Landwirtschaft
Sorgen und Zwänge im Agrarbereich

Schapdetten -

Beim Einkaufen an der Fleischtheke entscheidet der Verbraucher, wie die Landwirte die Nahrung produzieren. Davon ist Bernhard Schnieder, Vorsitzender der Schapdettener Landwirte, überzeugt.

Freitag, 03.02.2017, 11:02 Uhr

Wissen um die Sorgen der Landwirtschaft (v.l.): Werner Schulze Esking (Kreisverband), Silke Trappmann (WLV), Josef Samberg (Landwirtschaftskammer) und Bernhard Schnieder, Vorsitzender des LOV Schapdetten.
Wissen um die Sorgen der Landwirtschaft (v.l.): Werner Schulze Esking (Kreisverband), Silke Trappmann (WLV), Josef Samberg (Landwirtschaftskammer) und Bernhard Schnieder, Vorsitzender des LOV Schapdetten. Foto: Dieter Klein

Die Existenzangst der kleineren Höfe wächst ständig. Auch die Schapdettener Landwirte, die sich am Mittwochabend zur Jahresversammlung des Landwirtschaflichen Ortsverbands (LOV) trafen, kennen diese Sorgen und Zwänge : Preisdruck der Discounter, Einschränkungen durch immer stärker geforderten und geförderten Naturschutz, Landverluste durch zunehmenden Straßen- und Siedlungsbau, Verhinderung von Stallausbauten direkt am Hof (Stall-Erweiterungsbauten demnächst nur noch in Gewerbegebieten?), Verbot der Massentierhaltung und viele einschneidende Eingriffe der Naturschützer in die Arbeit der Bauern.

Bei jeder der zurzeit laufenden Versammlungen der im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) organisierten Ortsverbände ist dieser zunehmende Druck ein Thema. „Und der kommt auch aus Düsseldorf. Hoffen wir, dass es bei den anstehenden Landtagswahlen dort zu politischen Richtungsänderungen kommt“, wünschte sich Werner Schulze Esking vom Kreisverband Coesfeld des WLV am Mittwoch bei seinem Besuch in Schapdetten .

Ein ganz wichtiges Thema auch für die Schapdettener Landwirte ist die verlorene Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung. Die landwirtschaftlichen Berufsverbände wollen mit letztlich weiter einschränkenden Maßnahmen dem entgegenwirken. Doch geht das, ohne den vielen Klein- und Nebenerwerbsbauern in der Baumberge-Region ganz die Luft abzudrehen? Wie reagiert der Verbraucher, oder besser: Wie müsste er reagieren, damit die gepflegte Agrarkultur im Kreis Coesfeld erhalten werden kann? Dazu drei Fragen an den Vorsitzenden des LOV Schapdetten, Bernhard Schnieder :

Herr Schnieder, es wird gefordert, auf die Enthornung der Rinder und das Kupieren von Schweineschwänzen zu verzichten. Kann die Landwirtschaft diese Forderung erfüllen?

Schnieder: Wenn wir das züchterisch schaffen würden, wäre das eine gute Sache. Aber zurzeit ist das noch nicht möglich. Bei Versuchen hat sich herausgestellt, dass es zu gesundheitlichen Schäden bei den Tieren gekommen ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine konventionelle Tierhaltung oder um einen Bio-Betrieb handelt.

Was bedeutet ein Verbot der Massentierhaltung?

Schnieder: Was heißt überhaupt Massentierhaltung? Jeder Landwirt hält sich sowieso nur so viele Tiere, dass er leben kann. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass es nichts bringt, Schweinen noch größere Flächen zur Verfügung zu stellen. Schweine lieben es sogar, eng aneinanderzuliegen. Und bei Hühnern ist die Käfighaltung eh längst verboten. In unserem Bereich kann jeder jederzeit nach Absprache und mit entsprechenden Schutzmaßnahmen, damit keine Krankheiten eingeschleust werden, die Höfe besichtigen.

Wie beurteilen Sie die fehlende Akzeptanz der Landwirtschaft bei den Verbrauchern?

Schnieder: Bei uns auf dem Lande ist das kein Thema. Wir sind auch zu Neuerungen in allen Bereichen immer wieder bereit. Wir versuchen, beste Lebensmittel zu besten Haltungs- und Umweltformen zu liefern. Aber beim Einkaufen an der Fleischtheke entscheidet der Verbraucher, ob wir das weiterhin können oder nicht.

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