Hundeführer Wendelin Rölle kann sich auf Dragan verlassen
Der Partner mit der kalten Schnauze

Nottuln -

Wendelin Rölle ist einer von drei Hundeführern bei der Kreispolizeibehörde Coesfeld. Und der Nottulner hat einen treuen Begleiter und Partner: den belgischen Schäferhund Dragan.

Freitag, 03.08.2012, 22:08 Uhr

Hundeführer Wendelin Rölle kann sich auf Dragan verlassen : Der Partner mit der kalten Schnauze
Regelmäßig läuft Wendelin Rölle mit Dragan durch die Baumberge. Sein belgischer Schäferhund, ein Malinois, ist jederzeit ein aufmerksamer Begleiter. Foto: Dieter Klein

Die Nacht ist – höflich ausgedrückt – lausig. Tiefhängende Wolken treiben über die Baumberge und überziehen die Landschaft mit einem nasskalten Schauer. So ist es wohl mehr als ein Zufall, dass ein Anwohner beobachtet, wie sich zwei Unbekannte in der Dunkelheit – kurz nach 22 Uhr – mit einer Tür der Turnhalle beschäftigen. „Einbrecher! 110!“

Oberkommissar Wendelin Rölle bekommt den Einsatz Sekunden später über Funk. „Na, dann mal los, Dragan, es gibt Arbeit!“, muntert er seinen belgischen Schäferhund im hinteren Teil des unauffälligen Kombis auf. Was eigentlich völlig überflüssig ist, denn schon mit dem ersten atmosphärischen Knistern im Polizeifunk hat sich sein „Partner mit der kalten Schnauze“ von der Decke erhoben und witternd die Lauscher aufgestellt . . .

Minuten später, am Einsatzort, sieht der Oberkommissar noch, wie ein flüchtiger Wagen aufheulend davonrast. Hinterher. Und schon ganz in der Nähe, am Waldrand, findet er das Fahrzeug vor einer Schranke. Die Insassen sind raus, im dunklen Gelände verschwunden. Jetzt schlägt die Stunde von Rölles vierbeinigem Partner. In langen Sätzen fliegt er in den Wald und bellt schon nach kürzester Zeit Erfolg. Ein Schrei. Dann nur noch giftiges Knurren.

Hundeführer Rölle leuchtet die ungefähre Richtung ab und findet schon nach wenigen Schritten einen entsetzten jungen Mann, den sein Dragan nicht mehr aus den Augen lässt, nachdem er ihm zuvor sicherheitshalber – „Das ist kein Spaß mehr“ – in den Arm gebissen hat. „Brav, mein Junge“, streichelt Rölle den Hund, bevor er dem Mann Handschellen verpasst.

Wendelin Rölle und sein Partner Dragan sind eins von drei Hundeführer-Teams im Bereich der Kreispolizeibehörde Coesfeld. Alle drei wurden an der Landespolizeischule für Diensthunde in Schloss Holte-Stukenbrock ausgebildet und sind im Einsatz nahezu unschlagbar. So wie in dieser Nacht.

Der 48-jährige ist ein Ur-Nottulner: „Ich bin hier geboren, dann zur Realschule gegangen, war gleichzeitig Messdiener, Fußballer bei Grün-Weiß, Schwimmer in der DLRG, Blasmusiker, Martini- und Antoni-Mitglied. Und ich hatte seit dem 15. Lebensjahr Ambitionen für eine Laufbahn bei der Polizei.“

Und so geschah es dann auch: In Münster ausgebildet, kam Rölle Ende 1988 als junger Hauptwachtmeister zur Kreispolizei nach Coesfeld. Und hier bald in Kontakt mit Diensthunden. Mit seinem ersten, einem pechschwarzen Schäferhund namens Rocco, lernte er in einem Grundkurs den gemeinsamen Umgang. Später dann in Stukenbrock die vielen Einsatzmöglichkeiten für Hunde, je nach Veranlagung als Geruchsspurenvergleichs-, Leichen-, Brandmittel- oder Mantrail-Hunde.

Nach Rocco kam Basco – „ein echter Rauschgift-Hund“. Und im Jahr 2004 legte Rölle zum ersten Mal Dragan an die lange Dienstleine. Den hatte er sich privat gekauft. Als Dragan sich aber als gelehrig und einsatzfähig erwies, übernahm der Kreis die Anschaffungs- und Verpflegungskosten.

Basco verbrachte zu dieser Zeit schon ein geruhsames Rentnerleben bei Rölles Eltern am Dechant-Deitmer-Weg. Mit staatlich garantierter tierärztlicher Versorgung und vom Steuerzahler finanziertem Futter – „Hunde-Pension“.

So wird es Dragan auch eines Tages gehen. „Aber der kommt mir nie mehr weg“, erklärt der Polizist und Tierfreund.

Zurzeit sieht man ihn schon mit einem weiteren jungen Hund in der Nähe des Wasserwerks unterwegs. Baxster haben ihn Rölles Kinder getauft. In den folgenden zwei Jahren wird sich entscheiden, ob der junge Welpe polizeitauglich ist. „Wenn nicht, bleibt er trotzdem bei uns im Haus“, sind sich die Rölles einig.

Wendelin Rölle kommt gerade mit Dragan von einer langen Tour aus den Baumbergen zurück. Während er seinen Partner sauber bürstet – die „Pflegestunde“ zählt als bezahlte Arbeitszeit –, schmunzelt er stolz: „Dragan ist schussfest. Am Bagno haben die Schützen geballert. Dragan hat nicht mal mit einem Barthaar gezuckt.“

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