Menschen in Appelhülsen
Das Smartphone ist immer dabei

Appelhülsen -

Als „Fräulein Ordnung“ ist sie vielen bekannt: Denise Colquhoun (sprich: Köhöön) aus Appelhülsen ist Buchautorin, Bloggerin und erfolgreich bei Instagram.

Donnerstag, 06.09.2018, 12:06 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 05.09.2018, 21:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 06.09.2018, 12:06 Uhr
Für hübsche Dinge hat die Appelhülsenerin Denise Colquhoun ein Auge. Das Smartphone ist schnell gezückt, die Fotos landen dann bei Instagram.
Für hübsche Dinge hat die Appelhülsenerin Denise Colquhoun ein Auge. Das Smartphone ist schnell gezückt, die Fotos landen dann bei Instagram. Foto: Iris Bergmann

„Home is, where my Smartphone is“, lacht Denise Colquhoun (sprich: Köhöön) und hält das Gerät, das an einer Kordel um ihren Hals hängt, in die Höhe. Für die sympathische dunkelhaarige Frau mit dem schier unaussprechlichen Nachnamen ist es das wichtigste Arbeitsutensil, denn sie ist erfolgreiche Bloggerin , Autorin und ein Social-Media-Star bei Instagram . Indes: Ihren Nachnamen kennen allenfalls ihre Nachbarn und die Postzustellerin in Appelhülsen. Viel bekannter ist sie unter dem Namen „Fräulein Ordnung“.

Der Spruch „Ordnung ist das halbe Leben“ müsste für die 40-jährige gebürtige Münsteranerin eigentlich umgewandelt werden in „Ordnung ist das ganze Berufsleben“. Die Mutter dreier Kinder war schon immer gut organisiert, und als das jüngste schließlich im Kindergarten war, suchte sie neue Aufgaben. „Durch einen Artikel über einen ‚Professional Organizer‘ in den USA kam ich auf die Idee, dass das in Deutschland doch auch funktionieren könnte“, erinnert sie sich. Das war 2011. Als Frau der Tat und vor allem als Organisationsgenie erstellte sie ein eigenes Konzept, dachte sich einen Namen aus, ging zum Amt, erhielt eine Steuernummer und war innerhalb kürzester Zeit somit selbstständig.

Viel Geld konnte sie zunächst nicht in den Aufbau ihrer kleinen Firma investieren. So erstellte sie einfach einen Flyer und brachte den unter die Leute. „Und ich hatte ein Interview in den Westfälischen Nachrichten zum Thema Ordnung“, fügt sie hinzu. Daraufhin bekam sie ihre ersten drei Kunden. „Es waren ausschließlich Privatleute, die mich um Hilfe baten.“ Also ging sie zu ihnen ins Haus und half ihnen dabei, aufzuräumen, auszumisten und Struktur in den Haushalt zu bringen. Schneller als gedacht, hatte sie bald einen Kundenstamm von Sylt bis Basel. Ihre Ordnungsliebe war gefragt.

Irgendwann kam sie darauf, einen Blog anzulegen, quasi als Werbung für ihr kleines Unternehmen, und darauf kleine Tipps zu geben. Schnell fand sie große Freude daran. Ihre Ratschläge verpackte sie gekonnt in kleine Geschichten. „Ich hab schon immer gern geschrieben“, gibt sie lächelnd zu. Aber nicht nur sie selbst hatte Freude am Blog, auch ihre Kunden. Folglich stieg die Zahl der Abonnenten und Seitenaufrufe

Und wie es oft so ist, zieht ein Erfolg den nächsten nach sich: 2014 wurde sie über den Blog von einem Verlag angeschrieben, ob sie nicht ein Buch kreieren wolle. „Da habe ich dann ein kleines Buch geschrieben“, lächelt sie schüchtern. Und dann noch eins und noch eins. Inzwischen ist das fünfte unter dem Titel „Besser aufräumen – Freier Leben“ bei Amazon ganz oben gelistet.

Der Blog führte übrigens nicht nur zum Bücherschreiben, sondern auch zu einem Profil bei Instagram, einem Online-Dienst für das Teilen von Fotos und Videos. „Wer einen Blog hat, sollte auch bei Instagram sein“, sagt Denise Colquhoun. Unnötig zu sagen, dass auch dort das Profil einschlug. Unter ‚frlordnung‘ hat sie dort inzwischen fast 22 000 Follower. Diese lässt sie an ihrem Alltag teilhaben. Deshalb hat sie ihr Smartphone immer griffbereit, um Fotos zu machen. „Wenn ich mit Freunden essen gehe, dann kommt schon mal der Satz ‚Können wir schon essen oder muss du erst noch ein Foto machen‘“, lacht sie. Es finden sich viele Fotos von Leckereien, aber auch aus ihrem Haus und Garten, über Mode und Lifestyle und von schönen Orten auf ihrem Account.

Inzwischen wird sie als sogenannte „Influencerin“ (Meinungsmacherin/Meinungsmultiplikatorin) von Firmen eingeladen, ihre Produkte zu testen und darüber auf ihrem Blog zu schreiben. Aber egal, was es ist, verbiegen lässt sie sich nicht. „Ich will und habe keinen Hochglanzblog“, betont sie. „Ich bin die ganz normale Nachbarin von nebenan, bei der man gern mal in der Küche sitzen möchte.“

Jedoch hat sie dazu nicht mehr ganz so viel Zeit. Den Lebensunterhalt für sich und die inzwischen großen Kinder verdient sie als erfolgreiche Autorin und Bloggerin. „Was ich mache, ist ein Fulltime-Job, braucht viel Zeit, Liebe und vor allem Fleiß“, erzählt sie. „Es bedeutet Stunden am Computer, Mails beantworten, Telefonate führen. Das ist keine Nebenbeschäftigung und nicht mal eben so zu erledigen.“ Zu Kunden ins Haus und mit ihnen aufräumen – das macht sie inzwischen nicht mehr. Dafür gibt sie ihre Tipps auf dem Blog. Die rund 300 000 Aufrufe pro Tag beweisen, wie gefragt sie auch ohne persönliches Erscheinen ist.

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