Nottulner in aller Welt
„Es hätte sonst was passieren können“

Nottuln -

Es ist eine der am dichtesten besiedelten und lautesten Städte der Welt: Neu-Dehli in Indien. Ein Jahr lang hat der Nottulner Leon Knepper dort gelebt und gearbeitet. „Ein Sprung ins kalte Wasser mit unglaublich viel Glück.“

Dienstag, 18.09.2018, 17:30 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 14.09.2018, 20:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.09.2018, 17:30 Uhr
Zwei Wochen war die Gruppe der Freiwilligendienstler auf eigene Faust in Nepal und im Himalaya unterwegs. Hier wanderten sie auf 4200 Metern Höhe durch den zeitweise starken Nebel.
Zwei Wochen war die Gruppe der Freiwilligendienstler auf eigene Faust in Nepal und im Himalaya unterwegs. Hier wanderten sie auf 4200 Metern Höhe durch den zeitweise starken Nebel. Foto: Sammlung Leon Knepper

„Es ist so leise hier!“, bemerkt Leon Knepper beim Eintreten. Ungewohnt für den 20-Jährigen kurz nach seiner Rückkehr aus der indischen Hauptstadt Neu-Delhi, einer der am dichtesten besiedelten und lautesten Städte der Welt. Mittlerweile hat er sich zu Hause wieder eingelebt, denkt aber noch gerne an das Jahr zurück, das seit seinem Abitur am Rupert-Neudeck-Gymnasium vergangen ist. Das Jahr, in dem er nach Indien aufgebrochen war, um dort einen Freiwilligendienst in dem durch eine NGO geführten Hope Projekt zu absolvieren.

Vor Ort half der Nottulner nicht nur bei der Medikamentenausgabe im Gesundheitszentrum, das Behandlungen für nur 10 Rupien (umgerechnet 0,12 Euro) am Tag anbietet, sondern unterstützte auch den Englisch- und Mathematikunterricht im Schulzentrum (wir berichteten).

Nottulner beim Freiwilligendienst in Indien

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  • Foto: Sammlung Leon Knepper
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Neben der Arbeit im Projekt blieb Leon noch genügend Zeit, Land und Leute kennenzulernen. Besonders beeindruckt war der Nottulner von der Vielfalt an Religionen. „Da noch durchzublicken“, sei gar nicht so einfach, zumal je nach Glauben eine andere Begrüßung gewählt werden müsse. „Da habe ich dann meist lieber ‚Good morning‘ gesagt“, gibt der gebürtige Münsteraner zu, der die Landessprache Hindi nun dank Sprachschule und Zuhören soweit beherrscht, dass er einiges versteht und beispielsweise die exakte Einnahme eines Medikamentes erklären kann. Das sei auch notwendig gewesen, erinnert sich Leon an die Verhältnisse in den nahe gelegenen Slums, wo nur wenige Menschen Englisch sprechen.

Seine Freizeit verbrachte er häufig mit neu gefundenen indischen Freunden. Das gab ihm die Gelegenheit, das Leben auch außerhalb der Armutsviertel kennenzulernen und zu erfahren, wie breit die Spanne zwischen Arm und Reich sein kann. Des Weiteren besuchte der Nottulner Handballspieler ein Fitnessstudio, um dem Smog zu entkommen. Denn, schmunzelt er: „Es roch halt, und zwar nicht nur nach orientalischem Gewürzbasar!“ Deshalb habe er sich auch eine flachere Atmung angewöhnt.

Freie Tage wurden genutzt, um ganz Indien zu erkunden, das „genau die richtige Mischung“ an Landschaft biete. So verbrachten die Freiwilligen eine Woche in Kerala, der Teeregion im Süden, und genossen den Strand. Weitere zwei Wochen war die Gruppe auf eigene Faust in Nepal und im Himalaya unterwegs. Hier wanderten sie auf 4200 Metern Höhe durch den zeitweise starken Nebel.

Im Nachhinein würde es Leon genauso noch einmal machen. So hat er neben einer fremden Kultur und einer neuen Sprache auch für sich persönlich viel dazugelernt. „An erster Stelle bin ich eigenständiger geworden“, freut sich der 20-Jährige, der mit den drei weiblichen Mitfreiwilligen aus Deutschland in einer Mietwohnung in einem afghanischen Viertel wohnte.

Ein bisschen naiv sei die Länderwahl vielleicht gewesen, resümiert er. Trotz Recherche sei der Aufenthalt „ein Sprung ins kalte Wasser mit unglaublich viel Glück“ gewesen, gibt er zu. Wenn es dumm gelaufen wäre, „hätte sonst was passieren können“, erkennt Leon, der nicht nur einmal einen überhöhten Preis für die Fahrt in der Rikscha bezahlen musste und sich mehrere Lebensmittelvergiftungen zuzog. Aber „Indien geht nicht ohne Magenprobleme“, damit müsse man rechnen.

Zufrieden zeigt er sich hingegen mit der Entscheidung, ein ganzes Jahr lang zu bleiben, denn so habe er die Möglichkeit bekommen, mit der Zeit auch anspruchsvollere Aufgaben erledigen zu dürfen. „Daran konnte ich erkennen, dass meine Kollegen zufrieden mit meiner Leistung waren, auch, wenn ich ansonsten nicht viel Feedback erhalten habe“, freut sich Leon, der zuletzt sogar Inder einarbeitete, jedoch bei Fragen immer auf die Hilfe seiner Kollegen zählen konnte. Letztere melden sich nun regelmäßig bei ihm, um mitzuteilen, dass sie die deutschen Helfer bereits vermissen. Alles in allem betrachtet der G8-Abiturient das Jahr als lehrreich, denn es half ihm auch, sein Leben in Europa mehr zu schätzen. „Dass man hier das Wasser aus der Leitung bedenkenlos trinken kann“, das habe er ebenso vermisst wie Brot und Käse.

Um diese einmalige Erfahrung auch Jüngeren ermöglichen zu können, möchte Leon sich in Zukunft bei Vorbereitungsseminaren engagieren. Aber das hat noch Zeit: Erstmal muss er sich wieder an Deutschland gewöhnen. „Morgens war ich noch in Delhi und habe meine Sachen gepackt, abends dann schon wieder hier. Am komischsten war es, die Sprache um mich herum wieder zu verstehen.“ Kulturschock Nummer 2? „Nein, die Erinnerungen weichen schnell dem Hier und Jetzt, gerade kommen sie mir wie ein Traum vor.“

Und es geht direkt weiter: Zum Jurastudium in Göttingen ist Leon bereits eingeschrieben und freut sich auf das, was da kommt. Die Planung eines Auslandssemesters hingegen kann noch warten – ein wenig: „Mein Bedarf an Ausland ist erstmal gedeckt!“

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