Geschichte vor Ort
Älter als gedacht

Nottuln -

Noch in diesem Monat soll am 24. und 25. Mai (Samstag/Sonntag) die Wassermühle Schulze Westerath in Stevern für Besucher geöffnet werden. Über 400 Jahre Mühlengeschichte stehen dann zur Besichtigung bereit.

Samstag, 10.05.2014, 16:05 Uhr

Bei den baugeschichtlichen Untersuchungen stellte sich nun heraus, dass das Haus noch viel älter ist und gar nicht als Mühle erbaut wurde. Es gehört zur Gruppe der „Ländlichen Steinwerke“, die in der Region häufig auch als Steinspeicher bezeichnet werden. Im Falle der „ Wassermühle “ war es „Johannes schulte to Steveren“, der sich das vornehme Wohnhaus aus Baumberger Sandstein errichten ließ. Obwohl die Schultenfamilie Stevermann „horich dem styfft Nottellen“ (eigenhörig gegenüber dem Damenstift Nottuln ) war, so besaßen sie doch das „heele erve“ = Vollerbe an ihrem Schultenhof. So konnte sie über Generationen hinweg einen Wohlstand aufbauen, der es ihnen ermöglichte, ein Gebäude zu errichten, das sich sonst nur niederadlige Bauherren finanziell erlauben konnten.

Dass das Baualter bestimmt werden konnte, obwohl es keine Quellen oder Bauinschriften dazu gibt, ist einer dendrochronologischen Untersuchung (Altersbestimmung durch Untersuchung der Jahresringe im Holz) zu verdanken. Bei zwei in der Wand eingebauten Eichenhölzern der Mühle konnte mit Hilfe der Jahresringdatierung eine ungefähre Bauzeit ermittelt werden.

Mit Hilfe eines Hohlbohrers wurden zwei Bohrkerne entnommen, deren Jahresringe gezählt und deren Abstand zueinander exakt am Computer bestimmt wurde. Der stets wechselnde Abstand der Jahresringe ist im Laufe der Jahrhunderte so einmalig, dass er bei einem Vergleich auf das Jahr genau in eine bestehende Baumringabfolge (Jahrringchronologie) eingeordnet werden kann. Die letzten ermittelten Jahresringe stammen bei der Steveraner Mühle von 1471 beziehungsweise 1474. Da den beiden Balken aber ein Stück Holz bis zur Rinde fehlt, muss man davon ausgehen, dass der Baum etwas später gefällt wurde, also um 1490 (+/- zehn Jahre). Die Mühle wurde also zu einer Zeit erbaut, als Amerika gerade entdeckt wurde, an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit.

Kurz vor Ende der gut sieben Jahre dauernden Restaurierungsmaßnahmen konnte damit ein weiteres Geheimnis der „Mühle“ geklärt werden. Zu besichtigen gibt es am 24. und 25. Mai also nicht nur lebendige Mühlentechnik, sondern auch noch ein Wohnhaus aus spätmittelalterlicher Zeit.

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