Landesjugendorchester: Don Carlos
Mit Leidenschaft und Qualität

Nottuln -

Eine großartige Operninszenierung erlebte das Publikum in der Mehrzweckhalle des Gymnasiums. Die Generalprobe des „Don Carlos“.

Sonntag, 19.08.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 19.08.2018, 19:00 Uhr
Teil des fantastischen Bühnenbildes war das kuschelige Rehkitz als Gegenstück zu einem Panzer. Doch auch hier ist Big Brother immer zugegen und beobachtet die Szene, die sich vor seinen Augen abspielt.
Teil des fantastischen Bühnenbildes war das kuschelige Rehkitz als Gegenstück zu einem Panzer. Doch auch hier ist Big Brother immer zugegen und beobachtet die Szene, die sich vor seinen Augen abspielt. Foto: Dieter Klein

Das muss pure Leidenschaft sein: Während die Klassenkameraden die sonnigste Zeit des Jahres gemütlich am Strand, in den Bergen oder irgendwo sonst verleben, pendeln gut 60 junge Menschen über vier Wochen lang in Nottuln zwischen Jugendherberge und Rupert-Neudeck-Gymnasium hin und her. Um nichts weniger zu tun, als sich um einen der Meilensteine der europäischen Operngeschichte zu kümmern: Giuseppe Verdis Don Carlos “, die dramatische Geschichte rund um den spanischen Thronfolger, seinen Vater Philipp II. und seine Verlobte Elisabeth von Vallois. Friedrich Schillers Drama lieferte die Opernvorlage, Verdi schrieb dazu seine großartige und packende Musik.

Die gut 60 Jugendlichen bilden ein aufeinander eingeschworenes tolles Ensemble, das als Landesjugendorchester NRW schon seit vielen Jahren seine sommerliche Arbeitsphase in Nottuln verbringt und deren Ergebnis hier auch immer der interessierten Öffentlichkeit präsentiert. So auch jetzt wieder.

Landesjugendorchester: Don Carlos

1/25
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein
  • Foto: Dieter Klein

Am Samstag mutierte die Mehrzweckhalle des Gymnasiums zur Bühne für die Generalprobe des Orchesters samt Sängerensemble. Ohne Vorhang, ohne Bühnenmaschinerie, aber halt mit ganz viel Leidenschaft. Drei Stunden lang ging es um Macht und Machenschaften, Liebe und Hass, Freiheit und Unterdrückung. Die „echte“ Premiere ist dann Ende August im Kulturhaus in Lüdenscheid.

Hoffentlich sind die räumlichen Verhältnisse dort besser als in der hiesigen Mehrzweckhalle. Denn daran krankte die Generalprobe: Wer nicht gerade in der ersten oder zweiten Reihe saß, bekam vom Bühnengeschehen nicht sonderlich viel mit, weil sich alles auf Fußboden-Niveau abspielte. Für die Akteure gab es – natürlich – keine erhobene Bühne. Auch die Alternative, ansteigende Sitzreihen mit Sichtfreiheit zu installieren, war völlig unrealistisch. Also begnügte sich der Großteil des Publikums damit, schemenhaft die Handlung zu verfolgen, umso intensiver aber die Musik.

Und da wurden sämtliche Ohren voll belohnt, denn Dirigent Sebastian Tewinkel stand vor einem Orchester, das sich unglaublich motiviert und mit einer ausnehmend schönen und differenzierten Klangkultur den Emotionen all der Protagonisten dieser Oper hingab.

Regisseur Bernd Schmitt verlegt die Opernhandlung sehr schlüssig ins Hier und Jetzt, zeigt zusammen mit Ausstatterin Birgit Angele zwei antagonistische Welten: die vom plüschigen Rehkitz hier, vom martialischen Panzer dort. Und der uns alle ständig beobachtende „Big Brother“ (aktueller geht es ja gar nicht!) ist als irgendwie anonymes, aber alles wissende Wesen zugegen. Genau so sieht gesellschaftlich relevantes Regietheater aus, zu dem es in politisch unruhigen Zeiten wohl kaum eine Alternative gibt.

Oper steht und fällt neben dem Orchester selbstverständlich auch mit dem Solistenensemble. Auch hier (fast) ausnahmslos viel Licht, ganz wenig Schatten. Raymond Sepe in der Titelrolle, Simon Stricker als Vater Philipp, Vladislav Pavliuk als Marquis de Posa – das sind nur drei der fabelhaft singenden Darsteller, für die es am Ende des langen Abends Riesenapplaus gab.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5986319?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Nachrichten-Ticker