Naturschutz vor Ort
Ziel: Neuer Lebensraum mit großer Artenvielfalt

Nottuln -

Das Naturschutzgebiet „Nonnenbach Nottulner Berg“ entwickelt sich weiter. Ein neues Projekt hat zum Ziel, dort regionaltypische, blütenreiche Säume mit Hochstaudenfluren, Glatthaferwiesen und Gebüschstrukturen entstehen zu lassen. Vielleicht siedelt sich dann auch der Neuntöter an . . .

Freitag, 05.05.2017, 22:05 Uhr

Lokaltermin im Naturschutzgebiet „Nonnenbach Nottulner Berg“ (v.l.): Kerstin Bartsch (Untere Naturschutzbehörde), Anja Eirich (Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld), Thomas Zimmermann (Geschäftsführer und Wissenschaftlicher Leiter des Naturschutzzen­trums), Hermann Grömping (Untere Naturschutzbehörde), Peter Scheunemann (Leiter der Gemeindewerke) und Harald Gerding (Gemeindewerke Nottuln).
Lokaltermin im Naturschutzgebiet „Nonnenbach Nottulner Berg“ (v.l.): Kerstin Bartsch (Untere Naturschutzbehörde), Anja Eirich (Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld), Thomas Zimmermann (Geschäftsführer und Wissenschaftlicher Leiter des Naturschutzzen­trums), Hermann Grömping (Untere Naturschutzbehörde), Peter Scheunemann (Leiter der Gemeindewerke) und Harald Gerding (Gemeindewerke Nottuln). Foto: Ludger Warnke

Um einen Neuntöter vor die Linse zu bekommen, musste Walter Weigelt seine Koffer packen und verreisen. Dem Appelhülsener Naturfotografen gelang es im Urlaub, den in seinem Bestand gefährdeten Zugvogel aus der Familie der Würger zu fotografieren. Gut möglich, dass Walter Weigelt sich in wenigen Jahren nur noch aufs Fahrrad schwingen und nach Nottuln radeln muss. Denn hier im Naturschutzgebiet „ Nonnenbach Nottulner Berg “ soll der markante Vogel, der seine Beute auf Dornen aufspießt, wieder einen geeigneten Lebensraum finden. „Wenn der Neuntöter sich hier wieder ansiedeln würde, wäre das ein super Erfolg“, sagt Thomas Zimmermann , wissenschaftlicher Leiter des Naturschutzzentrums Kreis Coesfeld.

Der Neuntöter, der seine Insektenbeute auf Dornen aufspießt, soll am Nottulner Berg heimisch werden.

Der Neuntöter, der seine Insektenbeute auf Dornen aufspießt, soll am Nottulner Berg heimisch werden. Foto: Walter Weigelt

In rund eineinhalbjähriger Vorarbeit haben die Dipl.-Biologin Kerstin Wittjen und die Landschaftsökologin Anja Eirich, beide vom Naturschutzzentrum, ein Konzept entwickelt, damit sich auf rund 30 Hektar des insgesamt 85 Hektar umfassenden Naturschutzgebietes ein Mosaik aus regionaltypischen, blütenreichen Säumen mit Hochstaudenfluren, Glatthaferwiesen und Gebüschstrukturen entwickeln kann. Gerade die artenreichen Glatthaferwiesen liegen den Naturschützern sehr am Herzen, denn sie fördern die Insektenvielfalt und sorgen für ausreichendes Nahrungsangebot für Vögel wie den Neuntöter.

Margerite und Acker-Witwenblume – der Samen solcher und anderer Pflanzen dient als Spender für die Artenansiedlung im Naturschutzgebiet „Nonnenbach Nottulner Berg“.

Margerite und Acker-Witwenblume – der Samen solcher und anderer Pflanzen dient als Spender für die Artenansiedlung im Naturschutzgebiet „Nonnenbach Nottulner Berg“. Foto: Kerstin Wittjen

Die auf mehrere Jahre angelegten Naturschutzmaßnahmen sind nicht im stillen Kämmerlein erarbeitet worden. Die Gemeindewerke Nottuln als Eigentümerin der Flächen, die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Coesfeld wie auch die Landwirtschaft als Pächter und die Jäger sind mit im Boot. Auslöser für das Konzept war seinerzeit die Heckenpflanzung der Jäger, schildert Thomas Zimmermann. Das Naturschutzzen­trum schlug vor, solche und andere mögliche Maßnahmen in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Ein Vorschlag, der auch im Sinne der Gemeindewerke war, wie Werke­leiter Peter Scheunemann betont. Denn der Naturschutz diene auch dem Gewässerschutz und damit dem Ziel, die Bürger weiterhin mit Trinkwasser versorgen zu können.

Dass die Gespräche angesichts unterschiedlicher Interessen nicht immer einfach waren, gesteht Zimmermann ein. Letztlich haben aber alle Beteiligten an einem Strang gezogen. „Wir haben heute ein Konzept, mit dem alle gut leben können.“

Stimmt der Lebensraum, kommt auch die Tierwelt zurück. Hier der Kleine Fuchs (Aglais Urticae), ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter.

Stimmt der Lebensraum, kommt auch die Tierwelt zurück. Hier der Kleine Fuchs (Aglais Urticae), ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter. Foto: Kerstin Wittjen

Was passiert nun genau im Naturschutzgebiet „Nonnenbach Nottulner Berg“? Am Samstag (6. Mai) werden erste Flächen umgebrochen. Auf diese Flächen wird später Saatgut ausgebracht, damit sie sich zu artenreichen Säumen und Glatthaferwiesen entwickeln können. Dafür greifen die Naturschützer aber nicht in die Samentüte aus dem Supermarkt, sondern nutzen das Samenpotenzial der Region, wie Hermann Grömping von der Unteren Naturschutzbehörde erläutert. Die Naturschützer werden die Mahd von artenreichen Wegerändern hier aus dem Kreis Coesfeld auf den vorbereiteten Flächen ausbringen. So möchte man zu einer für die Region ursprünglichen Artenzusammensetzung zurückkehren. Denn aktuell gibt es im Naturschutzgebiet einige Arten, die – wie zum Beispiel der Ampfer – zu häufig vorkommen.

In den Folgejahren bis 2019/2020 kommen weitere Maßnahmen hinzu, zum Beispiel Initialpflanzungen für Gehölze und Pflegemaßnahmen. Beteiligt sind dabei die Landwirtschaft, die bereits auf Gülledüngung verzichtet und die im Wege des Vertragsnaturschutzes aktiv ist, und auch die Jäger, die Flächen mit jagdlicher Bedeutung betreuen.

Knautia Arvensis, die Acker-Witwenblume, liebt extensiv bewirtschaftete Flächen.

Knautia Arvensis, die Acker-Witwenblume, liebt extensiv bewirtschaftete Flächen. Foto: Kerstin Wittjen

Beteiligt sind zudem die Gemeindewerke, die ein mit den Naturschützern abgestimmtes Wegekonzept realisieren möchten. „Wir wissen, dass dieses Gebiet für Erholungssuchende eine große Bedeutung hat, deshalb ist auch die Besucherlenkung ein wichtiger Aspekt“, erläutert Thomas Zimmermann. Mit den Gemeindewerken wurde ein naturverträglicher Rundweg erarbeitet, der auch entsprechend gekennzeichnet werden soll. Mit kleinen, kniehohen Zaunelementen an bestimmten Stellen soll den Besuchern deutlich gemacht werden, welche Bereiche sie nicht betreten sollten.

Klar ist allen Beteiligten: Es wird mehrere Vegetationsperioden erfordern, bis Erfolge sichtbar werden. „Wir müssen Geduld haben“, sagt Thomas Zimmermann. Und Hermann Grömping betont: „Das ist hier ein richtig knackiges Projekt. Die Flächen haben eine gute Perspektive.“

Landschaftsökologin Anja Eirich ergänzt: „Wir schaffen den Lebensraum, dann kommen die Bewohner von selbst.“ So können sehr wahrscheinlich in einigen Jahren Naturfotografen wie Walter Weigelt hier vor Ort schöne Aufnahmen vom Neuntöter machen.

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