Ein echter Meisterchor
Durch Raum und Zeit schwebend

Nottuln -

Mit dem jüngsten Konzert in der St.-Martinus-Kirche ist der Chorus Cantemus seinem hohen Renommee einmal mehr gerecht geworden.

Montag, 29.01.2018, 21:01 Uhr

Unter der Leitung von Kantor Thomas Drees und begleitet von Hildegard Hagemann am Klavier und der Harfenistin Brigitte Langnickel-Köhler (kleines Bild), sang der Chorus Cantemus ein herausragendes Konzert.
Unter der Leitung von Kantor Thomas Drees und begleitet von Hildegard Hagemann am Klavier und der Harfenistin Brigitte Langnickel-Köhler (kleines Bild), sang der Chorus Cantemus ein herausragendes Konzert. Foto: Dieter Klein

Es hat bereits Tradition, dass der Chorus Cantemus am letzten Sonntag des Januar zum Konzert in die St.-Martinus-Kirche einlädt. Unter dem Motto „Verleih uns Frieden“ präsentierte das Ensemble am Sonntag ein musikalisch außerordentlich anspruchsvolles Programm, innerhalb dessen, von einigen Ausnahmen abgesehen, vor allem Werke romantischer und zeitgenössischer Meister zur Aufführung gelangten.

Passend zum Motto eröffnete der Chor sein Konzert mit der Motette „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, die in einer Bearbeitung für vierstimmigen Chor, Harfe und Klavier erklang. Unter der versierten Leitung von Kantor Thomas Drees gelang es dem Chor, die in dem Werk zum Ausdruck kommende Botschaft des gerade auch in seiner Fragilität stabilen Gottvertrauens in bestechender Klarheit herauszuarbeiten. Dabei ließen die Präzision und Reinheit in der Intonation das hohe musikalische Potenzial von Chor und Chorleiter, die feinnervige Differenzierung in der Dynamik deren künstlerische Präsenz und die überzeugende Wahl der unterschiedlichen Tempi deren immense interpretatorische Fähigkeiten deutlich zutage treten.

Konzert des Chorus Cantemus

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Unterstützt wurde der Chorus Cantemus nicht nur bei diesem Werk von der Harfenistin Brigitte Langnickel-Köhler und der Pianistin Hildegard Hagemann , die bei dieser Motette die Orgel bediente. Die bei manchem Zuhörer zuvor womöglich vorhandene Skepsis angesichts dieser keinesfalls gewöhnlichen Instrumentierung wich in kürzester Zeit dem Bewusstsein, dass hier zusammen musiziert, was zusammengehört.

Die glänzend disponierte Brigitte Langnickel-Köhler unterstrich mit ihrem sensiblen Spiel, dass Harfe und Kammerchor gerade in der romantischen Literatur eine glückliche klangliche Symbiose eingehen. Die souverän agierende Hildegard Hagemann erdete dieses in höhere Sphären zu entweichen drohende Klangerlebnis, indem sie mit ihrem Orgelspiel immer wieder den Kontrapunkt der den Chorsatz prägenden ruhigen und vertrauenden Gelassenheit ins Bewusstsein brachte.

Dieses gleich zu Beginn erreichte hohe musikalische Niveau wurde im weiteren Verlauf des Konzerts nicht nur durchgehalten, sondern sogar noch gesteigert. Sei es nun das für sechsstimmigen Chor verfasste Werk „Unser lieben Frauen Traum“ des spätromantischen Komponisten Max Reger, sei es der Hymnus „Ave Maria“ von Anton Bruckner, sei es die „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré, sei es das vertonte „Vater Unser“ des Dresdner Komponisten Rudolf Mauersberger – das ganze Konzert hindurch erbrachte der Chorus Cantemus den Beweis, dass das Ensemble mit vollem Recht den Titel „Meisterchor im Chorverband NRW“ trägt.

Für den, der Ohren hat zu hören, und bereit ist, sich von der das Gefühl betonenden Welt der Romantik berühren zu lassen, buchstabierte der Chor mit jedem Ton neu das Wesen des Emotionalen in seinen unterschiedlichen Dimensionen durch, ohne dabei in platte Gefühlsduselei abzugleiten.

Einen besonderen Leckerbissen für Liebhaber zeitgenössischer Chormusik bot der Chorus Cantemus mit der Aufführung des vierzehnstimmigen Chorwerkes „Water Night“ von Eric Whitacre. Hier wird die gewohnte differenzierte Melodik eines Chorwerkes durch eine clusterähnliche Klanglichkeit ersetzt, die gerade in der Intonation höchste Präzision und Reinheit erfordert. Der Chorus Cantemus zeigte sich auch dieser Herausforderung mehr als gewachsen und produzierte – nicht nur bei diesem Werk – einen durch Raum und Zeit schwebenden Chorklang.

Dass dieses hohe Niveau in jeder Stimme des Chorus Cantemus verwirklicht wird, bewiesen die Männer mit dem Madrigal „Benedicam Dominum“ von Giovanni Croce und der Motette „Jubilate Deo“ des zeitgenössischen Komponisten Colin Mawby, die Frauen mit ihrer Darbietung des „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ von Josef Gabriel Rheinberger.

Brigitte Langnickel-Köhler bewies mit ihrem Solostück „Vers la Source dans le Bois“ ihre Virtuosität und ihre interpretatorische Meisterschaft gerade auch im Bereich der romantischen Literatur, die Sopranistin Carolin Olbrich überzeugte mit einer ausgewogenen Interpretation des Werkes „Claire de Lune“ von Fauré, der Tenor Kai Schuldt schließlich zeigte mit seiner Darbietung des Hymnus „Panis angelicus“ von César Franck und der Arie „Selig sind, die Verfolgung leiden“ aus dem „Evangelimann“ von Wilhelm Kienzl sein großes stimmliches Vermögen.

Nicht verwunderlich ist, dass das hellauf begeisterte und zugleich emotional ergriffene Publikum zwei Zugaben forderte, die der Chorus Cantemus auch gern zu geben bereit war.

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