MusikAgentur Nottuln
Wir sind zum „Dienstleister“ geworden

Nottuln -

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der MusikAgentur Nottuln e.V. erzählt Vorsitzende Sigrid Bürger im Interview über die Arbeit des Vereins und über ihre Ideen für die Musik in Nottuln.

Samstag, 10.01.2015, 09:01 Uhr

Im Büro der MusikAgentur: Vorsitzende Sigrid Bürger (r.) mit den beiden Mitarbeiterinnen Annegret Dirkes (vorne) und Renate Ostern.
Im Büro der MusikAgentur: Vorsitzende Sigrid Bürger (r.) mit den beiden Mitarbeiterinnen Annegret Dirkes (vorne) und Renate Ostern. Foto: Frank Vogel

Die MusikAgentur Nottuln e.V. kann in diesem Jahr auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Mit der Vorsitzenden Sigrid Bürger sprach unser Redakteur Frank Vogel über die Geschichte des ehrenamtlich geführten Vereins, der nach dem Wegfall der kommunalen Musikschule gegründet worden ist, über die jetzige Situation und über das, was sich perspektivisch ergeben könnte.

Erinnern Sie sich noch an die Entstehungs- und Anfangszeit der MusikAgentur?

Sigrid Bürger: Ja, allerdings habe ich die ersten zwei Jahre nur von außen erlebt. Als ich den Vorsitz im Jahr 2006 übernahm, hatten wir noch die Vorstellung, dass unsere Mitglieder – eben wie in einem Verein – viel zusammen machen, Ensembles bilden, vielleicht sogar gemeinsam ein Orchester oder eine Big Band gründen. Wir wollten in dieser Hinsicht – wie die Gründungsmitglieder – ein bisschen die kommunale Musikschule ersetzen.

Was hat sich in den zehn Jahren an der Arbeit der MusikAgentur geändert?

Bürger: Die Musiklehrer wurden, nachdem sie von der Gemeinde in die Selbstständigkeit entlassen worden waren, – wahrscheinlich gezwungenermaßen – zu Einzelkämpfern. Wir haben vieles versucht, um sie zu gemeinsamen Aktionen zu motivieren. Das ist uns leider auch trotz wiederholter Ansätze (z.B. Lehrerstammtisch, Finanzierung von Ensembles) nicht gelungen.

Wir sind immer mehr zu einem „Dienstleister“ geworden. Man wird bei uns nur Mitglied, um eine Leistung in Anspruch zu nehmen. So wie inzwischen auch private Musikschulen und Vereine Mitglied geworden sind, die ihr eigenes „Vereins“-Leben haben und bei uns lediglich Räume mieten oder Instrumente ausleihen. Das ist in Ordnung, aber wir stellen uns schon die Frage, ob dafür das Konstrukt „Verein“ auf ehrenamtlicher Basis auf Dauer hält.

Als wirklich „musikalische“ Vereinsarbeit organisiert der Vorstand der MusikAgentur alljährlich das Konzert „Ohrenschmaus und Augenweide“ und vereinzelt kleine Konzerte unserer Mitglieder. In beiden Fällen geben wir unseren Mitgliedern damit auch die Möglichkeit, sich zu präsentieren.

Wer ist bei Ihnen momentan Mitglied?

Bürger: 13 Musiklehrer, davon noch fünf, die in der 2004 geschlossenen kommunalen Musikschule angestellt waren; sieben Vereine und private Musikschulen, die Musikunterricht anbieten; einige Bands und Einzelpersonen, die Leistungen von uns in Anspruch nehmen; die Jugendherberge, die Probenräume und Ins­trumente für Musikfreizeiten (u. a. für das Landesjugendorchester) mietet; und schließlich die Sängerinnen des Frauenchores Anchora, der aus dem einstigen Musikschulchor der kommunalen Musikschule hervorgegangen ist und den die MusikAgentur noch als einziges Ensemble führt.

Mitglied darf im Übrigen jeder bei uns werden, dem die Förderung der musischen Bildung am Herzen liegt.

Können Sie abschätzen, wie viele Musikschüler und -schülerinnen von Ihrer Arbeit profitieren?

Bürger: Ich kann Ihnen keine exakte Zahl nennen, da der Unterricht nicht in unseren Händen liegt. Allerdings gibt die Zahl von knapp 200 Zeitstunden (nicht Unterrichtsstunden), für die wir pro Woche Räume vermieten, um Unterricht zu erteilen oder Proben durchzuführen, ungefähr eine Größenordnung wieder. Wahrscheinlich profitieren – vorsichtig geschätzt – mindestens 500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene davon.

In welcher Form arbeiten Sie mit der Gemeinde zusammen?

Bürger: Die Gemeinde stellt uns Räume – in der Regel in Schulen – kostenlos zur Verfügung. Auch hat sie uns die Musikinstrumente aus dem Bestand der kommunalen Musikschule überlassen. Beides wurde im Jahr 2004 vertraglich geregelt. Außerdem erhält die MusikAgentur einen jährlichen Zuschuss von 5000 Euro; davon können wir die Besetzung des Büros zu einem großen Teil finanzieren. Ohne die engagierte Mitarbeit unserer beiden angestellten Damen Renate Ostern und Annegret Dirkes würde der Verein nicht funktionieren.

Was wünschen Sie persönlich sich für die Zukunft der Musik in Nottuln?

Bürger: In Nottuln gibt es unzählige Möglichkeiten, Musik auszuüben. Sie können in einem Chor singen, Sie können Musikunterricht nehmen in fast jedem Ins­trument, Sie können im Blasorchester oder in einer Band spielen, in einer Gruppe trommeln oder Jagdhorn spielen. Allerdings gibt es seit der Aufgabe der kommunalen Musikschule für manche Instrumente keinen bezahlbaren Unterricht mehr für Familien mit niedrigem Einkommen; da hilft auch ein Zuschuss aus dem wohlgemeinten Sozialfonds der Gemeinde für Sozialhilfeempfänger nicht. Und es gibt kein Orchester mehr.

Mein persönlicher Traum ist ein Nottulner Laien-Sinfonieorchester, in dem Menschen spielen, die unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Einkommen ein Instrument ihrer Wahl erlernen dürften. Und dieses Orchester sollte regelmäßig in einem – öffentlichen – Haus der Kultur und Musik proben und Konzerte veranstalten. Gerne können wir darüber reden, ob der Dirigent von der MusikAgentur bezahlt wird.

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