Neubaugebiet Südlich Lerchenhain
Im Lerchenhain bleiben Zweifel

Nottuln -

Das geplanten Neubaugebiet „Südlich Lerchenhain“ sorgt weiter für Diskussionen. Im Betriebsausschuss ging es diesmal um die Entwässerungssituation.

Freitag, 12.05.2017, 21:05 Uhr

Die Anlieger des Lerchenhains befürchten, dass ihr Kanalsystem durch das neue Baugebiet „Südlich Lerchenhain“ stärker belastet und noch mehr Schmutz in den Nonnenbach eingeleitet wird. Das Ingenieurbüro Gnegel hingegen hat eine zukünftige Entlastung berechnet, der Lippeverband kündigte an, sich um die Schmutzproblematik zu kümmern.
Die Anlieger des Lerchenhains befürchten, dass ihr Kanalsystem durch das neue Baugebiet „Südlich Lerchenhain“ stärker belastet und noch mehr Schmutz in den Nonnenbach eingeleitet wird. Das Ingenieurbüro Gnegel hingegen hat eine zukünftige Entlastung berechnet, der Lippeverband kündigte an, sich um die Schmutzproblematik zu kümmern. Foto: Frank Vogel

Das neue Baugebiet „Südlich Lerchenhain“ war nach Mittwoch, als es im Gemeindeentwicklungsausschuss vorgestellt worden ist (wir berichteten), auch am Donnerstag im Betriebsausschuss wieder Thema. Und führte da zu teilweise emotionalen Diskussionen mit den Anliegern des Wohngebietes Lerchenhain.

Diplom-Ingenieur Rodegang Elkendorf vom Büro Gnegel, Sendenhorst, erläuterte die abwassertechnische Vorplanung vor allem auch mit Blick auf die möglichen Auswirkungen auf den Lerchenhain. Das neue Baugebiet soll mit einem Trennsystem – Schmutzwasserkanal und Regenwasserkanal – erschlossen werden. Das Regenwasser wird Richtung Regenrückhaltebecken abgeleitet. Und auch das Hochwasser, das bei einer Überflutung vom Regenwasserkanal nicht mehr aufgenommen werden kann, fließt oberflächlich in dieselbe Richtung, erklärte Elkendorf. So weit, so unproblematisch.

Das Schmutzwasser aus Toiletten, Bädern und Küchen fließt in den Schmutzwasserkanal. Dieser werde an den vorhandenen Mischwasserkanal des Lerchenhains angeschlossen. Und wird das alte Wohngebiet – Elkendorfs hydraulischen Berechnungen nach – entlasten, nicht zusätzlich belasten. Grund dafür sei, dass die Kanalrohre im neuen Baugebiet überdimensioniert sein werden. Auf diese Weise wird dem Wasser im bestehenden Kanalsystem im Lerchenhain, wenn dieses vollläuft, die Möglichkeit gegeben, in das neue System zurückzustauen. Elkendorfs Fazit: „Der Lerchenhain profitiert ein wenig von dem neuen Baugebiet.“

Eigentlich eine gute Nachricht. Doch in der anschließenden Diskussion mit den Anliegern des Lerchenhains gab es dann gleich mehrere Punkte, die diese in Zweifel zogen. Die zwei markantesten: Ein Anlieger erklärte, dass der Schmutzwasseranfall sich mit dem Neubaugebiet (und seinen rund 300 Einwohnern) deutlich erhöhen werde. Das in den Nonnenbach fließende Wasser sei heute schon unzumutbar verschmutzt, bei noch mehr Dreck werde die Situation sich weiter verschlimmern. Elkendorf bestätigte, dass die Schmutzfracht größer werde, dass aber die Einleitungssituation eh geändert werden müsse.

Damit war der Ball bei den Vertretern des Lippeverbandes, die ebenfalls in der Sitzung waren. Geschäftsbereichsleiter Thomas Fock erklärte, dass der Lippeverband eine Einleitungserlaubnis bis 2020 habe. Um diese verlängert zu bekommen, müsse man die heutige Problematik am Nonnenbach genauso in Betracht ziehen wie die zusätzliche Schmutzfracht aus dem neuen Baugebiet. Man werde dazu eine Planung erstellen. „Und wir müssen das frühzeitig tun, damit wird die technischen Voraussetzungen schaffen können, um die neue Einleitungserlaubnis zu bekommen.“ Man werde das im Blick behalten, blieben die Anlieger des Lerchenhains skeptisch.

Hart aufeinander prallten die Meinungen beim Thema der Leistungsfähigkeit des bestehenden Kanalsystems im Lerchenhain. Während Rodegang Elkendorf und Betriebsleiter Peter Scheunemann erklärten, dass das Kanalsystem sehr gut sei, hielten die Anlieger dem aus eigener Erfahrung entgegen, dass an einigen Stellen jedes Jahr das verschmutzte Wasser in der Straße stünde. „Sie reden die Situation schön“, kritisierten sie. Wenn es Probleme an einzelnen Stellen gebe, dann könne man nicht auf das Gesamtnetz zurückschließen, erklärte Elkendorf. Dann gebe es möglicherweise spezielle Gründe (wie ein defektes oder verstopftes Rohr). „Sprechen Sie uns an, wir kommen dann raus und schauen nach“, bot Peter Scheunemann an. „Das haben wir schon getan, passiert ist aber nichts“, hielten die Anlieger dagegen.

Den Vorwurf der Anlieger an die Gemeindewerke, in den vergangenen zwei Jahren nichts zur Klärung oder Verbesserung der Situation im Lerchenhain getan zu haben, obwohl Anregungen und Fragestellungen vorgelegen hätten, widersprach Scheunemann. Man habe sehr wohl Dinge abgearbeitet, offene Fragestellungen kenne er nicht.

„Wenn es da Hinweise gibt, muss die Gemeinde dem schnell nachgehen“, forderte allerdings auch Claudia Jürgens (SPD) im Sinne der Anlieger.

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