„Socialdogs“ in Nottuln
Familienmitglieder auf vier Beinen

Nottuln -

Einige Interessenten kommen sogar eigens aus Mallorca und Norwegen nach Nottuln angereist – zu Stephanie Holtstiege. Sie arbeitet therapeutisch mit Hunden und bildet auch zum Servicehundehalter aus.

Montag, 17.09.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 17.09.2018, 06:00 Uhr
Stephanie Holtstiege mit ihren Töchtern Leni (l.) und Jule sowie Golden-Retriever-Hündin Maybe (hinten). Im Vordergrund „Ömmchen“ Fini, die sich nicht mehr so fürs Fotomachen interessiert.
Stephanie Holtstiege mit ihren Töchtern Leni (l.) und Jule sowie Golden-Retriever-Hündin Maybe (hinten). Im Vordergrund „Ömmchen“ Fini, die sich nicht mehr so fürs Fotomachen interessiert. Foto: Iris Bergmann

Wer bei Stephanie Holtstiege auf dem Baumberg klingelt, wird nach dem Öffnen der Haustür nicht nur freundlich von der Hundetrainerin empfangen, sondern auch mit feinstem Hundegesang von Golden-Retriever-Hündin Maybe. „So begrüßt sie jeden Besuch“, lacht Stephanie Holt­stiege. Im Hintergrund wackelt Fini, ob ihres hohen Alters von stolzen 15 Jahren liebevoll „Ömmchen“ genannt, um die Ecke, holt sich eine Streicheleinheit vom Besucher und verschwindet wieder. Die Hunde sind im Hause Holtstiege ganz normale Familienmitglieder mit ihren eigenen Gewohnheiten.

Und: Die Tiere haben einen Job. Sie sind ausgebildete Therapiebegleithunde, das heißt: Die Diplomsozialarbeiterin und Systemtherapeutin arbeitet – aktuell nur noch mit Maybe – im Team. Zum Beispiel bei Menschen mit Handicap, psychisch Kranken oder Menschen mit Demenz. Aber, und das ist ihre Haupttätigkeit, sie ist selbst ausgebildete Servicehundetrainerin und bildet Hundehalter und ihre Hunde für den Einsatz in der tiergestützten Arbeit aus.

Im Juni 2005 hat Stephanie Holtstiege in Münster damit begonnen, 2008 zog sie mit ihrer Familie und den Hunden auf den Baumberg und eröffnete hier das Unternehmen „Socialdogs“. Zu ihrer Klientel gehören inzwischen nicht nur Erzieher in Kindergärten und Sozialpädagogen, sondern auch Ergo- und Physiotherapeuten, Psychologen und Palliativärzte. „Und das aus dem gesamten Bundesgebiet“, erzählt Stephie Holtstiege und fügt schmunzelnd hinzu: „Zwei Ehemalige, die bereits ihren ersten Hund bei uns ausgebildet haben, sind mit ihrem zweiten Hund sogar von Mallorca und aus Norwegen gekommen.“

Meist haben ihre Klienten schon einen Hund, haben festgestellt, dass dieser ein gutes soziales Verhalten hat und möchten das stärken und im Beruf nutzen. „Manche sind aber auch erst in der Planung, und dann helfe ich bei der Auswahl der Hunderasse“, erklärt Stephie Holtstiege. Aber sie macht ihren Klienten auch deutlich: „Der Hund wird in erster Linie ein Familienmitglied, alles andere ist zweitrangig.“

Die Ausbildung zum Servicehundehalter ist nicht mal eben so zu machen. Nach einem Einsteigerseminar gibt es eine einjährige Ausbildung. „Im Abstand von circa zwei Monaten kommen die Teams dann für zwei Tage zum Praxis- und Theorieseminar hierher“, erklärt die Trainerin. Dazwischen sind Hausaufgaben zu bewältigen, wozu zum Beispiel Filmaufnahmen aus dem Berufsalltag mit dem Hund gehören.

Mittlerweile hat Stephie Holtstiege zusammen mit ihren zwei Mitarbeiterinnen, der Sozialpädagogin Ulla Machura und der Demenzbegleiterin Sandra Lefert, schon 49 Ausbildungskurse für Therapie- und Schulhunde durchgeführt. „Den 50. haben wir gerade gestartet“, freut sie sich.

Aber sie und ihre Kolleginnen bilden nicht nur aus, sie bilden sich selbst auch immer weiter. Momentan steckt Holtstiege mitten in einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit bei der Europäischen Organisation für tiergestützte Therapie (ESTAAT) und entwickelt ein Therapieprogramm für Menschen mit Hundephobie. „Das ist total spannend“, erzählt sie.

Die junge Retrieverdame Maybe hat, während Stephanie Holtstiege in der Unterhaltung war, artig neben ihr gelegen. Zum Ende des Gesprächs bringt sie sich charmant bei der Besucherin in Erinnerung und stupst sie freundlich zum Abschied an.

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