Nottulner Politik noch uneins
Stiftung und Akademie mit im Boot

Nottuln -

Das Projekt Touristisches Hinweisschild „Barockdorf Nottuln“ ist in der Politik weiter umstritten, obwohl Bürgerstiftung und Kunstakademie daran mitwirken wollen.

Freitag, 29.05.2015, 08:05 Uhr

Das Autobahnhinweisschild auf das Rock- und Popmuseum in Gronau ist beste Werbung für das Museum.
Das Autobahnhinweisschild auf das Rock- und Popmuseum in Gronau ist beste Werbung für das Museum. Foto: Lukas Wiedau

Dülmen hätte liebend gern eines, bekommt es aber (zurzeit) nicht. Gronau hat schon eines und ist damit super zufrieden. Und Nottuln ? In Nottuln tritt die Diskussion über ein touristisches Hinweisschild auf das „barocke Stiftsdorf“ an der A 43 weiter auf der Stelle. Als jüngst im Fachausschuss das von der CDU auf die Tagesordnung gebrachte Thema erneut beraten wurde, konnte sich die Politik am Ende nur zu einer Vertagung durchringen. Den Befürwortern von CDU und nun auch FDP stehen die Kritiker von SPD, UBG und Grünen gegenüber. Sie möchten für das Schild kein Gemeindegeld ausgeben, sehen die Wirtschaft in der Finanzierungspflicht und bezweifeln den Werbeeffekt.

Dabei geht es längst nicht mehr um die grob geschätzten Anschaffungskosten von 10 000, 20 000 Euro, von denen vor Monaten noch die Rede war. Aktuell geht es um einen Gemeindeanteil von 2000 Euro. Denn: Mittlerweile ist das touristische Hinweisschild auch ein Thema für die Bürgerstiftung. „Wir unterstützen diesen Vorschlag“, betonte die stellvertretende Vorsitzende Ingeborg Bispinck-Weigand im Ausschuss. Das Schild sei zwar in gewisser Weise auch ein Luxus, aber man verspreche sich davon doch eine positive Wirkung für den Ort. „Es ist einen Versuch wert“, sagte Bispinck-Weigand. Die Bürgerstiftung ist nun aktuell auf Sponsorensuche, um das Hinweisschild über Spenden zu finanzieren. Drei Firmen wurden schon angesprochen, dabei erhielt die Stiftung eine Spendenzusage in Höhe von insgesamt 2000 Euro.

Mit im Boot ist nun auch die renommierte Kunstakademie Münster. Weil das bei der Bezirksregierung zuständige Entscheidungsgremium hohe Anforderungen stellt, soll ein studentischer Gestaltungswettbewerb durchgeführt werden. Als Anreiz für die Studenten soll ein Preisgeld von insgesamt 2000 Euro ausgelobt werden. Dieses Preisgeld zahlt die Gemeinde – mehr aber nicht.

Bürgermeister Peter Amadeus Schneider wies darauf hin, dass es mit einem fertigen Gestaltungskonzept sicher einfacher sei, in der Wirtschaft für Sponsorengelder zu werben. Die Verwaltung hatte deshalb vorgeschlagen, zusammen mit Bürgerstiftung und Kunstakademie an dem Projekt weiterzuarbeiten, zumal die Finanzierung der 2000 Euro gesichert ist.

„Dass das Projekt nun auch von dritter Seite unterstützt wird, kann man nur begrüßen“, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Hartmut Rulle. Seine Fraktion sei weiter von der Sinnhaftigkeit überzeugt.

Die FDP hat ihre anfängliche Skepsis abgelegt. „Heute reden wir über ganz andere Beträge als zu Beginn“, meinte FDP-Ratsherr Dr. Martin Geuking. Schaden könne so ein Schild nicht, und die öffentliche Wirkung des Kunstwettbewerbes biete auch schon einen Vorteil für Nottuln. Daher: „Wir stimmen dem Projekt zu.“

Ablehnung und Skepsis dagegen bei den anderen Parteien. Die UBG ist weiter dagegen, dass öffentliche Gelder verwendet werden. SPD-Fraktionsvorsitzender Manfred Gausebeck erinnerte an den defizitären Haushalt und die Selbstverpflichtung des Rates, keine zusätzlichen freiwilligen Ausgaben zu tätigen. Holger Zbick (SPD) merkte kritisch an: „Wir wissen doch gar nicht, ob wir das Schild wirklich genehmigt bekommen. Wollen wir wirklich vorher 2000 Euro für einen Studentenwettbewerb ausgeben?“

Grünen-Ratsfrau Sigrid Bürger erklärte, sie sei noch nie wegen eines touristischen Hinweisschildes von der Autobahn abgefahren. Sie habe große Zweifel, ob das Schild eine Wirkung habe. Und wenn dem doch so sei, dann profitiere die heimische (Gast-)Wirtschaft davon. Deshalb: Kein Gemeindegeld, sondern ausschließlich private Finanzierung.

„Das ist Wirtschaftsförderung für den Ort. Das ist für uns alle. Warum wehrt man sich so sehr?“, ereiferte sich CDU-Ratsfrau Roswitha Roeing-Franke kopfschüttelnd.

Es blieb dabei: Der Ausschuss vertagte die Entscheidung. An die Bürgerstiftung ging die Bitte, noch intensiver auf die Wirtschaft zuzugehen.

In Dülmen wird man froh sein, dass Nottuln offensichtlich noch einen weiten Weg vor sich hat. Schließlich können nicht unendlich viele Hinweisschilder an der A 43 aufgestellt werden.

Und was sagt man in Gronau? „Nahezu jeder zweite Besucher gibt an, durch das Autobahnschild auf unser Museum aufmerksam geworden zu sein“, teilte das Rock- und Popmuseum auf WN-Anfrage mit. Fazit in Gronau: „Dieses Schild ist ein echter Gewinn für uns.“

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