Themenabend Windenergie
„Es passiert zu wenig“

Nottuln -

Die Windenergie wird in NRW stiefmütterlich behandelt. Das findet nicht nur die Grünen-Abgeordnete Wibke Brems.

Dienstag, 20.02.2018, 20:02 Uhr

Für einen Ausbau der Windenergie (v.l.): Klaus Scheiler (FI), Referentin Wibke Brems (Grünen-Landtagsabgeordnete), Rainer Möllenkamp (FI) und Klaus Kienle (Grüne).
Für einen Ausbau der Windenergie (v.l.): Klaus Scheiler (FI), Referentin Wibke Brems (Grünen-Landtagsabgeordnete), Rainer Möllenkamp (FI) und Klaus Kienle (Grüne). Foto: Ulla Wolanewitz

In Nordrhein-Westfalen beträgt der Anteil an Windenergie in der Stromversorgung drei Prozent. Bundesweit sind es sechs Prozent. Auf der anderen Seite erzeuge NRW rund 40 Prozent der Emissionen in Deutschland, rechnete Wibke Brems bei ihrem Vortrag „Windkraftanlagen in NRW“ am Montag den interessierten Gästen in der Alten Amtmannei vor. „Auch der Strom für die zunehmende E-Mobilität muss erzeugt werden. Am besten umweltfreundlich. Deshalb muss die Windenergie weiterentwickelt werden“, betonte die Sprecherin für Klimaschutz und Energiepolitik der Grünen im NRW-Landtag.

Zusammen mit Bündnis90/ Die Grünen hatte die Friedensinitiative (FI) Nottuln zu dem Diskussionsabend mit Wibke Brems eingeladen.

Liegt der CO-Ausstoß in Qatar bei 44 Tonnen pro Jahr pro Kopf, sind es in Australien und in den USA 18 Tonnen. Deutschland liegt bei neun Tonnen und NRW bei 14,8 Tonnen pro Kopf. Beläuft sich der Anteil von Kohlestrom in Deutschland auf 40 Prozent, sind es in NRW sogar 70 Prozent. Das sollte sich nach Ansicht von Wibke Brems ändern. „Wir können nicht die Welt retten. Aber, wenn wir nicht anfangen, klappt‘s auch nicht.“

In NRW passiere bezüglich der Förderung von Windenergie ganz klar zu wenig. Anlagen bis zu einer Gesamtleistung von 97 Megawatt dürften gebaut werden (ungefähr 27 Anlagen). Bisher sind gerade mal sieben Megawatt – etwa drei Anlagen – genehmigt worden, mehr nicht.

Große Unsicherheit herrsche auch bei der Planung. „Die Landesregierung schiebt eindeutig die Verantwortung auf die Kommunen ab – und das erzeugt Unmut“, machte Brems deutlich. Ferner betonte sie, dass der neue Windenergieerlass „bestehendes Recht interpretiert und nicht zwingend bindend ist“.

Aus der Gästerunde kamen die Bedenken, dass über die Erstellung eines Flächennutzungsplans oftmals Verhinderungsplanung betrieben werde. Was verboten sei, jedoch im Fall einer Klage einen gerichtlichen Beweis einfordere. Da der Weg dahin lang und kostenintensiv sei, werde er oft nicht beschritten.

Ein Gast machte noch mal transparent, dass es 2012 in Nottuln bereits Bestrebungen gegeben habe, die Windenergie hier voranzubringen: „Es gab einen Arbeitskreis, mehrere Treffen, auch mit dem Bürgermeister, der die Ausarbeitungen dann anscheinend in die Schublade gelegt hat.“ Im Fokus stand damals – wie heute – ein Areal am Modellflugplatz. Der Kreis hält diesen Bereich für ungeeignet, weil drum herum Landschaftsschutzgebiete liegen (wir berichteten).

Richard Dammann (Grüne) schlug eine Ortsbegehung vor, „gemeinsam mit den Zuständigen von der Kreisverwaltung und dem Naturschutzzentrum des Kreises Coesfeld. Denn dieser Bereich hat sich sehr positiv entwickelt – und da sollte man dann genauestens abwägen.“

Die Verspargelung der Landschaft empfand ein Havixbecker als Heimatverlust. Dem hielt Robert Hülsbusch (FI) entgegen: „Mir geht das Herz auf, wenn ich die Anlagen in unserer Region sehe. Dann denke ich, das ist unser Beitrag – regenerativ und umweltfreundlich.“

Für einen Gast aus Lüdinghausen war folgender Aspekt wichtig: „Bei regenerativer Energie sammeln wir kleine Einheiten und gehen damit dahin, wo sie gebraucht wird. Regenerative Energie verändert die Wirtschaftsstrukturen in diesem Land. Kapital- und Machtkonzentrationen sind damit nicht machbar.“

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