Schwester Raphaela im Gymnasium
„Wie alt waren sie 1969?“

Nottuln -

Schwester Raphael hat den Schülern des Rupert-Neudeck-Gymnasiums Tansania nähergebracht. Am Enge blieb wenig Zeit, die Schüler hätten bestimmt gerne noch mehr Fragen gestellt.

Montag, 10.07.2017, 21:07 Uhr

Die Schülerschar passte so gerade eben in das Forum des Gymnasiums, in dem Schwester Raphaela über ihre Arbeit und das Leben in Tansania berichtete.
Die Schülerschar passte so gerade eben in das Forum des Gymnasiums, in dem Schwester Raphaela über ihre Arbeit und das Leben in Tansania berichtete. Foto: Bettina Laerbusch

Selbst einige Abiturienten waren gekommen, zurück an ihre alte Schule, die sie doch gerade eben erst verlassen hatten. Vereinzelte Klassen waren hingegen auf einem Ausflug. Und die verbliebene Schülerschar? Sie passte so gerade eben in das Forum des Gymnasiums. Auf der Bühne stand am Montagmittag Schwester Dr. Raphaela Händler , die bis Anfang September in Deutschland sein wird. Sie referierte vor den Schülern per Powerpoint-Präsentation über ihre Arbeit in Tansania und über das Leben dort. Am Ende ihrer Ausführungen blieb nur Zeit für zwei Fragen; die Schüler hätten den Gast sicherlich noch viel länger löchern mögen.

Schwester Raphaela und Schulleiter Holger Siegler halten ein Tuch aus Tansania in der Hand – ein Gastgeschenk der Schwester.

Schwester Raphaela und Schulleiter Holger Siegler halten ein Tuch aus Tansania in der Hand – ein Gastgeschenk der Schwester. Foto: Bettina Laerbusch

„Was ist TBC?“, wollte eine Schülerin wissen. Ein Schüler fragte die Ordensschwester, was genau Malaria ist, welche Formen es gibt. Zuvor hatten die Gymnasiasten erfahren, dass fünf Prozent der Menschen in Tansania an Tuberkulose sterben, sieben Prozent an Malaria und 17 an HIV. Sie hatten erfahren, dass 1969, als Schwester Raphaela nach Tansania kam, dort 13 Millionen Menschen lebten. „Heute sind es 51,5 Millionen – da kann man von einer Bevölkerungsexplosion sprechen.“ Ein junger Schüler zeigte auf: „Wie alt waren Sie 1969?“, wollte er wissen. Sr. Raphaela beantwortete diese Frage schmunzelnd und indirekt: „Ich bin 1940 geboren, Ihr seit ja Gymnasiasten, das könnt Ihr Euch jetzt selbst ausrechnen.“

Schnell wurde es aber wieder ernst, zum Beispiel als der Gast berichtete, dass in der größten Stadt des Landes, in Daressalam, „sechs Millionen Menschen leben – ohne Infrastruktur, ohne Kanalisation“. 45 Prozent der Bürger Tansanias würden als Analphabeten gelten. Zwar gebe es seit der Unabhängigkeit 1962 eine Schulpflicht, doch anders als in Deutschland kümmere sich niemand darum, ob ein Kind auch wirklich zur Schule gehe. Viele Kinder, erfuhren die Gymnasiasten, müssten nach wie vor in der Landwirtschaft arbeiten, Kühe und Schafe hüten. Eigentlich, betonte die Ordensschwester, sei sie ja Ärztin, doch sie habe erkannt, wie immens wichtig Bildung sei, und sich daher verstärkt in diesem Bereich engagiert. „Bildung ist die Zukunft einer Nation“, diesen Satz sahen die Schüler als Ersten an die Wand projiziert.

Mehrfach machte Sr. Raphaela deutlich, dass sie und ihre Mitstreiter ohne Gottes Hilfe nicht in der Lage wären, dass zu tun, was sie tun. 2014, erzählte sie unter anderem, habe der erste Abiturjahrgang das Aquinas-Gymnasium verlassen. 2015 habe die Aquions-Schule, auch mit Hilfe aus Nottuln gebaut, das zehnjährige Bestehen feiern können. Im September werde das St.-Josef-Internat für Jungen fertig. Eine Grundschule sahen die Schüler auch per Foto – und Sr. Raphaela bedankte sich bei der versammelten Schülerschaft mehrmals für die Unterstützung, die die Gymnasiasten etwa durch die Sponsorenläufe geben.

„Was meint Ihr, wie alt werden Männer und wie alt Frauen in Tansania?“ Die Schüler lagen gar nicht so falsch und wurden doch nachdenklich: „53 Jahre wird in Tansania durchschnittlich ein Mann, 54 Jahre eine Frau.“

Ein Gastgeschenk hatte Sr. Raphaela zu Beginn der besonderen Unterrichtsstunde übergeben: Ein Tuch aus Tansania mit der Aufschrift (übersetzt): „Es gibt keinen Größeren als Gott allein.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5001344?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Tierisches Vergnügen beim Dschungelbuch-Musical
Halle Münsterland: Tierisches Vergnügen beim Dschungelbuch-Musical
Nachrichten-Ticker