Holocaust-Gedenken
„So etwas nie wieder zulassen“

Nottuln -

Rund 50 Nottulner haben am Freitagnachmittag an den Stolpersteinen im Ortskern der ermordeten jüdischen Mitbürger gedacht.

Freitag, 27.01.2017, 20:01 Uhr

Gedenken an den Stolpersteinen: Am Holocaust-Gedenktag wurde auch in Nottuln der ermordeten jüdischen Mitbürger gedacht. Bürgermeisterin Mahnke: „Die Menschen, die damals ums Leben kamen, stehen als Mahnung für uns alle, dass wir so etwas nie wieder zulassen dürfen.“
Gedenken an den Stolpersteinen: Am Holocaust-Gedenktag wurde auch in Nottuln der ermordeten jüdischen Mitbürger gedacht. Bürgermeisterin Mahnke: „Die Menschen, die damals ums Leben kamen, stehen als Mahnung für uns alle, dass wir so etwas nie wieder zulassen dürfen.“ Foto: Dieter Klein

„Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Jude“, zitierte Brigitte Balmer-Landwehr von der Nottulner Friedensinitiative (FI) aus einem Gedicht von Martin Niemöller.

Und die Gruppe Menschen ringsum starrte stumm auf die sechs kleinen Messing-Tafeln, die vor ihren Füßen im Gehweg vor dem Haus Kirchplatz 4 glänzen. Es handelt sich um die „ Stolpersteine “, die der Kölner Künstler Gunter Demnig im November 2005 montiert hatte, um an die Opfer der NS-Diktatur zu erinnern. Die Stolpersteine tragen Namen von jüdischen Nottulner Bürgerinnen und Bürger, die von den Nazis festgenommen und deportiert wurden, und von denen die meisten im Herbst 1942 im Auschwitz ermordet worden waren. Ihretwegen hatte die FI am Freitagnachmittag am Holocaust-Gedenktag zu einer kurzen Mahnfeier geladen.

Und rund 50 Menschen waren gekommen, sahen zu, wie FI-Mitglieder die Steine reinigten, und hörten von Marion Rosue-Beckers und Udo Hegemann die Namen der jüdischen Mitbürger, die einst in ihrer Nachbarschaft gelebt hatten: Julchen Glaser, Isidor Lippers, Hugo Lippers, Siegfried Wertheim, Martha Lippers (geb. Stehberg), Berta Kahn (geb. Albersheim), Walter Heimbach, Martha Glaser (geb. Heimbach), Erich Stehberg, Margarethe Glaser (geb. Wertheim), Berta de Groot (geb. Lippers), Julia Gerson (geb. Lippers) und Ursula Gerson, ein Mädchen aus Nottuln , das gerade mal vier Jahre alt war, als es in Auschwitz ermordet wurde.

Sie alle waren tot, als die Rote Armee am 27. Januar 1945 das Konzentrationslager Auschwitz erreichte und die Gefangenen befreite. Die Toten leben in der Erinnerung weiter. Ihnen gelten die „Stolpersteine“.

Ihnen galt auch die Rede von Bürgermeisterin Manuela Mahnke, die aus einem Gedicht las mit dem Titel „Der Schmetterling“, dass der erst 17 Jahre alte Pavel Friedmann im Ghetto Theresienstadt geschrieben hat: „Der letzte, der allerletzte, so kräftig. Hell, gelb schimmernd, als würden sich die Tränen der Sonne auf einem weißen Stein niederlassen. Seit sieben Wochen habe ich hier gelebt. Eingepfercht im Ghetto. Aber ich habe niemals einen zweiten Schmetterling gesehen. Schmetterlinge leben nicht hier, im Ghetto.“

Manuela Mahnke: „Man ist ja immer wieder versucht zu sagen, dass diese Art von Gedenken, wie wir alle es heute hier tun, nicht mehr zeitgemäß ist. Und die Verfolgung von Juden – auch das sei heute kein Thema mehr. Doch die Menschen, die damals ums Leben kamen, stehen als Mahnung für uns alle, dass wir so etwas nie wieder zulassen dürfen.“

Und als das letzte Shalom des gemeinsamen Abschlussliedes verstummt war, kniete ein kleiner Junge neben den Stolpersteinen nieder und faltete die Hände zum Gebet.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4589472?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F4849117%2F4849120%2F
Liveticker: Mehr als 20.000 Teilnehmer beim "Fridays for Future"-Aktionstag
Klimastreik in Münster : Liveticker: Mehr als 20.000 Teilnehmer beim "Fridays for Future"-Aktionstag
Nachrichten-Ticker