Europawoche
Spielregeln für 28 Nationen

Nottuln -

Informativ, kurzweilig und aufschlussreich war das Plädoyer von Dr. Manfred Bergmann für eine lebendige EU. Der Gast aus Brüssel sprach im Forum auf Einladung des Gymnasiums.

Dienstag, 09.05.2017, 20:05 Uhr

Vier Schülerinnen des Gymnasiums – Marie de Maesschalck (l.), Benita Prior (2.v.l.), Lina Schmissas (3.v.r.) und Kira Becker (2.v.r.) – nahmen an der „Member of the European Parliament“-Simulation teil und erhielten von ihrer Lehrerin Stefanie Poggemann und Dr. Manfred Bergmann das MEP-Zertifikat.
Vier Schülerinnen des Gymnasiums – Marie de Maesschalck (l.), Benita Prior (2.v.l.), Lina Schmissas (3.v.r.) und Kira Becker (2.v.r.) – nahmen an der „Member of the European Parliament“-Simulation teil und erhielten von ihrer Lehrerin Stefanie Poggemann und Dr. Manfred Bergmann das MEP-Zertifikat. Foto: Ulla Wolanewitz

Keine Frage: In der Europäischen Union gibt es einige Probleme zu lösen. Auch wenn Emmanuel Macron sich am Sonntag in Frankreich durchsetzen konnte, würde „ein Drittel der französischen Wähler einen Austritt aus der EU der Intensivierung der Zusammenarbeit vorziehen“, betonte Holger Siegler. Der Schulleiter vom Gymnasium Nottuln begrüßte am Montagabend Dr. Manfred Bergmann aus Brüssel – mit Wurzeln in Lüdinghausen, der im Rahmen der Europawoche Nottuln zum Thema „Protektionismus, Populismus und Nationalismus“ referierte.

Er selbst stellte sich als „Manfred Sündenbock“ aus Brüssel vor, denn „wir dürfen uns immer anhören, was für ein Demokratie- und Bürokratiemonster Europa nach außen hin repräsentiert.“ Dabei gehe es einfach darum, in dem Zusammenschluss von noch 28 Nationalstaaten gemeinsame Spielregeln für alle zu entwickeln. Grundlage dafür sei der kategorische Imperativ: „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem andern zu.“

Freuten sich auf einen spannenden Europa-Abend (v.l.): Lehrerin Stefanie Poggemann, Schulleiter Holger Siegler, stellv. Schulleiterin Jutta Glanemann, Referent Dr. Manfred Bergmann und Bürgermeisterin Manuela Mahnke.

Freuten sich auf einen spannenden Europa-Abend (v.l.): Lehrerin Stefanie Poggemann, Schulleiter Holger Siegler, stellv. Schulleiterin Jutta Glanemann, Referent Dr. Manfred Bergmann und Bürgermeisterin Manuela Mahnke. Foto: Ulla Wolanewitz

Und schon war er mittendrin im Thema, der Referent, dessen Titel schon nicht unkompliziert klingt: Direktor der Direktion „Volkswirtschaften der Mitgliedsstaaten I“ in der Generaldirektion „Wirtschaft und Finanzen“ (GD ECFIN) der Europäischen Kommission.

Informativ, kurzweilig und aufschlussreich war es, das Plädoyer Bergmanns für Europa. Viele Aspekte klangen einleuchtend, durchdacht und gut gemeint, doch letztendlich auch reichlich theoretisch. Dem wusste Sozialwissenschaftslehrer Werner Völlering einiges entgegenzuhalten: „Der Brexit hat gezeigt, dass viele junge Menschen nicht gewählt haben. Warum engagiert sich Europa nicht mehr für die Jugend? Beispiel: Interrail für alle!“ – „Zu teuer“, antwortete Bergmann, das würde rund 3 Milliarden Euro kosten. Aber Völlering wäre nicht Völlering, ließe er sich mit so einem Argument abservieren: „So what? Für europäische Rüstungsprojekte ist doch auch immer Geld da“, entgegnete er.

Auch wurde die Frage gestellt, wie es sein könnte, dass Pflanzenschutzmittel, die ganz offensichtlich die Insektenvielfalt reduzieren und deshalb in Skandinavien und Frankreich verboten seien, in Deutschland noch auf dem Markt seien: „Vielleicht, weil der Hersteller Bayer sich dem zu widersetzen weiß und Lobbyisten-Politik gemacht werde?

Lobbyismus? Den wollte Bergmann verteidigt wissen: „Es ist das gute Recht eines jeden Lobbyisten, Einfluss zu nehmen. Das mag moralisch verwerflich sein, ist aber juristisch okay.“

Wie jugendliches Engagement für Europa aussehen kann, das stellt das Nottulner Gymnasium seit elf Jahren immer wieder gerne unter Beweis. Ganz speziell durch die Teilnahme am MEP (Member of the European Parliament). Diesmal waren es vier Schülerinnen, die sich der Herausforderung eines „simulierten europäisches Parlamentes“ stellten. Und dabei neue Talente an sich entdecken durften, moderne Medien nutzen und sich im Kampf gegen nie gehörte Parteien durchsetzten konnten, machte Politik- und Sozialwissenschaftslehrerin Stefanie Poggemann dem Publikum deutlich. Für dieses vorbildliche, politische Engagement überreichte sie den Schülerinnen Marie de Maesschalck (EF), Benita Prior (Q1), Kira Becker (Q1) und Lina Schmissas (Q2) das MEP-Zertifikat.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4823410?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Nachrichten-Ticker