Plattdeutsches Buch
Spannendes Stück Zeitgeschichte

Nottuln -

Wie war das damals in den Sechzigern? Ulla Wolanewitz ist dieser Frage nachgegangen und hat viele Antworten bekommen – auf Plattdeutsch. Bürgermeisterin Manuela Mahnke ist von dem Buch begeistert.

Freitag, 11.12.2015, 20:12 Uhr

Präsentieren das neue Buch (v.l.):
Präsentieren das neue Buch (v.l.): Foto: Kreisheimatverein Coesfeld

Plattdeutsche Klänge sind Manuela Mahnke sehr vertraut. Schließlich kommt Nottulns Bürgermeisterin aus dem hohen Norden. Auch wenn das Plattdeutsche im Münsterland etwas anders klingt, hat sie ein Faible für diese Mundart. „Ich fand die plattdeutschen Nachrichten im Radio immer wunderbar“, sagt die gebürtige Bremerhavenerin und erklärt weiter, dass im Bremer Landtag komplette Debatten in Plattdeutsch gehalten wurden.

Deswegen ist das neue Buch, das der Kreisheimatverein Coesfeld e.V. herausgebracht hat, bei ihr auch in guten Händen. „Es ist uns einmal mehr gelungen, ein spannendes und wichtiges Stück Zeitgeschichte lesenswert aufzubereiten und unterhaltsam zu dokumentieren“, freut sich Christian Wermert, Geschäftsführer des Kreisheimatvereins. Finanzielle Unterstützung gab es vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport.

Für das Buch „So wass dat – De sässtiger Jaohren in´t Mönsterland“ interviewte Ulla Wolanewitz 16 Zeitzeugen aus dem Kreis Coesfeld zu den 60er-Jahren. Zudem entstand ein Film in dem zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor der Kamera in Plattdeutsch aus ihrem Leben erzählen. Für die Filmarbeiten konnte der Billerbecker Kameramann Peter Pässler gewonnen werden.

Zu den Protagonisten aus Nottuln gehören: Franz Janning, der viele Jahre als Ausbilder im Martinistift arbeitete. In den 60er-Jahren machte er des Öfteren mit seiner Familie Urlaub in Frankreich bei einer befreundeten Familie, die dorthin ausgewandert war, Landwirtschaft betrieb und in einem „Chateau“ lebte. „Äs fiene Lüe häbbt wi dao resideert“, flachst der muntere Senior. „Muorns wuor düfftig arbeidt, un naomeddags gong´t met de ‚Allemagnes’ nao´t ‚Piscine’ – in´t Swembad – of de hiärlicken Chateaus in de Naigt bekieken.“

Die Versicherungskauffrau Margret Hanning schwärmt noch heute von der Buxtruper Schule. „Usse Liärer wass een gass Gescheiten“, sagt sie, die seinerzeit mit 40 Kindern aus acht Jahrgängen in einer Klasse unterrichtet wurde. Junglehrer Lievenbrück organisierte damals schon für seine Schüler Ferienfreizeiten nach Ameland und ins Fichtelgebirge.

Motorisiert gelangte Josef Froning zum Unterricht nach Schapdetten. Sein Vater und der handwerklich versierte Onkel hatten ihm an einen Rollstuhl - mit drei Rädern, hinten zwei, vorne eins - einen Mopedmotor gebaut, mit dem er trotz Handicap eigenständig zur Schule düsen konnte. „Bis dat de Dorfsheriff wat to mängloweehen hiär. He sagg, de Kaor häff ja nich äs´n Blinker“, blickt Josef Froning amüsiert zurück. Die „Ingenieure uut Stierm“ montierten ihm dann einfach zwei Hebel aus Holz zum Ausklappen ans Gefährt – und schon war die Verkehrstüchtigkeit hergestellt.

Änne Gehrmann aus Darup erzählt in dem Buch von ihrer Ausbildungszeit im Schloss Darfeld, wo Ordensschwester Wanda das Regiment führte und „wao bi´t Inmaaken de Böönkes in´t Zickzack-Muster in´t Glass kammen“.

Heti Rabert nimmt die Leser mit auf ihre große Bauernhochzeit, die sie auf dem Hof Rabert in Havixbeck – heute das Baumberger-Sandsteinmuseum – mit ihrem Bernhard feierte.

„Das Buch und die DVD sind absolut gelungen“, lobte Manuela Mahnke das Team und betonte weiter: „Für zukünftige Projekte dieser Art garantiere ich Ihnen meine volle Unterstützung. Plattdeutsch genießt den Schutz der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen, und auch das Land Nordrhein-Westfalen hat diesbezüglich einen Bildungsauftrag und ist verpflichtet, Projekte wie dieses zu fördern.“

Zum Thema

Das Buch inklusive DVD gibt es ab sofort zum Preis von 14,90 Euro im Rathaus, bei Dammann – Alles für ein schönes Zuhause – und bei Schreibwaren Feldkamp.

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