Bundespreis für Werner Völlering
Schätze bei Schülern suchen - und nicht die Fehler

Nottuln -

Werner Völlering, Lehrer am Gymnasium Nottuln, hat  in Berlin den „Deutschen Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ bekommen. Was macht eigentlich einen Super-Lehrer aus? Wir fragten Völlering. 

Montag, 01.12.2014, 13:12 Uhr

Werner Völlering hat den „Deutschen Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ bekommen.
Werner Völlering hat den „Deutschen Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ bekommen. Foto: Frank Vogel

Er sei „völlig perplex“ gewesen, als er davon erfuhr, dass er den Lehrerpreis bekommt. Werner Völlering ist von seiner ehemaligen Schülerin Julia Fleischhauer , die 2013 ihr Abitur am Gymnasium Nottuln gemacht hat, vorgeschlagen worden. Julia Fleischhauer ist für den 53-jährigen Lehrer das beste Beispiel für das, was er im Unterricht erreichen möchte. „Demokratie lernen, kritisches, eigenständiges Denken, auch mal gegen den Strom zu schwimmen – das alles ist bei ihr äußerst wirksam geworden.“

Die Schülerin hat unter anderem dafür gesorgt, dass beim jüngsten Abi-Jahrgang neben mathematischen, naturwissenschaftlichen und sprachlichen Auszeichnungen einzelner Schüler auch Sozialwissenschaftler geehrt wurden. Das freut Werner Völlering. Im Gespräch mit unserem Redakteur Frank Vogel erzählt er von seiner Arbeit.

Der Preis spricht dafür, dass Sie zu den Schülern ein gutes Verhältnis haben. Gibt es dafür ein Rezept?

Völlering: Ein Patentrezept gibt es nicht. Ich versuche, die Interessen der einzelnen Schüler zu entdecken und dann zu fördern, nach dem Motto: Schatzsuche geht vor Fehlersuche. Gleichzeitig ist es wichtig, die Klassengemeinschaft zu stärken, um gemeinsame Projekte erfolgreich zu machen. Natürlich ist auch die eigene Begeisterung des Lehrers entscheidend. Und ohne Humor geht es nicht. Man muss auch mal über sich selbst lachen können. Und man muss authentisch bleiben.

Sind Sie ein strenger Lehrer? Oder das Gegenteil?

Völlering: Ich würde meinen Führungsstil als demokratisch bezeichnen. Ich möchte aus den Schülern mündige Bürger machen. Dieses Ziel habe ich immer vor Augen. Dazu gehören Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Verlässlichkeit. Wenn das gegeben ist und die Schüler die Regeln des demokratischen Miteinanders beachten, dann haben sie bei mir viele Freiheiten. Ist das nicht gegeben, gibt es entsprechende Konsequenzen.

Und die Schüler? Haben die sich in den vergangenen Jahren verändert?

Völlering: Nein, eigentlich nicht. Auf die Nottulner Schüler kann man sich iSchätzemmer verlassen. Am Gymnasium Nottuln steht man als Schüler in einer Tradition, die positiver Ansporn ist. Wer einen Sowi-Leistungskurs wählt, der weiß, was ihn erwartet. Wir gehen mit den Projekten auch in die Öffentlichkeit oder treffen Fachleute. Da muss man als Schüler gut vorbereitet sein, sonst blamiert man sich. Mit den Nottulner Schülern ist mir das noch nie passiert.

Geben Sie die Projekte vor oder kommen die Ideen von den Schülern?

Völlering: Die Ideen kommen von beiden Seiten. Ich muss natürlich die Themen, die der Lehrplan vorgibt, im Auge behalten. Aber in diesem Rahmen versuchen wir, gemeinsam etwas Interessantes zu entwickeln. Wenn die Schüler mitentscheiden dürfen, dann lernen sie auch intensiver und sind motivierter.

In einen so innovativen Unterricht, für den Sie geehrt worden sind, muss man auch als Lehrer sicher mehr Zeit investieren, oder?

Völlering: Ja, klar, das kostet mehr Zeit, vor allem an Organisation und Verwaltung. Aber die Arbeit sollte man nicht nur in Minuten und Stunden rechnen, sondern auch am Feedback messen. Wenn die Schüler begeistert sind, dann bekommt man das alles zurück. Ich habe vor ein paar Tagen einen Anruf von einem ehemaligen Schüler bekommen, der jetzt als Referendar Sozialwissenschaften unterrichtet. Er hat sich bei mir für die Impulse aus der Schulzeit bedankt. Das ist doch ein lohnenswertes Ziel: Eine Bindung über die Schulzeit hinaus. Da könnte man noch mehr draus machen, ein Netzwerk ehemaliger und jetziger Schüler. In Nottuln wäre das kein Problem. Hier ist das Zusammengehörigkeitsgefühl sehr groß – das ist mir sofort aufgefallen, als ich hier vor elf Jahren angefangen habe.

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