Nahverkehr in der Diskussion
ÖPNV verschlingt immer mehr Geld

Nottuln -

Bei der Verlustabdeckung des Öffentlichen Personennahverkehrs in der Gemeinde steuert Nottuln auf einen neuen Rekord zu. Für das Jahr 2016 wird Nottuln voraussichtlich 470 000 Euro zahlen müssen.

Sonntag, 09.07.2017, 12:07 Uhr

Die Kosten für den ÖPNV in der Gemeinde Nottuln steigen und steigen.  
Die Kosten für den ÖPNV in der Gemeinde Nottuln steigen und steigen.   Foto: Dieter Klein

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in der Gemeinde Nottuln ist nicht nur unübersichtlich, er verschlingt auch immer mehr Geld. Für das Jahr 2016 rechnet die Gemeindeverwaltung nach einer aktuellen Schätzung mit einem Kostenzuschuss von rund 470 000 Euro. Vier Jahre zuvor, im Jahr 2012, waren es „nur“ 173 000 Euro. „Wahrscheinlich geben wir mittlerweile mehr Geld für den ÖPNV aus als die mehr als doppelt so große Stadt Dülmen“, mutmaßte Fachbereichsleiter Caglayan Korkmaz von der Gemeindeverwaltung, als er den Mitgliedern des Ausschusses für Gemeindeentwicklung die Ergebnisse seiner Untersuchungen vorstellte.

Weil Themen wie Schülerbusverkehr (Olfener Modell) und Verbesserungen einzelner Linien (Nottuln - Appelhülsen) nach wie vor auf der politischen Tagesordnung stehen, hatte der seit dem 1. Oktober 2016 bei der Nottulner Verwaltung beschäftigte Fachbereichsleiter sich ganz neu und ganz tief in die ÖPNV-Materie eingearbeitet – und viele ungewöhnliche Dinge entdeckt.

Das sind zum einen die massiven Kostensteigerungen der vergangenen Jahre. 2014 gab die Gemeinde Nottuln rund 284 000 Euro für den ÖPNV aus, in Senden und Lüdinghausen zum Beispiel waren es nur jeweils rund 143 000 Euro.

In Gesprächen mit der Verwaltung habe die RVM die Steigerungen hauptsächlich mit gestiegenen Fahrleistungen, allgemeinen Kostensteigerungen und einer höheren Taktung im Schulbusverkehr begründet, berichtete Korkmaz. Für die Gemeindeverwaltung, und darauf wies auch Bürgermeisterin Manuela Mahnke hin, sind die Antworten der RVM bislang nicht schlüssig. Also hat die Gemeinde der RVM einen sehr umfangreichen Fragenkatalog zukommen lassen und drängt auf Aufklärung.

Dabei geht es nicht nur um Kosten. Bei einer stichprobenartigen Überprüfung des Schulbusverkehrs an drei verschiedenen Werktagen hat die Verwaltung zum Beispiel festgestellt, dass an einer Grundschule in Nottuln zu einer bestimmten Abfahrtszeit drei Busse gleichzeitig losfahren. Es seien fast durchgehend pro Bus maximal fünf Schüler befördert worden, teilweise habe es auch Leerfahrten gegeben, schilderte Fachbereichsleiter Korkmaz seine Beobachtungen. Beobachtet hat er auch, dass ein Bus auf einer Route durch das Gemeindegebiet dreimal die Liniennummer wechselte.

Hat das alles seine Richtigkeit?

Die Verwaltung hat sich fest vorgenommen, den „gordischen Knoten“ beim ÖPNV zu durchschlagen und volle Aufklärung von der RVM zu erhalten. Für dieses Vorgehen erhielt die Verwaltung die einmütige Unterstützung der Politik.

„Das kann so nicht weitergehen“, betonte Jan Van de Vyle (UBG). Und Wolfgang Danziger (SPD) mutmaßte: „Mir scheint, wir subventionieren beim ÖPNV eine andere Kommune mit.“

Angesichts der Unübersichtlichkeit des ÖPNV-Netzes in Nottuln und der vielen offenen Fragen ist für Bürgermeisterin Manuela Mahnke klar: „Wir müssen das Haus ÖPNV ganz neu bauen. Einzelmaßnahmen helfen uns nicht weiter.“ Diesen Weg will die Politik mitgehen und stimmte geschlossen dem Vorschlag der Bürgermeisterin zu, einen externen Sachverständigen für ÖPNV mit der Erarbeitung eines neuen Liniennetzes für die Gemeinde zu beauftragen.

Noch offen ist, ob kurzfristig die Taxibus-Linie T 85 (Nottuln-Appelhülsen) an Schultagen in eine reguläre Linie umgewandelt wird. Hierfür machte sich Wolfgang Danziger stark, der eine bessere Anbindung an den Bahnhof erreichen möchte.

Im Gemeinderat am Dienstag (11. Juli) soll noch einmal darüber diskutiert werden.

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