Appelhülsenerin lebte ein Jahr in Brasilien
Leben in Sao Paulo: Armut nimmt die Freude nicht

Appelhülsen -

Mitte August 2017 begann für Sandra Riegelmeyer am Flughafen Düsseldorf ihre große Reise. 16 Stunden später kam sie in Sao Paulo an. Ein Jahr darauf berichtet die 19-Jährige von eindrucksvollen Erfahrungen.

Montag, 13.08.2018, 13:34 Uhr

Sandra Riegelmeyer mit Kindern des Schulprojektes bei einem Karnevalsumzug. Die Lebensfreude in Brasilien hat die Appelhülsenerin sehr beeindruckt.
Sandra Riegelmeyer mit Kindern des Schulprojektes bei einem Karnevalsumzug. Die Lebensfreude in Brasilien hat die Appelhülsenerin sehr beeindruckt. Foto: Sandra Riegelmeyer

Mitte August vergangenen Jahres begann für Sandra Riegelmeyer am Flughafen Düsseldorf ihre große Reise. 16 Stunden später kam sie in Sao Paulo an. Die gigantische brasilianische Stadt mit ihren zwölf Millionen Einwohnern und einer Bevölkerungsdichte von knapp 7400 Einwohner pro Quadratkilometer war für die anschließenden zwölf Monate das Zuhause der Appelhülsenerin.

Mit vier Mitbewohnern, ebenfalls aus Deutschland, hat sie dort in einem kleinen Haus auf dem Gelände der Liga Solidaria gewohnt. Außer den jungen deutschen Freiwilligen arbeiteten zu dieser Zeit auch einige Brasilianer ehrenamtlich in den dortigen Projekten. Am morgigen Sonntag wird die Appelhülsenerin nun mit vielen Erfahrungen und um eine Fremdsprache reicher nach ihrem Freiwilligen Soziales Jahr, das sie an ihr Abitur an der Friedensschule in Münster angeschlossen hat, wieder im Münsterland eintreffen.

Freiwilliges Soziales Jahr: Sandra Riegelmeyer in Brasilien

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Die 19-Jährige hat sich gezielt diese Einrichtung, die viele verschiedene Projekte für jegliche Altersgruppen, durch die sie Menschen aus den Favelas unterstützt durch, ausgesucht. Sandra Riegelmeyer berichtet, dass dazu unter anderem auf dem rund 500 000 Quadratmeter großen Gelände sechs Kindergärten, in denen Kinder von unter ein bis zu fünf Jahren betreut werden, gehören. Die Jungen und Mädchen kommen morgens früh um 7 Uhr dort an und bleiben bis 17 Uhr.

„Für die älteren Kinder gibt es einen Kinderhort. Da unsere Kinder und Jugendlichen nur entweder morgens oder nachmittags zur Schule gehen, verbringen sie gewöhnlich den halben Tag zu Hause. Um das zu vermeiden, sind viele Kinder außerhalb der Schulzeiten im Kinderhort untergebracht.

Im Kinderhort werden den Kindern viele verschiedene Aktivitäten angeboten, wie zum Beispiel Sport, Kunst, Kochen, Theater, Musik oder Tanzen. Dadurch sind sie mit sinnvollen Dingen beschäftigt und verbringen wenig Zeit zu Hause oder auf der Straße“, schreibt die Freiwillige aus Brasilien.

Die größte Hilfe beim Lernen der Sprache waren die Kinder.

Sandra Riegelmeyer

Den älteren Jugendlichen biete die Liga Solidaria ein Ausbildungszentrum. Dort können sie regelmäßig Kurse besuchen und dadurch eine administrative Ausbildung, eine Friseur-, IT- oder Gastronomieausbildung erlangen. Dieses Angebot kann jeder, der eine Schule besucht, kostenlos nutzen. „Dieses Programm ist enorm wichtig, um den jungen Erwachsenen eine Möglichkeit zu bieten, aus dem Armutskreislauf zu entkommen“, unterstreicht die junge Appelhülsenerin.

Für Senioren gibt es das sogenannte „Idosos“-Programm und zu guter Letzt das Programm „Familias“, das sich auf die Familien in den umliegenden Favelas und deren Probleme spezialisiert hat. Üblicherweise machen die Mitarbeiter morgens Familienbesuche und am Nachmittag leiten sie verschiedene Kurse und Therapien. Monatlich besuchen die Mitarbeiter des Programms über 1000 Familien, sind für sie Gesprächspartner und unterstützen die Menschen bei vielen Schwierigkeiten.

Die Appelhülsenerin hat im Kinderhort sowie im Sport- und beim Familienprogramm mitgearbeitet – und das am Anfang ohne Kenntnisse der Landessprache. „Nao entende nada“ („Ich habe nichts verstanden“) und „Eu nao falo portugues“ („Ich spreche kein Portugiesisch“) seien anfangs oft ihre Antworten gewesen. Da habe der Alltag zuerst zu vielen Missverständnissen geführt, erinnert sie sich. „Doch Dank der Geduld und Hilfsbereitschaft der Brasilianer hat sich mein Portugiesisch dann schnell verbessert“, freut sie sich. „Die größte Hilfe beim Lernen der Sprache waren die Kinder. Sie haben es geliebt, mir neue Wörter beizubringen, mit mir Bücher zu lesen oder auch über meine Sprachpatzer zu lachen.“

Das Interessante bei der Arbeit im Familienprogramm sei es, dass man dort die Chance habe, das Leben in den Favelas und die traurige Wirklichkeit dort mitzuerleben, findet Sandra Riegelmeyer. „Wenn ich mit den Kindern und Jugendlichen im Kinderhort und beim Sportprogramm zusammen bin, merke ich ihnen kaum an, unter welchen Bedingungen sie leben und welche Probleme sie täglich belasten. Bei den Familienbesuchen sieht man, dass sie in einer kleinen, selbst gebauten Baracke mit der ganzen Familie leben und nur wenig Geld und Möglichkeiten haben.

Wenn man die vielen Probleme sieht, die die Menschen hier belasten, meint man, die Brasilianer müssten jegliche Lebensenergie verloren haben und haben allen Grund, sich zu beklagen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. „Wenn man durch eine Favela läuft, sieht man die Menschen nicht antriebslos und gleichgültig in ihren Häusern sitzen. Man hört durchgehend laute brasilianische Musik auf der Straße, denn Brasilianer lieben Partys, Musik und Tanz.“

Die Warmherzigkeit der Menschen beim Umgang miteinander hat Sandra Riegelmeyer sehr beeindruckt. „Brasilianer mögen es, ihren Mitmenschen auch mit schönen Worten eine Freude zu machen“, hat sie erfahren, „zum Beispiel einfach mal zu sagen, dass man sie gern hat.“ Dieses liebevolle Miteinander sei die schönste Erfahrung ihres Freiwilligenjahres, ist sich die Appelhülsenerin am Ende ihrer zwölf Monate im brasilianischen Sao Paulo sicher.

Ein ganz großes Dankeschön möchte die Appelhülsenerin auch dafür noch einmal all denjenigen aussprechen, die sie durch Spenden unterstützt haben.

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