Ehrung für engagierten Appelhülsener:
Einsatz für innovativen Unterricht

Nottuln -

Hohe Auszeichnung für Heinz Böer: Bundespräsident Joachim Gauck hat dem 62-jährigen Appelhülsener das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Samstag, 19.07.2014, 20:07 Uhr

Gewürdigt wird damit der jahrelange ehrenamtliche Einsatz des leidenschaftlichen Mathematik- und Physiklehrers für einen praxisbezogenen und anwenderfreundlichen Mathematikunterricht sowie das gesellschaftliche Engagement in der Friedensinitiative (FI) Nottuln . Im Beisein seiner Ehefrau und seines Sohnes, Annette und Philipp Hamers, sowie zahlreicher Freunde und Wegbegleiter erhielt Heinz Böer Orden und Urkunde aus den Händen von Landrat Konrad Püning . „Es hat den Richtigen getroffen“, sagte Bürgermeister Peter Amadeus Schneider.

Landrat Püning erinnerte in seiner Laudatio an einen Satz des Sozialwissenschaftlers Herbert Spencer: „Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln.“ Das umschreibe gut die Motivation von Heinz Böer. Der Appelhülsener gehörte 1977 zu den Gründern der Lehrer-Selbsthilfe-Organisation „Mathematik-Unterrichts-Einheiten-Datei“ (kurz MUED e.V.). Ziel dieses Vereins, der bundesweit tätig ist und dem heute mehrere Hundert Lehrer angehören, ist die Verbesserung des Mathematik-Unterrichts durch eine anwenderfreundliche und praxisbezogene Didaktik. Seit nunmehr über 30 Jahren ist Heinz Böer maßgeblich an der Entwicklung neuer Unterrichtsmaterialien und an der Konzeption und Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer beteiligt. Mittlerweile sind über 1000 Unterrichtsgrundlagen für die Mathematik von MUED entwickelt worden, so der Landrat.

Für seinen Einsatz wurde Böer schon mehrfach ausgezeichnet, als „Mathemacher des Monats“, als Botschafter der Initiative „MINT – Zukunft schaffen“. In diesem Frühjahr erhielt er sogar den Archimedes-Preis der Mathematiker-Vereinigung.

Zweiter großer Bereich ist der Einsatz in der Friedensinitiative, so Püning weiter. Böer gehörte 1981 zu deren Gründern. Auch dank seines Einsatz entstand unter anderem die Initiative FairPla.net als internationales Bürgerunternehmen. All dieses große ehrenamtliche Engagement erfahre nun seine verdiente Würdigung, betonte der Landrat.

Bürgermeister Schneider wies darauf hin, dass Heinz Böer so gar nicht dem Klischee eines verschrobenen Mathematikwissenschaftlers entspreche. Er habe ihn als „sehr offenen, spontanen, lebensnahen und aktiven Menschen kennengelernt“, betonte Schneider und erinnerte auch an Böers Engagement in der Lokalen Agenda. Der Bürgermeister: „Die Gemeinde ist stolz auf Sie.“

Heinz Böer selbst räumte ein, überrascht gewesen zu sein, als er von der geplanten Ehrung durch den Bundespräsidenten erfahren habe. „Denn mein Agieren steht eigentlich oft im Widerspruch zu unserem Staat“, betonte er und nannte dafür Beispiele: Dass Bundespräsident Gauck Militäreinsätze als letztes Mittel für vertretbar halte, stehe in klarem Widerspruch zu seiner Haltung, wonach zivile Konfliktbewältigung immer den Vorrang haben müsse.

Und in der Mathematik? „Ich fand den Mathematikunterricht damals unerträglich und stand daher in deutlicher Gegnerschaft zur vorherrschenden Didaktik“, schilderte Heinz Böer. „Dass ich trotzdem geehrt werde, stärkt mein Zutrauen in diesen Staat.“ Und schmunzelnd fügte er hinzu: „Ich bin schon mal froh, dass ich nicht für mein Lebenswerk geehrt werde.“ Denn an ein Aufhören denkt der 62-Jährige nicht. Weder bei der FI noch in der MUED, wo er an der Neuherausgabe eines „Mathematikkoffers“ und an einem neuen Mathematik-Schulbuch arbeitet, das nur im Internet erscheinen soll. Damit reagiert die MUED auf die Situation, dass nahezu jeder Jugendliche via Smartphone einen Onlinezugang hat. „Statt dies zu bekämpfen, sollten wir das für den Mathematikunterricht nutzen“, findet Heinz Böer.

Und bei Projekten wie diesen wird dann wieder die Leidenschaft deutlich, mit der Heinz Böer die Mathematik in den Alltag bringen will. Eine Leidenschaft, die auch Prof. a.D. Dr. Herbert Möller an seinem ehemalischen Schützling außerordentlich schätzt. Heinz Böer sei schon als Student einfach „exzellent“ gewesen.

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