Tag der offenen Moscheen
Liberale und progressive Gemeinde

Nottuln -

Die Fatih-Moschee in Marl-Hamm war das Ziel einer Fahrt, zu der die Kolpingsfamilie Nottuln eingeladen hatte.

Donnerstag, 04.10.2012, 19:10 Uhr

Tag der offenen Moscheen : Liberale und progressive Gemeinde
Die Fatih-Moschee in Marl-Hamm war das Ziel einer Fahrt, zu der die Kolpingsfamilie Nottuln eingeladen hatte. 24 interessierte Bürger ließen sich über den Islam und die Bedeutung der Moschee informieren. Foto: Peter Schulte

In Ergänzung zum Themenabend „Christen und Muslime vor Ort: gegenseitig verstehen, miteinander umgehen“ (die WN berichteten) hat die Kolpingsfamilie Nottuln den „Tag der offenen Moscheen “ am 3. Oktober genutzt, um die Fatih-Moschee in Marl-Hamm zu besuchen.

Die Gruppe, bestehend aus 24 interessierten Nottulnern, wurde von Erol Kesici , dem Vorsitzenden der Moscheengemeinde Marl , begrüßt. Nach einem kurzen, sehr informativen Film über den Islam und insbesondere die Bedeutung von Moscheen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, das Gebäude eingehend zu besichtigen.

Das islamische Gotteshaus in Marl-Hamm wurde 1992 als erster Moschee-Neubau in Deutschland mit der typischen Kuppel und dem Minarett errichtet. Er kostete damals rd. 4 Millionen D-Mark und wurde komplett aus Spenden und Gemeindebeiträgen finanziert. Das Gebäude bietet mit dem großem Raum im Erdgeschoss und der Empore Platz für bis zu 1500 Gläubige, die dort insbesondere an den Freitagen und vor allem an islamischen Feiertagen ihre Gebete verrichten. Nebenräume für Veranstaltungen und für Treffen und Jugendarbeit wurden in späteren Jahren hinzu gebaut.

Nach dem Rundgang stand Suleyman Duran, der Imam der Gemeinde, den Nottulnern zu ihren Fragen Rede und Antwort. Die Marler islamische Gemeinde umfasst rund 650 Familien aus dem Raum Marl und Umgebung und hat damit etwa 3500 Mitglieder. Der Imam, der in der Türkei Theologie (auch Christentum und Judentum) studiert hat, hält seine Gebete und auch die Predigten vorrangig in türkischer Sprache ab. Dabei wird eine Übersetzung – insbesondere des Predigttextes – in deutscher Sprache auf einer großen Leinwand angezeigt.

Die Marler Muslime sind hinsichtlich der Ökumene sehr aufgeschlossen, berichtet die Kolpingsfamilie. Sie unterhalten seit vielen Jahren gute Kontakte sowohl zu evangelischen und katholischen Gemeinden als auch zur jüdischen Gemeinde in Herten. Die derzeitigen Bestrebungen, von Seiten des Landes einen strukturierten islamischen Religionsunterricht an Schulen einzuführen, werden sehr begrüßt. Auch das Vorhaben innerhalb des Islam in Deutschland, Imame in Deutschland auszubilden, um der hiesigen Kultur besser gerecht werden zu können, werden von der Marler Gemeinde deutlich unterstützt.

Auf die Frage nach der Einschätzung des Schmähvideos machten Vorsitzender und Imam deutlich, dass man das aufgrund seiner absoluten Absurdität nicht ernst nehmen könne und dass auch in Marl in Predigten zur Besonnenheit aufgerufen werde. Ausschreitungen, wie sie weltweit passieren, seien in keinem Fall gerechtfertigt.

Bei einem abschließenden Tee im Gemeindeheim waren sich die Nottulner Besucher einig, dass es sich bei den Marler Muslimen um eine sehr liberale und progressive Gemeinde handelt und dass ein Kontakt aus ökumenischen Gründen und aufgrund zukünftig besseren Verstehens aufrecht erhalten bleiben sollte.

Weitere Informationen (auch zum Themenabend) und Bilder finden sich im Internetangebot der Kolpingsfamilie.

 

| www.kolping-nottuln.de

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