Naturfotograf Walter Weigelt
Seltenen Besucher „erwischt“

Appelhülsen -

Walter Weigelt hat einen Mittelspecht „erwischt“. Für Appelhülsen eine echte Seltenheit, wie Experten sagen.

Sonntag, 07.04.2013, 11:04 Uhr

Walter Weigelt hat einen Freund, der ist Ornithologe, also Vogelkundler. Und der hat richtig gestaunt, als Weigelt ihm das Foto von dem hübschen Mittelspecht gezeigt hat, den er im Frenkings Busch, der direkt an den Garten der Familie Weigelt grenzt, „erwischt“ hat. In der Davert gebe es rund 120 Brutpaare, wusste der Ornithologe. „Aber für Appelhülsen ist das eine echte Seltenheit .“

Keine Seltenheit ist allerdings, dass Walter Weigelt ein gutes Bild von einem Vogel gelungen ist. Gleich mehrere Fotobücher hat der Appelhülsener für den Hausgebrauch zusammengestellt, vom Haussperling bis zur Türkentaube, vom Kernbeißer bis zum Grün- und Buntspecht hat er sie dort alle versammelt, die gefiederten Schönheiten der näheren Umgebung.

Die Fotografie hat Weigelt schon immer fasziniert. Als er 14 Jahre alt war, wurden im Biologie-Unterricht Fotogramme von Blättern erstellt. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich dabei geblieben bin.“ Nach der Schule machte der Appelhülsener seine Ausbildung im Fotohandel, kaufte sich von seinem ersten Lehrlingsgehalt eine Fotoausrüstung.

Zehn Jahre arbeitete er im Fotohandel, dann wechselte er nach Münster zu dem Amt, das heute den vertrackt langen Namen Chemisches und Veterinär-Untersuchungsamt Münster-Emscher-Lippe trägt. Dort wurde damals jemand fürs Fotolabor gesucht, Weigelt bekam den Job, bildete sich weiter und ist heute als technischer Mitarbeiter in der Mikrobiologie tätig.

Fotograf Walter Weigelt unter seinem Tarnzelt.

Fotograf Walter Weigelt unter seinem Tarnzelt. Foto: Frank Vogel

Im Beruf fotografiert er nur noch gelegentlich, als Hobbyfotograf ist er dafür umso aktiver. Am liebsten in der Natur – und da alle Tierarten querbeet. „In den vergangenen zwei, drei Jahren habe ich mich dann intensiver mit dem Thema Vögel beschäftigt“, erzählt der 55-Jährige. „Und zuletzt habe ich mir gezielt die Spechte vorgenommen.“

Womit wir wieder beim Appelhülsener Mittelspecht wären: Den entdeckte Walter Weigelt im Frenkings Busch erstmals im vergangenen Herbst. „Am Anfang war es nur eine Vermutung“, meinte er das Tier an seinem roten Scheitel erkannt zu haben. „Im Oktober, November ist mir dann das erste ‚Beweisfoto‘ gelungen.“ Das Bild war aber noch nicht der Hit. Doch dann kontaktierte Weigelt in einem Forum einen Spezialisten für Spechtaufnahmen, und der verriet ihm, mit welcher Futtermischung man das Tier anlocken kann.

Doch auch mit dem richtigen Lockmittel war das Fotoshooting kein leichtes Unterfangen, der scheue Vogel setzte sich einfach nicht passend auf den Ast, den Walter Weigelt im hinteren Teil seines Gartens präpariert hatte. „Drei oder viermal ist er wieder verschwunden, bevor ich abdrücken konnte.“ Noch die kleinste Bewegung, die Weigelt in seinem kleinen Tarnzelt, das zwei, drei Meter entfernt platziert war, verscheuchte den Mittelspecht. Aber dann: „Rosenmontag, kurz nach Sonnenaufgang, bei weichem Licht, hatte ich ihn genau an der Stelle, wo ich ihn haben wollte“, erinnert sich Walter Weigelt und strahlt: „Ein tolles Erlebnis.“

Tierfotografie sei zu 50 Prozent Geduld. „Mindestens.“ Wenn es seine Zeit erlaubt, sitzt der Appelhülsener auch im Winter anderthalb Stunden, warm angezogen und mit einer Thermoskanne bewehrt, im Zelt und wartet mucksmäuschenstill auf seine Objekte. „Man sieht durch die kleine Luke im Zelt nur einen kleinen Ausschnitt, dafür hört man die Natur umso intensiver.“

Ist das Bild im Kasten muss es bearbeitet werden. „Wenn man digital fotografiert, hat man schnell viele Bilder zusammen. Und dann muss man aussortieren. Von hundert Bildern sind fünf gut, manchmal nicht mal das.“ Grundvoraussetzung neben der entsprechenden Ausrüstung sei, dass man die Tiere und ihr Verhalten kennt. Dass man weiß, auf welches Futter sie scharf sind, damit man sie auf den Ast locken kann, den man so positioniert hat, dass für das Bild auch ein passender Hintergrund da ist. Und früh aufstehen müsse man, schmunzelt Walter Weigelt. „Die erste Stunde nach Sonnenaufgang ist optimal, da ist das Licht nicht so hart.“ Und der Winter ist aus demselben Grund besser als der Sommer. Dass die Kamera im richtigen Moment dann auch richtig eingestellt sein muss, versteht sich von selbst, ist aber trotz aller Technik noch immer auch ein bisschen Glückssache. „Die Vögel haben eine so kleine Körperfläche und sind so schnell, da kommt auch der Autofokus manchmal nicht mit.“ Beim Mittelspecht jedenfalls hat alles gepasst.

»Rosenmontag, kurz nach Sonnenaufgang, bei weichem Licht, hatte ich ihn genau an der Stelle, wo ich ihn haben wollte.«

Walter Weigelt
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