Friedenshaus Appelhülsen
Beispiel für eine gelungene Integration

Appelhülsen -

Im Rahmen der Reihe „Westfalen regional“ hat Dr. Manfred Nolting für die Geografische Kommission im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) den Beitrag „Vom Spieker zum Friedenshaus oder wie in Appelhülsen ein evangelischer Gemeindebezirk entstand“ verfasst.

Dienstag, 08.09.2015, 20:09 Uhr

Das Friedenshaus der evangelischen Kirche ist mit dem Anwachsen der Gemeinde erweitert worden. Das Gemeindehaus (l.) und der offene Glockenturm komplettieren das Ensemble.
Das Friedenshaus der evangelischen Kirche ist mit dem Anwachsen der Gemeinde erweitert worden. Das Gemeindehaus (l.) und der offene Glockenturm komplettieren das Ensemble. Foto: Lea Schophuis

„Wenn mein Text ein wenig wie eine Hommage an das Friedenshaus wirkt, so mag das daran liegen, dass das Friedenshaus für mich zu einem Stück Heimat geworden ist“, erklärt Dr. Manfred Nolting . Im Rahmen der Reihe „ Westfalen regional“ hat er für die Geografische Kommission im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) den Beitrag „Vom Spieker zum Friedenshaus oder wie in Appelhülsen ein evangelischer Gemeindebezirk entstand“ verfasst. Dabei liegt der Schwerpunkt in seinem Abriss der Geschichte des Friedenshauses auf dem Wandel eines Platzes und Gebäudes und auf der Beschreibung einer gelungenen Integration.

Dr. Manfred Nolting

Dr. Manfred Nolting Foto: Marita Strothe

Seit über 50 Jahren wohnen Dr. Nolting und seine Frau Ursula in Appelhülsen. Heute ganz in der Nähe des Friedenshauses. „Von hier guckte man noch direkt auf die Bahn und sah die Dampfloks“, erinnert er sich schmunzelnd beim Blick in seinen Garten am Prozessionsweg. „Damals stand der Hof noch“, erzählt er. Das Grundstück des heutigen Kindergartens St. Josef sei eine Streuobstwiese gewesen, auf der Schweine und Kühe gehalten wurden.

Seit 2000 ist der ehemalige Lehrer für Deutsch, Geografie und Geschichte Mitglied der Geografischen Kommission, einer von sechs landeskundlichen Kommissionen des LWL. Bereits seit den 80er-Jahren arbeitet er ehrenamtlich als Autor für die westfälische Kommission für Landeskunde. „Für mich eine ideale Aufgabe“, findet Nolting, der sich seit seiner Pensionierung 2003 ganz den umfangreichen Nachforschungen widmen kann. „Ich stoße bei meinen Recherchen immer wieder auf offene Türen“, freut er sich über die Hilfsbereitschaft seiner Gesprächspartner.

Das Friedenshaus stand 2006 im Rahmen der Ausstellung „Flucht, Vertreibung, Integration“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin als ein Beispiel für die gelungene Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen Deutschlands und gleichzeitig für die damit einhergehende Entstehung von evangelischen Gemeinden im vormals rein katholischen Münsterland. Daran erinnert Nolting in seinem Beitrag, der im Internetportal der Geografischen Kommission nachzulesen ist.

Bis zur Kommunalreform 1974 war Appelhülsen selbstständige Gemeinde im damaligen Landkreis Münster, mit 807 Einwohnern im Jahr 1931. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung mit dem Zuzug der Flüchtlinge und Vertriebenen wie in allen Städten und Gemeinden Westdeutschlands sprunghaft an. Das Besondere war, dass die Zugezogenen überwiegend evangelisch waren. Quasi über Nacht war in einem mit Ausnahme von zwei evangelischen Familien zuvor rein katholischen Ort eine evangelische Gemeinschaft entstanden, die danach stetig wuchs. Im Jahr 2014 waren 773 von insgesamt 4550 Einwohnern, also 17 Prozent der Bevölkerung von Appelhülsen evangelisch.

Mit Vollendung der Baumaßnahme 1976 am ehemaligen Spieker des Hofs Schulze Finkenbrink seien die evangelischen Gemeindemitglieder endgültig in Appelhülsen angekommen, sagt Nolting. „Sie hatten Wurzeln geschlagen an einer der Wurzeln des Ortes, und sie setzten gewissermaßen die ursprünglich kirchliche Tradition dieses Platzes fort. Dabei erinnerten sie an ein mittelalterliches Privilegium, wonach der Wehmhof ein Friedensort gewesen sein soll und nannten ihr Haus Friedenshaus.“

Der Hof Schulze Finkenbrink zählte zu den Althöfen Appelhülsens. Seine Entstehung steht im Zusammenhang mit der Gründung der Kirche St. Mariä Himmelfahrt durch die Edle Reinmodis. Vom älteren Haupthof war ein sogenannter Wehmhof abgetrennt worden, der zur Versorgung des Pfarrers diente und bis Mitte des 14. Jahrhunderts auch dessen Wohnstätte war. Noch Reinmodis übertrug ihren Besitz in Appelhülsen dem Bischof von Münster, sodass der Wehmhof bis zur Säkularisation 1803 dem Domkapitel in Münster gehörte. Die Familie Schulze Finkenbrink als letzte Eigentümerin hat das meiste Land in den 1950er-Jahren als Bauland an die damalige Gemeinde Appelhülsen verkauft. Anfang der 1970er-Jahre erfolgte der Verkauf des restlichen Hofgeländes.

Die evangelische Kirche erwarb einen Teil der Hoffläche zusammen mit dem Spieker, dem ältesten Gebäude auf dem Hof und mittlerweile einem der ältesten Gebäude Appelhülsens. Während die übrigen Hofgebäude abgerissen wurden, baute man den Spieker zum Gotteshaus um. Mit der Balkendecke und den hölzernen Stützpfeilern im Innenraum, den Sprossenfenstern und dem Fachwerk hob man bewusst die frühere Funktion des Hauses hervor.

20 Jahre nach dem Erwerb des Spiekers war der evangelische Gemeindebezirk Appelhülsen, zu dem jetzt auch Schapdetten gehörte, so stark angewachsen, dass eine Vergrößerung des Friedenshauses erforderlich wurde. Der Spieker wurde dazu um jene vier Gefache erweitert, um die er gekürzt worden war, und hat damit äußerlich wieder seine ursprüngliche Größe. Daneben wurde ein Gemeindehaus (Jugendhaus) errichtet und ein offener Glockenturm. Entstanden ist so ein Gemeindezentrum, das von der ehemaligen Gräfte einseitig umschlossen wird und bei dem die Eichen die beherrschende Kulisse abgeben.

Nolting: „Umgebende Rasenflächen mit verschiedenen Gehölzen und Beeten geben dem Ganzen einen parkartigen Charakter und machen die Anlage mit dem Friedenshaus neben der katholischen Kirche und dem Bürgerzentrum zu einem dörflichen Mittelpunkt.“

 

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