Schapdettener für Schapdetten e.Vv.
Erfolgsmodell Dorfladen

Schapdetten -

Seit 17 Jahren betreut Wolfgang Gröll die Gründung von Dorfläden. Etliche Preise haben die Projekte schon gewonnen.

Dienstag, 16.04.2013, 18:04 Uhr

Vorsitzende Walburga Niemann (rechts) begrüßte Unternehmensberater Wolfgang Gröll (links) in Schapdetten. Die Arbeitsgruppe „Nahversorgung“ mit Hildegard Hansen, Ludger Geßmann und Hugo Sandmann (von links) kümmert sich federführend um das Dorfladen-Projekt. Zur Gruppe gehören noch Willi Voss, Ele Kürten, Elisabeth Böder und Angela Schneider.
Vorsitzende Walburga Niemann (rechts) begrüßte Unternehmensberater Wolfgang Gröll (links) in Schapdetten. Die Arbeitsgruppe „Nahversorgung“ mit Hildegard Hansen, Ludger Geßmann und Hugo Sandmann (von links) kümmert sich federführend um das Dorfladen-Projekt. Zur Gruppe gehören noch Willi Voss, Ele Kürten, Elisabeth Böder und Angela Schneider. Foto: Frank Vogel

Wolfgang Gröll redet wie ein Wasserfall. Der Mann mit der hohen Stirn und dem bayrischen Dialekt kennt sich aus. Seit 17 Jahren betreut er die Gründung von Dorfläden . Etliche Preise haben die Projekte schon gewonnen. „Am Anfang sind wir ausgelacht worden, heute kommt Edeka als größter Lebensmittelhändler Deutschlands und möchte mit uns zusammenarbeiten. Dann können wir nicht ganz daneben gelegen haben.“

Wolfgang Gröll ist mit seiner Firma NEWWAY vom Verein „ Schapdettener für Schapdetten “ mit der Machbarkeitsstudie für einen Dorfladen betraut worden (wir berichteten). Am Montag war er in der Mitgliederversammlung im Hotel „Zur alten Post“. Und auch, wenn der Unternehmensberater aus Starnberg noch nicht viel Konkretes über das Projekt in Schapdetten erzählte, hat er doch seine Erfahrungen aus 130 bis 140 Dorfladengründungen. Von denen nur fünf gescheitert seien. Meist seien das die gewesen, bei denen er mit Einzelhändlern zusammengearbeitet hat. „Die haben das Geld verbrannt.“ Das erfolgreichste Modell sei der von Bürgern getragene Dorfladen, so wie ihn auch die Schapdettener anstreben. „Die Bürger sind nah an ihren Kunden dran, und sie bringen die notwendige positive Naivität mit.“

Drei Phasen unterscheidet Gröll. Über die Sensibilisierungsphase sei man in Schapdetten bereits hinaus. Das Interesse an einem Dorfladen ist geweckt – das zeigte auch der gute Besuch der Versammlung am Montag. Zurzeit sei man in der Vorprüfungsphase, in die die Machbarkeitsstudie falle. Ist die abgeschlossen und öffentlich vorgestellt, müsse die Finanzierung gesichert werden. Maximal 75 000 Euro brauche man für Einrichtung, Waren und als Liquiditätsreserve. Wenn man die Rechtsform Bürgergenossenschaft wähle, müssten deren Mitglieder dafür 375 Anteile à 200 Euro zeichnen. „Das ist in Schapdetten machbar.“

Gröll rechnet fiktiv mit einem Umsatz von 380 000 Euro im ersten, 410 000 Euro im zweiten und 440 000 Euro im dritten Jahr und geht für das dritte Jahr von einem positiven Unternehmensergebnis aus. „Wir begleiten Sie, bis Sie schwarze Zahlen schreiben“, verspricht er. Sagt allerdings auch, dass man im Zweifel auch den Mut haben müsse, das Scheitern einzugestehen.

Die Finanzierung, so Gröll, müsse in der Vorprüfungsphase gesichert sein, sonst ist das Projekt gestorben. Aber: Niemand müsse in dieser Phase schon Geld in die Hand nehmen. Das Gründungskapital müsse erst in der Umsetzungsphase, nach der Gründung des Rechtsträgers fließen. Die Bürgergenossenschaft werde vom genossenschaftlichen Gedanken getragen – Selbstverantwortung, Selbstbestimmung und Selbstverwaltung –, übernehme auch das Genossenschaftsrecht, sei aber etwas flexibler.

Konkret zum Schapdettener Projekt berichtete dann Hugo Sandmann für die Arbeitsgruppe „Nahversorgung“. Mit den Räumen der Bäckerei Fröndhoff habe man das Mietobjekt, mit der Markant-Gruppe einen Lieferanten gefunden. Trotzdem könne man, so Sandmann auf Nachfrage, zusätzlich auch Produkte anderer, regionaler Firmen anbieten. Eigenleistungen beim Einrichten des Ladens werde man dank eigener Handwerker erbringen können, und auch in Sachen Mitarbeiter seien schon Interessierte gefunden. In Sachen Fördermittel empfahl Wolfgang Gröll, die Gemeinde als Gesellschafter ins Boot zu nehmen. Die habe zwar faktisch nicht mehr zu sagen als jeder andere Gesellschafter auch, doch sei es dadurch möglich, kommunale Fördermittel zu beantragen.

»Die Bürger sind nah an ihren Kunden dran, und sie bringen die notwendige positive Naivität mit.«

Wolfgang Gröll
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