Dokumentarfilm
Flucht hat eine Relevanz

Nottuln -

Susanna Wüstneck hat es geschafft: 75 Minuten umfasst ihr Film über das Leben der Flüchtlinge in der damaligen Erstaufnahmeunterkunft in Nottuln.

Montag, 26.02.2018, 20:02 Uhr

Gemeinsam haben sie die Arbeit am Film abgeschlossen: die Dokumentarfilmerin Susanna Wüstneck (l.) und Editorin Stefanie Trambow.
Gemeinsam haben sie die Arbeit am Film abgeschlossen: die Dokumentarfilmerin Susanna Wüstneck (l.) und Editorin Stefanie Trambow. Foto: Ulla Wolanewitz

Knapp 9900 Euro fehlten Susanna Wüstneck zum Glück. Genauer gesagt: Für den letzten Schliff an ihrem „Keinheimatfilm“, der in wenigen Wochen seine Premiere feiern kann. Dieser Betrag fehlte für die so genannte Postproduktion, die den Feinschnitt, Ton- und Farbbearbeitung, Grafik, Übersetzung und die Vertitelung umfasst.

Mit der Friedensinitiative Nottuln, die gerne bereit war als Kooperationspartner aufzutreten, ist es ihr gelungen, in den letzten drei Monaten diese vierstellige Summe zusammenzubekommen. Möglich machte es die Spendenplattform „betterplace.org“, die die Sparkasse Westmünsterland für gemeinnützige Projekte anbietet. Der Clou: Es gibt dabei besondere Stichtage, an denen in einem kurzen Zeitfenster alle Spenden, die bis dahin eingegangen sind, von der Sparkasse verdoppelt werden. Neben vielen kleinen Spendern haben sich auch die Gemeinde Nottuln und die Stiftung Kunst und Kultur Westmünsterland mit einem größeren Betrag beteiligt.

Zwischen November 2015 und Juni 2016 sammelte die Dokumentarfilmerin aus Billerbeck 60 Stunden Filmmaterial in der früheren Geschwister-Scholl-Hauptschule, die damals als Erstaufnahmeunterkunft für Flüchtlinge eingerichtet worden war. Hier sollten die Bewohner nur wenige Wochen bis zur Erstregistrierung verbringen. Für einige von ihnen wurden daraus sechs Monate und mehr, bevor es weiterging.

„In dieser Zeit gab es viele Begegnungen. Zwischen den Flüchtlingen, zwischen ihnen und den DRK-Mitarbeitern und zwischen ihnen und dem Security-Personal“, so die Filmemacherin, der es gelungen ist, viele spannende Szenen mit ihrer Kamera rund um das Leben in diesem Haus mit all seinen Bewohnern, Helfern und Mitarbeitern festzuhalten.

„Flucht ist in der deutschen Geschichte gar nicht so weit weg, wie man denken mag. Sie hat immer noch eine Relevanz“, sagt Stefanie Trambow und nimmt Bezug auf eine Schlüsselszene, in der ein Ehrenamtlicher von seiner Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg erzählte. Die Editorin widmete sich in den letzten Wochen zusammen mit Susanna Wüstneck der Postproduktion. Dabei herausgekommen sind 75 Minuten zu sieben Monaten mit intensiven, außergewöhnlichen Begegnungen, in denen „das menschliche und nicht das Politische im Vordergrund steht“, so Trambow. Die beiden Frauen werden sich mit ihrem Streifen bei verschiedenen Filmfestivals bewerben und hoffen darauf, die Möglichkeit zu bekommen, ihn dort zu zeigen. „Schön wäre natürlich auch ein TV-Sendeplatz“, so Stefanie Trambow. Wann und wo der Film hier in der Region zu sehen ist, wird nach endgültiger Fertigstellung noch bekannt gegeben.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5554185?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Nachrichten-Ticker