Polit-Café am Gymnasium Nottuln
Sanktionen sind das einzige Mittel

Nottuln -

Auf Einladung des Leistungskurses Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 11 (Q1) diskutierten Experten über den Ukraine-Konflikt.

Samstag, 08.11.2014, 19:11 Uhr

Sprachen über den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine (v.l.): Oleksandr Zabirko, Moderatorin Inka Gravermann, Gudrun Wolf, Ruprecht Polenz, Moderator Stephan Badura und Prof. Dr. Alfred Sproede.
Sprachen über den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine (v.l.): Oleksandr Zabirko, Moderatorin Inka Gravermann, Gudrun Wolf, Ruprecht Polenz, Moderator Stephan Badura und Prof. Dr. Alfred Sproede. Foto: Lukas Splitthoff

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine ist beigelegt. Zumindest bis März 2015. Das versprechen die gerade abgeschlossenen Verhandlungen mit Russland. Aber ist dies das Ende des Ukraine-Konflikts? Wie steht es nach den Wahlen in der Ostukraine um die Sicherheit im Land und in Europa? Wie kam es eigentlich zu dem Konflikt ? Und welche Auswirkungen hat die Krise für uns Deutsche?

Um diesen und noch mehr Fragen nachzugehen, organisierte der Leistungskurs Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 11 (Q1) von Lehrerin Judith Rücker ein Polit-Café zum Thema „Ukraine oder schon Neurussland? – der Sturm trifft auch uns!“ Zur gut besuchten Podiumsdiskussion am Donnerstag im Forum des Gymnasiums kamen die Referenten aus Politik und Wissenschaft: Ruprecht Polenz , ehemaliger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Alfred Sproede von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Oleksandr Zabirko und Gudrun Wolf von der Deutsch-Russischen Gesellschaft.

Dass der Ukraine-Konflikt ein brisantes und zugleich heikles Thema ist, war den Schülern bewusst. Daher be-leuchteten die Moderatoren Stephan Badura und Inka Gravermann zunächst die geschichtliche und politische Entwicklung und ließen die Referenten immer wieder die Hintergründe zur Krise erklären. Oleksandr Zabirko, selbst Ostukrainer, trug viel dazu bei. Durch den Kontakt zu seiner Familie und Freunden schilderte er aus seiner persönlichen Sicht die schlechte humanitäre Lage in den „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk. Er wusste, dass die Menschen dort ums Überleben kämpfen und weniger über Politik nachdenken. Impuls-Redner Kai Dittmar, der gerade erst in Russland war, berichtete über die schrumpfende Wirtschaft und die Auswirkungen auf die russische Bevölkerung.

Zur Einschätzung der aktuellen politischen Lage erklärt Ruprecht Polenz zugespitzt: „Wir haben jetzt Krieg in Europa.“ Für diese Aussage bezog er sich auf die fortwährenden Aggressionen Russlands gegenüber dem Westen. Prof. Sproede erklärte Putins Verhalten mit einem aufstrebenden nationalistischen Gefühl und dem Neoimperialismus einer Teilgruppe, die den Zerfall der Sowjetunion rückgängig machen möchte.

„Um den Aggressionen entgegenzuwirken, sind Sanktionen unser einziges Mittel“, meinte Sproede weiter. Sie erschweren es Putin, den versprochenen Wohlstand zu halten. Hier ergänzte Gudrun Wolf: „Wir dürfen nicht antirussisch agieren und müssen im Dialog bleiben.“ Dabei verwies sie nachdrücklich auf die breite Vernetzung zwischen Russland und Deutschland, die nach wie vor sehr stark sei.

Mit Blick auf den „Puffer-Status“ der Ukraine zwischen West und Ost resümierte Polenz abschließend: „Wir dürfen keinem Land eine Rolle zuschreiben, die wir nicht selbst haben wollen.“

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