Grundschüler entscheiden über 500 Euro:
Demokratisch gewählter Kicker

Nottuln -

Mit großem Erfolg ist an der Astrid-Lindgren-Grundschule das Projekt Schülerhaushalt durchgeführt worden.

Samstag, 03.10.2015, 15:10 Uhr

Besuch im Rathaus (v.l.): Lehrerin Helga Riemann, kommissarische Schulleiterin Marion Roperz sowie die Schüler Leon Arning (3a), Piet Froning (4a), Elisa Koenigs (4b) und Sina Loick (4b) stellten dem Beigeordneten Klaus Fallberg (hinten) das Ergebnis und das Prozedere des ersten Schülerhaushaltes an der Astrid-Lindgren-Grundschule vor.
Besuch im Rathaus (v.l.): Lehrerin Helga Riemann, kommissarische Schulleiterin Marion Roperz sowie die Schüler Leon Arning (3a), Piet Froning (4a), Elisa Koenigs (4b) und Sina Loick (4b) stellten dem Beigeordneten Klaus Fallberg (hinten) das Ergebnis und das Prozedere des ersten Schülerhaushaltes an der Astrid-Lindgren-Grundschule vor. Foto: Frank Vogel

Die Schale mit dem Haribo war am Ende der Pressekonferenz leer. Piet Froning, Leon Arning, Sina Loick und Elisa Koenigs genossen ihren Besuch im Büro des Beigeordneten der Gemeinde, Klaus Fallberg, in jeder Hinsicht. Grund zu guter Laune hatten die vier Schüler der Astrid-Lindgren-Grundschule aber auch. Sie gehörten zur Steuerungsgruppe für den Schülerhaushalt ihrer Schule. Gemeinsam mit der kommissarischen Schulleiterin Marion Roperz sowie den Lehrern Hilde Leurs, Helga Riemann und Rainer Schmitz-Linneweber sorgten die vier Schüler dafür, dass das Projekt Schülerhaushalt sauber über die Bühne ging – und zu einem vollen Erfolg wurde.

Nachdem das Gymnasium im vergangenen Jahr erstmals einen Schülerhaushalt durchgeführt hatte (wir berichteten), hatte der Gemeinderat entschieden, in diesem Schuljahr wieder Geld zur Verfügung zu stellen, dass die Schüler in eigener Verantwortung für ihre Wünsche einsetzen können. 3000 Euro bekommt das Gymnasium, und zum ersten Mal dürfen die vier Grundschulen je 500 Euro ausgeben. Als erste hat die Astrid-Lindgren-Schule ihren Schülerhaushalt „verabschiedet“. Entschieden haben die Kinder mit 113 Stimmen, dass für die 500 Euro ein Kicker angeschafft werden soll. Dieser Vorschlag setzte sich gegen den bemerkenswert naturbewussten Wunsch nach neuen Bäumen und Sträuchern für den Schulhof (102 Stimmen) und den nach einer Spieltonne (100) sowie die sechs weiteren Vorschläge durch.

Die vier Schüler erzählten Klaus Fallberg, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist. Sina: „Erst mal haben wir in der Klasse Ideen gesammelt. Dann hatte jeder drei Stimmen, mit denen er die Vorschläge unterstützen durfte. Mindestens fünf Unterstützer musste man für seinen Vorschlag finden.“ Die Vertreter der Klassen gaben die Vorschläge dann an die Steuerungsgruppe ab. Die sah sie durch und strich, was beispielsweise zu teuer oder aus Sicherheitsgründen nicht umsetzbar war. „Am Ende hatten wir neun Vorschläge“, berichtet Elisa. Diese wurden in die Klassen gegeben und dort besprochen.

Am Montag war dann großer Wahltag. Bis zu drei Vorschläge durften auf dem Wahlzettel angekreuzt werden. Nur wer einen Wahlausweis vorlegen konnte, durfte mitwählen. Praktikantin Laura Pursche wachte mit Argusaugen über das Prozedere. Am Mittwoch schließlich wurde das Wahlergebnis auf dem Schulhof verkündet. „Die anderen haben uns ausgequetscht, weil sie vorher wissen wollten, welcher Vorschlag gewonnen hat“, erzählt Elisa. „Aber wir haben nichts verraten.“

Die Begeisterung der Schüler ist nicht zu übersehen. Aber auch die Lehrer waren mehr als angetan. „Es war toll zu sehen, wie schnell die Kinder erkannt haben, was möglich ist und was nicht. Wie sie auch akzeptiert haben, dass nur ein Vorschlag gewinnen konnte“, freut sich Marion Roperz. „Die Kinder haben fruchtbare Diskussionen geführt, uns auf manche Idee gebracht und Alternativen aufgezeigt, wenn etwas so wie gewünscht nicht möglich war“, ergänzt Helga Riemann. So will man einmal im Monat einen Fußballtag (wieder) einführen, weil für die gewünschten großen Fußballtore auf dem Schulhof kein Platz ist. Aus dem Keller wurde ein Basketballkorb geholt und wieder aufgehängt – und schon war ein weiterer Wunsch erfüllt. „Und die ganz teuren Wünsche haben wir an unseren Förderverein weitergereicht“, lacht Marion Roperz.

„Der Schülerhaushalt ist mehr, als nur Geld auszugeben“, stellte Klaus Fallberg fest. Und erntete Zustimmung. „Wir haben einen demokratischen Prozess wirklich umgesetzt, das war richtig spannend“, bestätigte Helga Riemann. Das Fazit aller: „Das machen wir auf jeden Fall wieder.“

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