Hochwasserschutz Appelhülsen
Engstelle Bahndurchlass

Nottuln/Appelhülsen -

Der Steverdurchlass unter der Bahnlinie in Appelhülsen ist hydraulisch überlastet. Das ist nun gutachterlich festgestellt.

Dienstag, 09.01.2018, 21:01 Uhr

Der Steverdurchlass unter der Bahn ist eine Schwachstelle im Appelhülsener Hochwasserschutzkonzept. Anlieger vom Pastorskamp freuen sich, dass aktuell die Wasserstände weiter zurückgehen.
Der Steverdurchlass unter der Bahn ist eine Schwachstelle im Appelhülsener Hochwasserschutzkonzept. Anlieger vom Pastorskamp freuen sich, dass aktuell die Wasserstände weiter zurückgehen. Foto: Ludger Warnke

Mitte Dezember und um den Jahreswechsel herum führte die Stever bei Appelhülsen besonders viel Wasser. Die Pegelstation Appelhülsen, gelegen in der Bauerschaft Wierling, verzeichnete nach Angaben des Informationsportals HYGON (Hydrologische Rohdaten Online) des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW kurzzeitige Tagesmaxima bis zu 150 Zentimeter. Im Jahresmittel liegt der Wasserstand bei etwa 22 Zentimetern an dieser Stelle.

Weniger für den Pegel in der Bauerschaft, sondern vielmehr für den Steverpegel vor ihrer Haustür interessieren sich die Anlieger des Pastorskamp in Appelhülsen. Sie beobachten immer wieder, dass bei Starkregenereignissen und längeren Niederschlagsphasen die Stever voll- und auch teilweise überläuft, weil das Wasser sich vor dem Durchlass an der Bahnlinie staut.

Dieser Durchlass ist in der Tat eine Schwachstelle im Appelhülsener Hochwasserschutzkonzept. Denn der Durchlass ist hydraulisch überlastet, wie Diplom-Ingenieur Phillip Rolke vom Büro pbh-Wasserwirtschaft ermittelt hat. Bei einem 100-jährigen Hochwasserereignis könnten am Pastorskamp bis zu 14 Grundstücke in Teilen überflutet werden. Zudem könnten sechs Wohngebäude und drei Nebengebäude direkt vom Hochwasser betroffen sein.

Anlieger haben in der Vergangenheit schon häufiger beobachtet, wie sich das Wasser am Durchlass staut.

Anlieger haben in der Vergangenheit schon häufiger beobachtet, wie sich das Wasser am Durchlass staut. Foto: WN-Archiv/CDU Appelhülsen

Der Diplom-Ingenieur hat sich im Auftrag der Gemeinde mit dem Hochwasserschutz in Appelhülsen beschäftigt. Den Antrag dazu hatte aufgrund von Bürgerhinweisen die CDU-Fraktion auf den Weg gebracht.

In seinem Bericht, der auch schon der Politik im zuständigen Fachausschuss mitgeteilt wurde, hat Phillip Rolke zunächst die bereits durchgeführten Maßnahmen geprüft. Dabei geht es um die Verwallung im Bereich Steveraue, um das Streichwehr zum Roggenbach und um die mit L-Steinwänden geschützten Bereiche. Allein durch das Streichwehr werde die Stever um knapp 30 Prozent entlastet. Allerdings werde dieser Abschlag erst bei sehr hohen Abflüssen wie bei einem 100-jährigen Hochwasserereignis erreicht. Der Diplom-Ingenieur sprach insgesamt von guten Maßnahmen, mahnte aber auch eine regelmäßige Überprüfung dieser Einrichtungen an.

Problematisch ist die Situation am Bahndurchlass im Bereich Pastorskamp. Hier zwängt sich nicht nur das Wasser von Stever und Salmbreitenbach unter der Bahn durch, auch Regenwasser aus der Appelhülsener Kanalisation passiert diese Stelle. Phillip Rolke hat 18 ungedrosselte Kanaleinleitungen und Einleitungen aus drei Regenrückhaltebecken ermittelt. Zu rund 40 Prozent sei der Bahndurchlass allein durch das Wasser aus der Kanalisation ausgelastet, errechnete der Gutachter. „Appelhülsen setzt sich selbst unter Wasser“, formulierte er im Ausschuss zugespitzt.

Natürlich hatte der Gutachter auch mögliche Lösungsmaßnahmen in petto. Eine Lösung mit hoher Wirksamkeit sei, neben dem bestehenden Bahndurchlass zusätzliche Durchlässe mit großen Rohren zu schaffen. Da für Durchlässe unter Bahnstrecken ganz besondere Anforderungen gelten, erfordere diese Lösung einen enormen Planungsaufwand und intensive, wahrscheinlich mehrjährige Abstimmungsgespräche mit der Deutschen Bahn. Auch seien die Baukosten hoch (grob geschätzt 230 000 Euro).

Eine andere Möglichkeit wäre die Absenkung des Streichwehrs. Dann müsste aber zuvor geprüft werden, wie viel Wasser der Roggenbach noch verträgt. Möglicherweise sei ein weiterer Ausbau des Roggenbaches erforderlich.

Vor- und Nachteile haben auch andere Lösungen wie der Bau eines beweglichen Wehres oder die Anhebung des Steveruferweges um einen Meter als Deich oder als Hochwasserschutzmauer bei gleichzeitiger Inanspruchnahme von rund 1500 m² des Steverparks als neue Überflutungsfläche. Schließlich wären auch Schutzmaßnahmen direkt am Objekt möglich.

Der Fachmann favorisierte noch keine Lösung, sondern empfahl der Gemeinde, weitere Fakten zu sammeln. So sollte der Ausbauzustand des Roggenbaches und die Anschlusssituation der betroffenen Grundstücke genauer geprüft werden. Da die Bezirksregierung aktuell die Bemessungsgrundlagen für das Einzugsgebiet Stever/Nonnenbach überarbeite, sollten diese Ergebnisse abgewartet werden. Die Gemeinde selbst will nun Kontakt zur Bahn aufnehmen, um zu klären, ob und unter welchen Bedingungen zusätzliche Durchlässe unter der Bahnlinie geschaffen werden können.

Die Politik nahm den Bericht zur Kenntnis. Sobald neue Informationen vorliegen, will die Verwaltung das Thema wieder auf die Tagesordnung setzen.

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