Friedensinitiative
Das starke Dorf Shina

Nottuln -

Auch Nottulner haben für das afghanische Dorf Shina gespendet. Und dass diese Hilfe etwas bewirkt hat, können Interessierte in einem neuen Buch nachlesen.

Donnerstag, 25.01.2018, 19:01 Uhr

Der Buchtitel. 
Der Buchtitel.  Foto: Mahmoud Khorosh

„Das starke Dorf – Chronik über einen Wiederaufbau“, so heißt das Buch von Sabine Tecklenburg-Khorosh (Text) und Mahmoud Khorosh (Fotos), das auf einer Veranstaltung der Friedensinitiative Nottuln (FI) in der Alten Amtmannei vorgestellt wurde.

Berechtigter Stolz klingt mit, als Sabine Tecklenburg-Khorosh über Shina, das kleine Dorf in der Nähe Kabuls, Afghanistan, berichtet, das sie zusammen mit ihrem Mann und mit Hilfe des Vereins „Gemeinnützige Hilfe Afghanistan“ seit 2002 unterstützt und begleitet hat.

Und es ist wie ein wahr gewordenes Märchen: Da war einmal ein Dorf, das nach 20 Jahren Krieg keine Geschäfte, kein Handwerk und keine Schule mehr besaß. Die Menschen hatten die Hoffnung verloren und sahen keine Perspektive vor Ort. Viele wanderten ab, obwohl 2002 die politische Lage etwas besser wurde.

Hier fing die Arbeit von Sabine und Mahmoud an. Mahmoud Khorosh, Deutscher und Afghane, gründeten den Verein, nutzten ihre Kontakte vor Ort und ihre Sprachkenntnisse, um Hilfe zum Wiederaufbau zu leisten.

30 Brunnen gebohrt

„Wir waren uns einig, nur ehrenamtlich aktiv zu sein, und nur private Spenden anzunehmen, um damit gezielt nachhaltige Wiederaufbauhilfe zu leisten, die alle Dorfbewohner miteinbezieht.“ Priorität für die Dorfbewohner hatte der Bau einer Moschee mit Gemeinschaftsraum als Treffpunkt. Hier wurden die Wünsche der Bewohner zur Grundversorgung und die Projekte zur weiteren Entwicklung besprochen. So wurden in 13 Jahren 30 Brunnen gebaut, welche die Trinkwasserversorgung gewährleisteten und die Gesundheit der Bewohner verbesserten.

Undichte Dämme, durch die das Wasserreservoir seinen Vorrat verlor und so die Felder vertrocknen ließen, wurden repariert, sodass die Landwirtschaft, von der Shina zum größten Teil lebt, heute wieder ertragreich erntet. Die Schule für Mädchen, die jahrelang als militärischer Stützpunkt gedient hatte, wurde 2003 wieder aufgebaut, 400 Mädchen konnten zur Schule gehen. Heute sind es 1600 Schülerinnen! Durch Spenden von Schülern in Deutschland wurde ein Mädchen- und Frauengarten und Spielplatz als geschützter Treffpunkt geschaffen. Auch die staatliche Jungenschule bedurfte der Hilfe: ein Schulbrunnen wurde errichtet und die Bibliothek ergänzt.

Medizinische Versorgung

Damit Menschen nicht ihr Haus verkaufen oder eine Tochter verheiraten müssen, um sich ein lebenswichtiges Medikament zu kaufen, führte der Verein (heute: Initiativgruppe „Private Hilfe Afghanistan“) eine kostenlose medizinische Versorgung im Dorf ein. Ein vertrauenswürdiger Arzt kommt regelmäßig zur Sprechstunde in die neue Ambulanz. Die „Initiativgruppe Ambulanz“, eine Gruppe von Dorffrauen, die eine Medizinstudentin anleitet, verwaltet die Medikamentenausgabe.

Viele weitere Projekte, wie der Bau von Toilettenhäuschen im Töpferviertel, der mit der Hygiene auch das soziale Ansehen dieser Bewohner aufwertete, die Verbesserung einer sicheren Verbindungsstraße nach Kabul, Sportvereine für Jugendliche, Arbeitsplätze mit Verpflichtung zur Ausbildung sind durch das Engagement von Sabine Tecklenburg-Khorosh und Mahmoud Khorosh und ihrem Verein vorangetrieben worden.

„Nur weil wir zu 100 Prozent ehrenamtlich arbeiten und die Spenden zu 100 Prozent weitergeben, konnte Korruption verhindert werden. Aber letztlich ist es die andauernde Partnerschaft und nicht die Spendenhöhe, die entscheidend war.“

Heute verwaltet sich die Kommune Shina selbst. Die engagierten Bürger gründeten 2013 einen eingetragenen Verein: „Mostameh Refahe Mardome Shina“ – übersetzt „Wohlergehen der Bewohner Shinas.“

Das informative Buch mit wunderschönen Fotos, das auch ein Dank an alle Nottulner Spender ist (Weihnachtsaktionen der FI Nottuln), kann über die FI Nottuln bezogen werden. Es kostet 15 Euro. 11 Euro gehen davon nach Afghanistan.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5456239?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Tödlicher Pedelec-Unfall lässt Fragen offen
Die Baustelle wurde nach dem Unfall (r.) anders abgesichert, als sie es vor dem Unfall war. Das linke Foto zeigt die Baugrube kurz nach der Bergung der schwer verletzten Frau.
Nachrichten-Ticker