In Tansania bei Sr. Raphaela
Erziehung ist der Schlüssel zur Freiheit

Nottuln -

Beim Besuch der Wirkungsstätten von Schwester Dr. Raphaela Händler in Tansania lernte eine Nottulner Besuchergruppe auch das Bildungssystem kennen. Spannende Einblicke gab es - und ein Lied zum 25-jährigen Bestehen des Nottulner Gymnasiums.

Freitag, 02.09.2016, 06:09 Uhr

St. Michael‘s Education Centre wurde vor allem durch Gelder aus Nottuln realisiert und wird weitgehend dadurch unterhalten. Zum Zentrum gehört auch ein Kindergarten (unser Bild). .
St. Michael‘s Education Centre wurde vor allem durch Gelder aus Nottuln realisiert und wird weitgehend dadurch unterhalten. Zum Zentrum gehört auch ein Kindergarten (unser Bild). . Foto: Gymnasium Nottuln

Mit einem Ständchen der Schüler- und Lehrerschaft sowie mit den Grußworten von Schwester Raphaela Händler gratuliert auch die Schulgemeinde der Aquinas Secondary School in Mtwara ( Tansania ) per Videobotschaft dem Gymnasium Nottuln zum 25-jährigen Bestehen. Diese Glückwünsche der besonderen Art hatte die Nottulner Reisegruppe, die im Juli die Missionsschwester besucht hat, bei ihrer Rückkehr im Gepäck.

Während des Aufenthaltes besuchten die Nottulner auch mehrere staatliche sowie christliche Schulen, Kindergärten und Ausbildungsstätten, um sich ein Bild vom tansanischen Bildungssystem zu machen. Darüber berichten Wilma Räkers, Schülerin der Q2 am Gymnasium Nottuln, und Lehrerin Elke Weßendorf :

„Jungen Menschen durch Bildung den Schlüssel zur Freiheit zu verschaffen“: Unter diesem Motto der katholischen Diözese in Zanzibar (Sansibar) steht auch das außergewöhnliche Engagement der Benediktinerin Dr. Raphaela Händler in Sachen Planung und Bau von Kindergärten, Schulen und Internaten.

Bildung und Erziehung in Tansania

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  • Foto: Gymnasium Nottuln
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In ihrer Begleitung besuchte unsere Reisegruppe zunächst eine öffentliche Primary School und eine Secondary School in Ndanda. In beiden Schulformen gibt es gemeinsamen Unterricht für Mädchen und Jungen, Christen und Moslems, die uns an Unterrichtseinheiten im Freien teilhaben ließen.

Die Primary Schools umfassen die Klasse 1 bis 7, nach deren Abschluss man sich für die Secondary School qualifizieren muss. Wir deutschen Besucher waren sehr beeindruckt von der großen Disziplin der jungen Schülerinnen und Schüler, die in der Mittagssonne geduldig ein Rollenspiel über den sozialen Umgang mit Kranken in Familie und Schule präsentierten.

Anschließend fuhren wir zu einer weiterführenden Schule, wo sich ebenfalls die gesamte Schülerschaft zu einer Schulstunde unter freiem Himmel versammelt hatte. In sehr aktiver Gruppenarbeit zeigten uns die Lehrer und Schüler Ergebnisse der Aufklärungsarbeit zu HIV/Aids, einem in Tansania weitgehend tabuisierten Thema. Nach insgesamt sechs Jahren unterziehen sich die Schüler der Secondary School nationalen Prüfungen, die zu einem College- oder Universitätsstudium berechtigen.

„Da aber der Bildungs- und Ausbildungssektor leider nicht vorrangiges Investitionsziel der bisherigen Regierung in Tansania war, ist die Ausstattung im Hinblick auf Personal und Material in den staatlichen Schulen eher misslich“, erklärte Schwester Raphaela. Wir erfuhren, dass nicht einmal die obligatorische Grundschule alle Kinder beenden, obwohl kein Schulgeld anfällt. Jedoch sind allein die Kosten für Schuluniform und Unterrichtsmaterialien besonders für die Familien in ländlichen Gebieten oft zu hoch. Dabei sei es gerade für die Kinder dort wichtig, durch einen Schulabschluss die Basis für eine weitere Ausbildung und eine bezahlte Arbeit zu legen. Denn das bedeute in Tansania nicht nur den Lebensunterhalt für sich und die Familie zu sichern, sondern vor allem der Armut zu entkommen, so die Benediktinerin.

Daher sind die konfessionellen Schulen eine wesentliche Stütze des Bildungssystems Tansanias, wie zum Beispiel die Aquinas Secondary School in Mtwara. Diese Schule mit angeschlossenem Internat, deren Planung und Bau auf Initiative von Sr. Raphaela zurückgeht und die im letzten Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feierte, besuchten wir im weiteren Verlauf unserer Reise. Nach der Begrüßungszeremonie präsentierte die gesamte Schülerschaft (ca. 430 Schüler) ein Ständchen für unser Schuljubiläum, an das Sr. Raphaela ihre Grußworte an das Gymnasium anschloss.

Die gebürtige Nottulnerin dankte der Schule in ihrer Heimatgemeinde besonders für die finanzielle Unterstützung, die auch dazu beitrage, dass in dieser privaten Secondary School viele junge Tansanier erfolgreich lernen können. Denn obwohl als Regierungsschule anerkannt, muss die Einrichtung ohne staatliche Unterstützung auskommen. Die offiziellen Abschlüsse werden zwar vergeben, aber die Finanzierung nur durch Spenden erfolgt.

Als Zeichen der engen Verbundenheit mit dieser Schule überreichten wir einige Gastgeschenke wie Fußbälle und weitere Sport- und Spielgeräte. Im anschließenden Gespräch mit dem Schulleiter, der Schuladministratorin Benediktinerschwester Paula und dem Lehrerkollegium (24 Lehrer) gab es einen regen Austausch über beide Schulen.

Sehr interessant war es zu erfahren, dass ca. 45 Schüler in einer Klasse unterrichtet werden, dass die beiden Landessprachen Kiswahili und Englisch und Mathe zur Obligatorik gehören und bestimmte Wahlfächer zum Beispiel in den Naturwissenschaften sowie AGs angeboten werden. Auch hier gehört das Tragen der Schuluniform, die von den Schülern selbst bezahlt wird, zum Alltag. So treten soziale Unterschiede nicht zutage, und die Gleichheit aller Schüler wird betont.

Trotz der katholischen Trägerschaft steht die Schule Christen und Moslems für gemeinsames Lernen offen, allerdings herrscht hier – im Unterschied zu den staatlichen Schulen – ein Kopftuchverbot für die muslimischen Schülerinnen.

Die angeregten Gespräche wurden bei einem Gang durch die Klassenräume und naturwissenschaftlichen Sammlungen vertieft. Die Besichtigung des Internatsgebäudes, wo 340 Mädchen in Zimmern mit je 16 Betten untergebracht sind, der Küche, die für die drei Mahlzeiten der Schüler am Tag sorgt, und der großen neuen Aula für Veranstaltungen ließ keinen Zweifel daran, dass Spendengelder hier sehr sinnvoll eingesetzt werden. „Daher können wir auch im nationalen Ranking ganz vorne mit dabei sein“, betonte Sr. Raphaela nicht ohne Stolz. Sie möchte das gesamtheitliche Konzept von Schulbildung über das Auswendiglernen hinaus weiterentwickeln. Geplant ist auch die Anlage eines Jungeninternats.

Komplettiert wurden unsere Eindrücke durch den Besuch des St. Michael‘s Education Centre, zu dem ein Kindergarten bzw. eine Vorschule gehören, die zurzeit 125 Kinder täglich von 8 bis 15 Uhr besuchen. Diese Einrichtung wurde vor allem durch Gelder aus Nottuln realisiert und wird weitgehend dadurch unterhalten.

Als nächstes Projekt zeugt die im Bau befindliche katholische Primary School vom unbeschreiblichen Einsatz der Missionsschwester: Sicher gespannt sein darf man auf die Fertigstellung ihrer großartigen Pläne für das mehrstöckige Schulgebäude, durch das sie der Verwirklichung ihre Grundidee, der tansanischen Jugend durch Bildung zur Freiheit zu verhelfen, wieder einen großen Schritt näher kommt.“

Zum Thema

Wer für die Arbeit von Sr. Raphaela spenden möchte, kann dieses unter folgender Bankverbindung tun: Missions-Prokura Tutzing / für Sr. Raphaela, IBAN: DE 72 7025 0150 0430 5709 86, Kreissparkasse München Starnberg.

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