Hiroshima-Gedenktag
Erinnerung lässt Hoffnung wachsen

Nottuln -

Am Dienstagabend gedachten zahlreiche Nottulner der Opfer der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki. Sprecherinnen und Sprecher mahnten an, dass die Atomwaffen weltweit abgeschafft werden müssten.

Mittwoch, 07.08.2013, 19:08 Uhr

Dienstagabend. Nottuln erinnerte sich. Die Flaggen vorm Rathaus hingen auf Halbmast. Es war kurz nach 21.30 Uhr, als auch die gelben Lampen im Dorfbrunnen erloschen. Als sich nur noch der Schein schwimmender Kerzen – einer japanischen Tradition folgend – auf dem Wasser spiegelte. Und als mit einem Male die große Glocke von St. Martinus schlug und Klaus Bratengeyer zur Gitarre griff und sang: „Sag mir, wo die Blumen sind“, verstummten alle Gespräche. Die Menschen vor der Ratsschänke blickten hinüber zu dem dichten Kreis derer, die sich an diesem späten Abend am Brunnen getroffen hatten, um der Toten von Hiroshima zu gedenken.

Am 6. August 1945 hatte eine amerikanische Atombombe dort in Sekunden das Leben von nahezu 90 000 Menschen ausgelöscht. Dann fiel die zweite Bombe in Nagasaki und vernichtete noch einmal so viele Leben. Und wie groß die Zahl derer ist, die noch Jahrzehnte später, an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung starben, kann nur vermutet werden.

„Lasst alle Seelen hier in Frieden ruhen, damit wir nicht das Böse wiederholen“, zitierte Ingeborg Bispinck-Weigand von der „ Pax Christi “-Bewegung im Auftrag der Nottulner Friedensinitiative eine Inschrift, die am Friedensmuseum Hiroshimas angebracht ist. Und mahnte: „Die USA besitzen heute noch rund 8000 Atomwaffen , Russland 10 000, Großbritannien 225, Frankreich 300, China 240, Indien zwischen 80 und 100, ebenso viele wie Pakistan, Israel 80 und Nordkorea geschätzte ein bis zehn.“ In Deutschland, auf dem US-Stützpunkt Büchel im Hunsrück, lagerten die USA auch heute noch Atombomben. „Nur die totale Beseitigung dieser Waffen garantiert, dass sie nicht wieder eingesetzt werden“, mahnte Bispinck-Weigand und rief dazu auf, „unsere Abgeordneten zu befragen: Wie stehen Sie zu unseren Forderungen, die Atomwaffen aus Deutschland abzuziehen?“

Kaplan Christoph Klöpper griff in knappen Worten die Mahnungen auf. Ingrid und Manfred Stübecke lasen aus den fiktiven, erschütternden Dialogen eines Ehepaares nach einem Atomkrieg.

Bürgermeister Peter Amadeus Schneider, seit vielen Jahren für Nottuln Mitglied im Solidaritätsbündnis „Mayors for Peace“, hatte Heinz Rütering das Mikro überlassen. Dieser erinnerte: „Vor 18 Jahren durfte ich als stellvertretender Bürgermeister in der von-Aschebergschen Kurie im Kreise vieler Ratsvertreter zwei Männer aus Hiroshima begrüßen. Das ist mir unvergessen geblieben. Viele Zeitzeugen von damals sind längst tot. Wir haben die Verpflichtung, ihrer zu gedenken. Denn aus der Erinnerung entsteht Hoffnung. Und aus ihr erwächst – wenn sie nicht in Verzweiflung mündet – der Auftrag zur Gestaltung einer Zukunft ohne Krieg und Gewalt.“

Und dann blickten alle auf die im Brunnen schwimmenden Lichter, die den Gedanken Raum gaben. Und Klaus Bratengeyer sang: „Sag, wo die Soldaten sind, über Gräber weht der Wind.“

»Nur die totale Beseitigung der Atomwaffen garantiert, dass sie nicht wieder eingesetzt werden.«

Ingeborg Bispinck-Weigand
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