Lokale Wirtschaft
Das richtige Gespür

Nottuln -

Der Bioland-Hof Neiteler auf dem Baumberg feiert Jubiläum.

Sonntag, 16.08.2015, 08:08 Uhr

Seit 15 Jahren führt Reinhard Neiteler zusammen mit seiner Frau Ursula den Hof.
Seit 15 Jahren führt Reinhard Neiteler zusammen mit seiner Frau Ursula den Hof. Foto: Ulla Wolanewitz

Im flotten Orange strahlt der neue Schlepper, der just eben auf dem Hof Neiteler abgeladen wurde. „Der ist flinker und wendiger als der andere. Wir testen ihn erstmal“, lässt Reinhard Neiteler seinen Vater wissen, der staunend neben ihm steht. Vor 15 Jahren haben seine Frau und er, der nächstes Jahr sein 80. Lebensjahr vollendet, sich aus der Bioland-Gärtnerei zurückgezogen und sie vertrauensvoll ihrem Sohn Reinhard, dem jungen Gärtnermeister für Gemüsebau, übergeben.

Als Heinrich Neiteler in den 50er-Jahren den Gemüseanbau hauptberuflich in Angriff nahm, war der 10 PS starke Einachs-Holder ein Zeichen des technischen Fortschritts. Dafür war das Pferd verkauft und eine dritte Kuh angeschafft worden. „Für damalige Verhältnisse war das schon was“, blickt der gelernte Steinmetz schmunzelnd zurück. Fast jeder auf dem Baumberg habe damals im Nebenerwerb Landwirtschaft betrieben, wobei der schwere Lehmboden seinen Besitzern vor der Ernte ganz klar einiges abverlangte.

Ende der 50er-Jahre kehrte Heinrich Neiteler dem Steinmetz-Handwerk den Rücken: „Ich wollte eine Sache ganz machen und nicht zwei halb.“ Er intensivierte und professionalisierte den Anbau von Blumen und Gemüse und setzte damit genau aufs goldrichtige Pferd. Ein gebrauchter VW-Bulli für 2000 D-Mark wurde angeschafft, damit er seine guten Produkte auf dem Wochenmarkt in Münster anbieten konnte.

Als in den Achtzigern die Nachfrage nach biologisch produziertem Gemüse immer größer wurde, verkaufte er zunächst die gute Ware aus den Baumbergen „ungespritzt und ungedüngt“. Ein weiteres Mal bewies er das richtige Gespür, stellte den Betrieb um und erhielt 1990 die Bioland-Zertifizierung.

Aber nicht nur das 25-jährige Bio-Betriebsjubiläum soll am 23. August (Sonntag) mit dem vierten Hoffest gefeiert werden. Auch geben der neue, größere Hofladen und die neue Maschinenhalle als gesundes Zeichen der Expansion guten Anlass dazu. Seit 15 Jahren führt Reinhard Neiteler mit seiner Frau Ursula das Unternehmen und sie beschäftigen mittlerweile drei Mitarbeiter und einen Auszubildenden in der Gärtnerei . Auf den Wochenmärkten sind 15 Teilzeitkräfte im Einsatz. Denn sechs Hektar Freilandfläche und 3500 Quadratmeter Gewächshaus verlangen viel Körpereinsatz und fachkundige Bewirtschaftung.

Eigentlich hatte der Juniorchef gar nicht vor, Gärtner zu werden. Deshalb absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Koch auf der Weissenburg. „Das hat mir auch viel Spaß gemacht. Aber die Arbeitszeiten sind nicht so optimal“, erklärt der 40-Jährige. Die Bemerkung seines Meisters „Mensch, wenn ich die Gelegenheit hätte, einen Betrieb zu übernehmen, würde ich mir das doch nicht entgehen lassen!“, veranlasste ihn, sich dann doch der Alternative zu widmen. Er entschied sich für ein sechsmonatiges Praktikum im Familienbetrieb und suchte sich danach einen Ausbildungsplatz in Süddeutschland. Dort lernte er auch seine Frau kennen, die mit ihm in die Baumberge zog.

Allerdings: Die Bezeichnung „Baumberge“ bringt die Alpenländerin vom Chiemsee auch heute noch zum Schmunzeln. „Als wir das allererste Mal hier hoch gefahren sind, habe ich immer darauf gewartet, dass irgendwann die Berge kommen“, sagt die 42-Jährige amüsiert.

Mit dem frischen Wind ihrer Generation hat das junge Unternehmerpaar einige Neuerungen zur Produktivitätssteigerung eingeführt. „Vor allem haben wir auch auf mechanische Unkrautbekämpfung umgestellt. Zuvor wurde noch alles mit der Hand gemacht“, erklärt der Juniorchef und fügt hinzu, dass die Qualitätsansprüche an das Bio-Gemüse auch gestiegen sind: „Es muss heute auch optisch etwas her machen, sonst will es keiner haben.“

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