Stationäre Pflege in Nottuln
Wartelisten sind die Regel

Nottuln -

Nach der Bedarfsplanung gibt es in Nottuln mehr als ausreichend Plätze in der vollstationären Pflege. Doch der kurzfristig verfügbare Pflegeplatz ist die Ausnahme.

Samstag, 15.09.2018, 14:56 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 15.09.2018, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 15.09.2018, 14:56 Uhr
Mit zunehmenden Alter steigt die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit. Nottuln weist zwar überdurchschnittlich viele vollstationäre Pflegeplätze auf, dennoch ist der Bedarf nicht gedeckt. Wartelisten sind die Regel.
Mit zunehmenden Alter steigt die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit. Nottuln weist zwar überdurchschnittlich viele vollstationäre Pflegeplätze auf, dennoch ist der Bedarf nicht gedeckt. Wartelisten sind die Regel. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Schwarz auf Weiß liest sich das gut: „Die Gemeinde Nottuln verfügt mit fünf Pflegeheimen und 287 Plätzen über das drittgrößte Angebot im Kreis Coesfeld.“ So steht es im Pflegebedarfsplan 2017 des Kreises Coesfeld. Dennoch: Heute anrufen, weil man morgen einen Platz in einer Pflegeeinrichtung braucht? Das funktioniert auch in Nottuln nicht. Wartelisten und Wartezeiten von bis zu mehreren Monaten sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Martina Bosse, Leiterin der beiden Haus-ARCA-Pflegeeinrichtungen in Appelhülsen, hat aktuell für jedes der beiden Häuser sechs Personen auf der Warteliste, wie sie im WN-Gespräch erläutert. Dabei handelt es sich um sechs ältere Menschen, die einen Platz in der Senioreneinrichtung Haus ARCA an der Münsterstraße nachfragen. Dieser Standort verfügt über 48 Plätze.

Sechs weitere Personen stehen auf der Warteliste für das Haus ARCA am Schulze Frenkings Hof. Eine ganz besondere Situation, denn diese Pflegeeinrichtung mit ihren 57 Plätzen hat sich auf die Pflege junger Menschen spezialisiert. Solche Pflegeplätze für Jüngere, die beispielsweise durch Unfall oder Krankheit (Schlaganfall, Multiple Sklerose . . .) pflegebedürftig werden, sind noch rar im Münsterland. Entsprechend groß ist die Nachfrage. „Manche sind bereit, den Umweg über unsere Senioreneinrichtung zu gehen und dort zu warten, bis ein Platz in unserer Wohngemeinschaft für Jüngere frei geworden ist“, schildert Martina Bosse.

Wartelisten sind die Regel

Die Situation im Ortsteil Nottuln, wo die weiteren Pflegeeinrichtungen beheimatet sind, ist nicht anders. „Wir sind zu 100 Prozent belegt. Auch wir haben eine Warteliste“, sagt Jochen Fallenberg, Geschäftsführer der Altenhilfe GmbH, zu der auch das St.-Elisabeth-Stift Nottuln am Uphovener Weg gehört. 74 vollstationäre Plätze (darunter zehn Kurzzeitpflegeplätze) werden vom St.-Elisabeth-Stift vorgehalten.

Martin Kösters, Leiter der Pflegeeinrichtungen Haus Margarethe (72 Plätze) und Haus Stevertal (36 Plätze), erlebt die Situation wie seine Berufskollegen: Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Natürlich könne mal kurzfristig ein Platz frei sein, doch das sei wirklich die Ausnahme, schildert Martin Kösters. Die Regel sei eher, dass man mit Wartezeiten von zwei bis drei Monaten rechnen müsse, erzählt er.

Und: Der Nachfragedruck gilt nicht nur für die stationären Vollzeitpflegeplätze. Auch das Angebot der Tagespflege, das vor allem eine Entlastung für pflegende Angehörige darstellt, wird immer mehr nachgefragt. Seit vier Jahren bietet die Altenheime Lenter KG, die auch die Häuser Margarethe und Stevertal betreibt, zehn Plätze in der Tagespflege „Alte Mühle“ an. „Wir sind dort gut ausgelastet“, schildert Martin Kösters. Ähnlich verhält es sich beim Caritasverband, der in Nottuln 13 Tagespflegeplätze anbietet.

Ratschlag: Frühzeitiges Informieren und Kontaltaufnehmen

Heute anrufen, weil man morgen einen Platz in einer Pflegeeinrichtung braucht? Das funktioniert also nicht. Was soll man tun?

„Informieren Sie sich frühzeitig und nehmen Sie Kontakt zu den in Frage kommenden Einrichtungen auf“, sagt Geschäftsführer Jochen Fallenberg. Diesen Rat geben auch Martina Bosse und Martin Kösters. Alle Pflegeeinrichtungen sind offen für Gespräche, laden Betroffene und Angehörige ein, die jeweiligen Häuser kennenzulernen, bieten Beratung und Information rund um das Thema Pflege an.

Auch ambulante Dienste sind eine mögliche Alternative. Ein Beispiel ist der Pflegedienst VICA. Jochen Fallenberg: „Das ist ein guter Ansprechpartner vor Ort. Er ist gemeinsam mit dem St.-Elisabeth-Stift und dem daran angrenzenden Nottulner Krankenhaus in der Christophorus-Trägergesellschaft verbunden.“

Martina Bosse hält viel von der Pflegeberatung des Kreises Coesfeld. „Es ist wichtig, dieses Angebot auch zu nutzen.“

Ob sich am offensichtlichen Pflegeplatzmangel etwas ändern wird? Martina Bosse ist überzeugt, dass es Investoren gibt, die gerne in weitere Pflegeeinrichtungen investieren würden. Aber: „Woher bekommen wir das qualifizierte Personal für diese neuen Einrichtungen?“

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