 Kilometer außerhalb von Jacmel. Im Augenblick werden dort 150 Jugendliche betreut, und in den nächsten zwei Monaten wird der Internatsbetrieb aufgenommen. Dort sollen 100 Sozialwaisen, Jugendliche im Alter zwischen 15 und 21 Jahren aufgenommen werden.

Die Schüler in dem Projekt sind fast alle Sozialwaisen und besuchen die Regelschule. Sie erhalten im Projekt einen integrierten Unterricht oder eine Berufsausbildung. Die Erteilung eines integrierten Unterrichts bedeutet, dass die Schüler eine Hausaufgabenbetreuung und auch regulären Unterricht erhalten, um einen höheren Schulabschluss bzw. einen Berufsschulabschluss zu erreichen. Die Schüler besuchen weiter Kurse in Politik, Ethik, Musik, Kultur und Sport. Dazu gibt es eine medizinische Versorgung, eine Mahlzeit sowie in Zukunft eine psychologische Betreuung.

Der große Vorteil des Projekts liegt unter anderem auch darin, dass die Schüler kein Schulgeld bezahlen. Viele besuchen vormittags oder nachmittags die Regelschule und sind entweder vormittags oder nachmittags dann auch im Projekt. „Die Regelschule in Haiti vermittelt den Schülern nicht den Lernstoff, der den Schülern in Europa und Amerika geboten wird. Viele Schüler brechen dort schon nach zwei oder drei Jahren ihre Schullaufbahn ab, um für ihre Eltern und ihre Familien Geld zu verdienen“, berichtet Erich Rump

Die Pädagogik des Projekts besteht hauptsächlich darin, die Schüler durch eine begleitende Ausbildung so zu qualifizieren, dass sie nach dem Abschluss mit 21 Jahren entweder ein Studium aufnehmen oder in einem qualifizierten Beruf arbeiten können. Damit haben sie eine Lebensgrundlage, um ein Leben ohne Armut und Elend zu führen. Die Schüler haben sich bei der Besuchsgruppe mehrmals bedankt und immer wieder betont, dass das Konzept ihren Bedürfnissen entspricht und sie den Vorteil des Projekts darin sehen, dass sie dort ihr tägliches Mittagessen erhalten und kein Schulgeld zahlen müssen. „Die Schüler machten alle einen motivierten Eindruck“, sagt Rump. Sie wirkten ernster und erwachsener als in Europa. Viele Schüler müssen täglich ohne Frühstück viele Kilometer zur Regelschule und anschließend zu dem Projekt zu Fuß zurücklegen. „Auffällig im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern ist weiter, dass die Jugendlichen in Haiti wegen fehlender finanzieller Mittel keine Drogen und keinen Alkohol konsumieren.“

In vier bis sechs Wochen werden die Bauarbeiten des Projekts abgeschlossen sein. Danach werden das Internatsgebäude, die Mensa und die Küchen in Betrieb gehen, und die Verwaltung wird ihre Arbeit aufnehmen. Zuvor muss das Projekt mit Möbeln, Lehrmitteln und sonstigen wichtigen Materialien ausgestattet sein. Die Finanzierung dafür ist in den letzten Wochen so gut wie sichergestellt worden.

Die nächste große „Baustelle“ ist jetzt die Sicherstellung der Unterhaltskosten. Diese liegen bei etwa 130 000 bis 140 000 Euro im Jahr. Mit Geldern aus Haiti für die Unterhaltung des Projekts ist nicht zu rechnen. Deshalb erfordert es noch einmal einen großen Einsatz, um die Zukunft des Projekts zu garantieren. Die ersten Zusagen, um die jährlichen Kosten zu finanzieren, liegen vor. Die Aufgabe der Initiatoren, des Vereins „LVM Helfen verbindet Menschen“ des Aktionskreises Pater Beda und der Kindernothilfe Nottuln besteht darin, in Deutschland und in Europa bei den Regierungsstellen, kirchlichen Hilfsorganisationen und NGOs Förderanträge zu stellen. Des Weiteren müssen Vereine, Kirchengemeinden und sonstige Organisationen gefunden werden, die jährlich einen bestimmten Geldbetrag zur Verfügung stellen. Auch dazu gibt es schon entsprechende positive Zusagen. Eventuell gelingt es der Kindernothilfe Nottuln auch, dem Projekt in Zukunft einen bestimmten jährlichen Betrag zur Verfügung zu stellen. Daran wird jetzt gearbeitet.

► Wer in Nottuln bereit ist, das Projekt zu unterstützen, kann auf die Konten der Kindernothilfe Nottuln e. V. entsprechende Spenden überweisen mit dem Stichwort Haiti.

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