FI Nottuln: Vortrag zum Dreißigjährigen Krieg
Relevant für die Gegenwart

Nottuln -

Der Dreißigjährige Krieg endete mit dem Westfälischen Frieden. Ist Ähnliches auch für den Krieg im Nahen Osten denkbar?

Mittwoch, 16.05.2018, 16:05 Uhr

Wissenschaftlich fundiert und engagiert politisch referierte Prof. Dr. Rohrschneider über den Dreißigjährigen Krieg und den Westfälischen Frieden und zog Parallelen zu aktuellen Kriegen.
Wissenschaftlich fundiert und engagiert politisch referierte Prof. Dr. Rohrschneider über den Dreißigjährigen Krieg und den Westfälischen Frieden und zog Parallelen zu aktuellen Kriegen. Foto: FI Nottuln

Die historische Friedensforschung zum Dreißigjährigen Krieg und zum Westfälischen Frieden hat unmittelbare Gegenwartsrelevanz. Daran ließ Prof. Dr. Michael Rohrschneider, Dozent für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Bonn, keinen Zweifel. Die Friedensinitiative Nottuln hatte den Historiker in die Alte Amtmannei eingeladen. Die Frage des Abends lautete: Lässt sich aus der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens etwas für die Gegenwart lernen?

Rund 40 Gäste folgten gebannt dem einstündigen wissenschaftlichen Vortrag, in dessen Verlauf Prof. Rohrschneider die Genese, die Ursachen, den Verlauf des Dreißigjährigen Krieges und die Bedingungen für das Gelingen des Westfälischen Friedens referierte.

Augenfällige Parallelen zwischen dem Krieg im 17. Jahrhundert und den heutigen Kriegen im Nahen Osten wurden schnell deutlich, heißt es in einer Pressemitteilung der FI: Beide Kriege wurden und werden durch asymmetrische Strukturen geprägt. Wie in Syrien überlagerten sich auch im Dreißigjährigen Krieg mehrere Konfliktlinien. Und dabei sind es nicht in erster Linie Kriege zwischen Staaten. Vielmehr bekämpft sich einander eine Vielzahl von Kriegsgruppierungen.

In beiden Kriegen hat der Faktor Religion eine große Bedeutung. War es im Dreißigjährigen Krieg in erster Linie der Konflikt zwischen katholischen und evangelischen Konfessionen, so stehen sich im Nahen und Mittleren Osten Sunniten und Schiiten unversöhnlich gegenüber. Und in beiden Kriegen waren und sind ausländische Mächte involviert.

Verständlich wird bei diesen Parallelen der Ruf nach einem „Westfälischen Frieden für den Nahen Osten“. Rohrschneider mahnte jedoch: „Die aufgezeigten Parallelen bedeuten nicht, dass der Friedensschluss zu Münster und zu Osnabrück eins zu eins übertragbar ist auf die heutige Zeit.“ Aber er könne Orientierung bieten: Wie lassen sich komplexe Konflikte heute lösen?

Fünf Punkte nannte der Historiker, die den Westfälischen Frieden möglich gemacht haben: Die theologische Wahrheitsfrage wurde ausgeklammert. Mediation ermöglichte eine Vermittlung zwischen Parteien, die nicht miteinander reden konnten. Unterschiedliche Verhandlungsorte wurden akzeptiert. Eine Amnestievereinbarung und Garantieleistungen aller unterzeichnenden Staaten sicherten den Frieden. Und der Friedensvertrag wurde geschlossen, obwohl die Waffen noch nicht schwiegen.

Die anschließende Diskussion zeigte: Die Kriege der Gegenwart machen ratlos und sind zum Verzweifeln. Aber es hat immer wieder in der Geschichte diese scheinbar ausweglosen Situationen gegeben. Prof. Rohrschneider: „Der Westfälische Frieden darf uns – angesichts der Kriege der Gegenwart – vorsichtig optimistisch stimmen.“

 

 

 

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