Blues in Nottuln
Vom Staub der Zeit befreit

Nottuln -

„Jenny & the Steady Go‘s“ waren zwar nicht im Cadillac vorgefahren, ein betagter Mercedes hatte sie nach Nottuln gebracht. Aber von der Frisur bis zum Kleid, vom Plüschtelefon bis zum Mikrofon, alles passte an diesem Abend einfach bestens zusammen. Vor allem die tolle Musik.

Dienstag, 17.05.2016, 20:05 Uhr

Auftritt in Nottuln: „Jenny & the Steady Go‘s“. Fehlte eigentlich nur die „Lucky Strike“ im Mundwinkel und die Fahrt im Cadillac der untergehenden Sonne entgegen.
Auftritt in Nottuln: „Jenny & the Steady Go‘s“. Fehlte eigentlich nur die „Lucky Strike“ im Mundwinkel und die Fahrt im Cadillac der untergehenden Sonne entgegen. Foto: Axel Engels

Der Rock‘n‘Roll lebt – am Samstag drehte die Band „ Jenny & the Steady Go‘s“ auf Einladung des Vereins „Blues in Nottuln “ die Zeit zurück, nahm das begeisterte Nottulner Publikum mit auf eine schweißtreibende Reise in die 1950er-Jahre mit ihrem auf Protest ausgerichtetem Lebensgefühl. Diese Musik ging ins Blut und in die Beine. Der Abend wurde zu einem ultimativen Partyerlebnis mit leicht retrospektiver Ausrichtung.

Dies wurde schon bei der Konzerteröffnung durch die Houseband deutlich, denn die Bluesmusiker um den charismatischen Matt Walsh griffen mit „CC Rider“, „Rocking Daddy“ und „Alligator Town“ ganz tief in die Schatzkiste ihres Repertoires. Mit viel Gefühl ließ Matt Walsh seine Bluesharp erklingen, und seine warm timbrierter Stimme glänzte über dem facettenreichen instrumentalen Grund von Pianist Martin Spoerel und Bassist Wolfgang Hillmann. Am Schlagzeug sorgte Jochen Welle mit punktgenauem Spiel für den nötigen Drive.

Als schließlich „Jenny & the Steady Go‘s“ mit dem Sänger und Gitarristen Jimmy Tourette, dem Pianisten Marty Smarty, dem Kontrabassisten Frank the Tank und Phil Pepper am Schlagzeug die Bühne betraten, ließen sie in bester James-Dean-Manier mit ihrer mitreißenden Musik das ehrwürdige Gemäuer in seinen Grundfesten erzittern. Als dann noch die sympathische Jenny Thrill hinzukam, schien der Saal zu explodieren bei solch ungebremster Energie und Leidenschaft. Dem Verein „Blues in Nottuln“ kann man für die Auswahl der Band nur dankbar sein. Solch ein offenes Musikverständnis ermöglichte den vielen Besuchern ein Erlebnis der Extraklasse, das sie sicherlich so schnell nicht vergessen werden.

„Jenny & the Steady Go‘s“ waren zwar nicht im Cadillac vorgefahren, ein betagter Mercedes hatte sie aus dem nahen Münster sicher nach Nottuln gebracht. Aber von der Frisur bis zum Kleid, vom Plüschtelefon bis zum Mikrofon, alles passte an diesem Abend einfach bestens zusammen. Man merkte den Musikern zu jeder Sekunde an, dass sie diese Musik mit ganzem Herzen lieben und all ihrer Energie und Leidenschaft auf der Bühne freien Lauf lassen.

In diesem musikalischen Feuerwerk durften natürlich legendäre Songs wie das durch Connie Francis bekannte „Stupid Cupid“, „Let‘s have a party“ von Wanda Jackson, „Rocket in your pocket“ nicht fehlen, allerdings erklangen sie wie vom Staub der Zeit befreit in einem lebendigen und spritzigen Gewand, mit magischer Ausstrahlung ganz dem Stil der Stray Cats folgend. Auch diese Band coverte Anfang der 80er-Jahre alte Rockabilly-Klassiker und leitete eine Wiederbelebung dieser Musikrichtung ein.

„Jenny & the Steady Go‘s“ stehen wohl ganz in deren Tradition, zeigten auch bei den selbst komponierten Songs ein ganz tiefes Verständnis für diese Musik, die weit mehr zu bieten hat als deren Teenage-Highschool-Ausrichtung. Mit Jenny Thrill und Jimmy Tourette sowie ihren musikalischen Weggefährten verbreitete sich bei Songs wie „Sweet Nothin‘s“ bis „Go, Steady Go‘s“ ein revolutionär aufpeitschendes Lebensgefühl.

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