Deutsches Riga-Komitee
Erinnerung wachhalten

Nottuln -

Der Beschluss wurde einstimmig und ohne weitere Diskussion gefasst: Die Gemeinde Nottuln tritt dem Riga-Komitee bei und bekennt sich damit dazu, die Erinnerung an das Geschehen und an die Opfer von Bikernieki in Riga wachzuhalten.

Mittwoch, 12.09.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 12.09.2018, 06:00 Uhr
Die Gedenkstätte von Bikernieki. Rund 5000 Stelen aus Granit erinnern an das Geschehen. Dazwischen verteilt befinden sich die Namenstafeln der Städte und Gemeinden, die Mitglied im Riga-Komitee sind. Demnächst auch die Namenstafel der Gemeinde Nottuln.
Die Gedenkstätte von Bikernieki. Rund 5000 Stelen aus Granit erinnern an das Geschehen. Dazwischen verteilt befinden sich die Namenstafeln der Städte und Gemeinden, die Mitglied im Riga-Komitee sind. Demnächst auch die Namenstafel der Gemeinde Nottuln. Foto: Dierk Hartleb

Die Gemeinde Nottuln setzt ein Zeichen des Erinnerns: Ohne vorherige Diskussion hat sich der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend (11. September) einstimmig für den Beitritt der Gemeinde zum „Deutschen Riga-Komitee“ ausgesprochen. Dieses Komitee kümmert sich um die Gedenkstätte Biker­nieki im lettischen Riga. Mit der Gedenkstätte wird an die Deportation von weit über 20 000 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern in den Jahren 1941/42 nach Riga erinnert. Zum größten Teil wurden diese Menschen im Wald von Bikernieki ermordet. Unter den Deportierten befand sich damals auch Walter Heimbach, der seine Jugend in Nottuln verbracht hatte.

Auf die politische Tagesordnung kam das Thema „Riga-Komitee“, weil 26 Bürgerinnen und Bürger einen entsprechenden Antrag bei der Gemeinde stellten. Auslöser dafür war Anfang des Jahres ein bewegender Vortrag von Winni Nachtwei bei einer Veranstaltung der Friedensinitiative Nottuln. Er informierte über Bikernieki, das schreckliche Geschehen dort und die heutige Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit des Riga-Komitees. Dabei beschäftigt sich das Komitee nicht nur mit den deutschen Juden, sondern fühlt sich in seiner Arbeit auch den mehr als 26 000 lettischen jüdischen Opfern des Rigaer Ghettos verbunden, die im Wald von Rumbula in Riga ermordet wurden.

Mehr als 50 Städte und Gemeinden, darunter auch mehrere Kommunen aus dem Münsterland wie Billerbeck, Dülmen, Münster, Ahlen, Telgte, Warendorf und Steinfurt, gehören heute dem Riga-Komitee an. Und vorbehaltlich des formal noch ausstehenden Ratsbeschlusses wird nun auch Nottuln dem Riga-Komitee beitreten.

Finanziell verbunden ist mit dem Beitritt eine Einmalzahlung von 2000 Euro. Damit wird unter anderem die Aufstellung einer kleinen Granittafel mit dem Namen der Gemeinde Nottuln in der Gedenkstätte finanziert. In ideeller Hinsicht bedeutet die Mitgliedschaft, das Erinnern an die Opfer und an das Geschehen wachzuhalten.

Das einstige Judentum in Nottuln hat eine lange Geschichte. Seit etwa 1676 gab es jüdische Familien in Nottuln. Der Nottulner Heimatforscher und Buchautor Hans-Peter Boer hat anlässlich der 50. Wiederkehr der Reichspogromnacht von 1938 die Dokumentation „300 Jahre Juden in Nottuln“ erstellt (Herausgeber: Gemeinde Nottuln, 1988).

Der nach Riga verschleppte Walter Heimbach war der Sohn von Emma Heimbach, geborene Wolff. Die Familie Wolff lebte über mehrere Generationen von 1779 bis 1910 in Nottuln. Ihnen gehörte das Haus Stiftsstraße 8. „Ein hoch interessanter Standort“, wie Hans-Peter Boer im WN-Gespräch erläutert. Der hintere Teil des Gebäudes diente in den 1870er-Jahren als Synagoge für die jüdische Gemeinde in Nottuln, die zu diesem Zeitpunkt bis zu rund 60 Personen umfasste.

Dem allgemeinen Trend folgend, dass sich um die Jahrhundertwende viele Juden aus den ländlichen Gegenden zurückzogen und sich in den Städten neu ansiedelten, zog die Familie Heimann/Wolff von Nottuln nach Essen. Von dort erfolgte dann die Deportation von Walter Heimbach nach Riga.

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