Bunker und Schulgebäude:
Ein „unbequemes Denkmal“

Nottuln -

Zahlreiche Besucher nutzten am Sonntag den „Tag des offenen Denkmals“, um die Nottulner Hauptschule unter dem Blickwinkel des diesjährigen Mottos „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ zu betrachten.

Montag, 09.09.2013, 20:09 Uhr

Bereits um 11 Uhr zur ersten von drei Führungen im Laufe des Tages konnte stellvertretender Bürgermeister Wolf Haase zahlreiche Gäste im Foyer der Geschwister-Scholl-Schule begrüßen. Er erinnerte daran, dass das Gebäude und auch seine Unterschutzstellung als Denkmal in der Vergangenheit zu vielen kontroversen Diskussionen geführt hatten. „Vom ersten Bauantrag im Jahre 1967, vom Baubeginn 1968 und der Fertigstellung in Frühjahr 1971, von zwischenzeitlicher sechsmonatiger Stilllegung, über Betonsanierungen 1994/95 und Dachaufständerungen mit einem neuen Kaltdach“, so Haase, hätten die Architekten Wolfgang Pantenius und Ruth Pantenius-Lohmann zusammen mit Gregor Deilmann und der Gemeinde mehr als 30 Jahre gewartet, bis das Gebäude mit Nachricht vom 20. Dezember 2000 vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege „denkmalwert“ geworden sei. „Die Schule ist ein bedeutendes Zeugnis für die Neuordnung des Schulsystems und damit für die Geschichte der Schule in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts!“, zitierte er aus dem damaligen Gutachten.

„Wenn wir von unbequemen Denkmälern sprechen, dürfen wir natürlich auch die Schutzräume nicht vergessen“, ging Haase auf den für viele unbekannteren, unterirdischen Teil des Gebäudes ein. Die sogenannte atombombensichere Anlage sei in der Zeit des Kalten Krieges als Ausweichquartier für die Bezirksregierung gedacht gewesen und habe vor allem seitens der Nottulner Friedensinitiative zu massiven Protesten geführt, erinnerte sich Haase an Aktionen, etwa im Winter 1985.

Bevor sich die Besucher an diesem Tag des offenen Denkmals geführt von Architekt Richard Dammann auf den Weg durch die Hauptschule und begleitet von Sigmar Hergesell, dem ehemalige Verwalter der in den Schutzräumen untergebrachten Außenstelle des Landesarchivs, durch den ehemaligen Bunker machten, wagte Haase abschließend den Sprung in die Gegenwart. „Wieder sind neue Schulgesetze, Schulformen aufgrund des demografischen Wandels geplant und umgesetzt. Dieses Gebäude, in dem in fast 50 Jahren hervorragend unterrichtet wurde, wird in naher Zukunft nicht mehr eine Stätte der Bildung sein.“ Am Ende nähmen die Besucher nun auch gemeinsam Abschied, nicht von dem Gebäude, das als „unbequemes Denkmal“ erhalten bleibe, sondern von der ursprünglich von den Architekten in den 1960er-Jahren gewolltem Nutzen.

Damit im Schulgebäude zukünftig große Teile der Gemeindeverwaltung ein neues Zuhause finden, sind Umbaumaßnahmen erforderlich, die am Sonntag Sachgebietsleiter Karsten Fuchte den Interessenten vorstellte.

Am neugierigsten waren die Besucher allerdings auf die Bunkeranlagen, deren Aufteilung und Einrichtung ihnen Sigmar Hergesell erklärte. Neben dem Staatsarchiv hätten dort, geschützt durch Luftaufbereitungsanlagen und Warneinrichtungen, auch 50 Schlafplätze bereit gestanden. Ein Notstromaggregat mit 160 000 Watt sei für die autonome Energieversorgung zuständig gewesen.

Im Gegensatz zu den unterirdischen Räumen wirkte danach die Schule gleich noch freundlicher. „Das ist ein Gebäude, das einfach hell und offen ist“, betonte Architekt Dammann. Mit dieser Bauform sollten auch Schwellen in der Schulerziehung abgebaut werden.

»Wenn wir von unbequemen Denkmälern sprechen, dürfen wir natürlich auch die Schutzräume nicht vergessen.«

Wolf Haase
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