Private Baumpflanzung an der K 18 in Nottuln
Aus Liebe zu den Bäumen

Nottuln -

Günther Ring geht es um ein „lebenswertes Münsterland“. Der Baumfreund hat daher an der Kreisstraße 18 in Nottuln 60 junge Platanen gepflanzt – ohne Genehmigung durch die Behörden.

Samstag, 21.09.2013, 12:09 Uhr

Günther Ring hat ein Herz für Bäume. Ein sehr großes Herz. Das darf getrost behauptet werden: Wer Platanensamen von der Düsseldorfer Kö mit ins Münsterland bringt, diesen im eigenen Garten einpflanzt und sieben Jahre lang die sich daraus entwickelnden 60 Schösslinge hegt, um sie dann an einer Kreisstraße als wunderschönes Begleitgrün einzupflanzen, der liebt Bäume. Günther Ring aus Rorup hat genau das an der Dülmener Straße in Nottuln gemacht. Seine private Pflanzaktion hat durch den öffentlichen Aufruf des Kreises Coesfeld eine mediale Aufmerksamkeit erhalten, die er nie beabsichtigt hatte. Noch weniger wollte er irgendjemandem Schaden zufügen. „Das war nie meine Absicht“, betont der 46-Jährige.

Hinter seiner Pflanzaktion steckt ein honoriges Anliegen. „Mir geht es um ein lebenswertes Münsterland, um den Erhalt und die Förderung von Alleen“, sagt Günther Ring. Die Straßenbaulastträger hätten einen wahnsinnigen Kostendruck, da bleibe dann nicht mehr viel Geld für Straßenbäume und ihre Pflege übrig. Deshalb wollte er selbst einen Beitrag für eine schöne Landschaft leisten.

Als die 60 jungen Bäume für seinen eigenen Garten zu groß wurden, suchte er nach einer Möglichkeit für eine Straßenbegrünung. Private Garten- und Ackerflächen sollten nicht benachteiligt werden, es sollte eine freie, gut einsehbare Stelle sein, wo der Wind das Laub im Herbst wegwehen kann – Günther Ring hat sich zuvor viele Gedanken gemacht. „Es war mir wichtig, alle Regeln einzuhalten.“ Deshalb hat er sogar bei einem Freund nachgefragt, welche Abstandsregeln für Straßenbäume gelten. Der hat nachgeschaut – dummerweise nicht in der damals und auch heute geltenden Verordnung, sondern in einer früheren. Und so pflanzte Ring die Bäume mit einem Abstand von drei Metern zur Fahrbahn. 4,50 Meter sind aber vorgeschrieben für Straßen mit Tempo 70, so wie an der Dülmener Straße. Gar 7,50 Meter beträgt der Abstand bei Tempo 100. „Wo kann man denn solche Abstände realisieren?“, schüttelt Ring den Kopf. „Das ist doch eine Straßenbaum-Verhinderungsverordnung.“

Als der Roruper im Winter 2011/2012 an mehreren Wochenenden die Bäume pflanzte, glaubte er, allen Anforderungen gerecht zu werden. Von vielen Passanten und Anliegern ist er damals angesprochen worden und hat große Zustimmung erfahren. Auch in der Zeit danach. Denn Günther Ring hat sich nach besten Kräften um die Bäume gekümmert. In den trockenen Sommermonaten hat er sie regelmäßig gegossen, das Wasser bekam er von den Anwohnern. Vielen Anliegern ist er persönlich und mit Namen bekannt. Doch niemand hat offensichtlich den Kreis informiert, als dieser öffentlich nach dem Baumspender suchte. Alle haben dicht gehalten, demonstrierten Solidarität. Erst nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub hat Ring über Freunde vom Aufruf des Kreises erfahren und sich dann bei den Behörden gemeldet.

Dass man nicht einfach auf öffentlichen Flächen Bäume pflanzen darf, klar, das weiß auch Günther Ring. Warum hat er nicht den Kreis gefragt? „Ich habe mir damals nicht vorstellen können, dafür Verständnis zu bekommen.“ Dass gleichwohl irgendwann die Behörde aufmerksam wird, damit hat er gerechnet. „Ich habe aber gehofft, wenn ich zeige, dass ich mich um die Bäume kümmere und auch künftig kümmern möchte, dann wird das schon irgendwie klargehen.“ So spricht ein Idealist. Und: Der Roruper glaubte, die Bäume seien vom Kreis akzeptiert, schließlich habe auch der Kreisbauhof schon einmal die Platanen gewässert, so erzählten es ihm Anlieger.

Anfang Oktober hat er nun das Gespräch mit dem Kreis Coesfeld. Zurücknehmen in seinen Garten kann er die Bäume nicht, „dafür ist mein Grundstück zu klein“. Wenn die Platanen weg müssen und es keinen anderen Platz für sie gibt, dann „müssten sie abgeholzt werden“, sagt Günther Ring. „Das würde ich auch selbst tun – schweren Herzens.“

»Mir geht es um ein lebenswertes Münsterland, um den Erhalt und die Förderung von Alleen.«

Günther Ring
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1925444?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F1781774%2F2009877%2F
Poller schützen bald den Domplatz
Der städtische Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer (l.) und Norbert Vechtel (Ordnungsamt) vor der längsten Sperranlage in der City an der Loerstraße. Bis 2021 sollen alle relevanten Innenstadt-Zufahrten mit Überfahrschutzpollern ausgestattet sein.
Nachrichten-Ticker