Spannender Dokumentarfilm
„Dit is jetzt aber kein Heimatfilm“

Nottuln -

Es geht um die Menschen in der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft Hauptschule. Susanna Wüstneck hat die Menschen dort mit der Kamera begleitet. Nun ist Premiere.

Donnerstag, 20.09.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 19:00 Uhr
Von November 2015 bis Juni 2016 begleitete Susanna Wüstneck die Menschen in der Flüchtlingsunterkunft Hauptschule. Herausgekommen ist dabei „Keinheimatfilm“.
Von November 2015 bis Juni 2016 begleitete Susanna Wüstneck die Menschen in der Flüchtlingsunterkunft Hauptschule. Herausgekommen ist dabei „Keinheimatfilm“. Foto: Susanna Wüstneck

Die besten Ideen purzeln oft von ganz alleine in ein Projekt. Dieses Glück flankierte auch Susanna Wüstneck bei ihrer Arbeit. Beim Schneiden des recherchierten Materials bemerkte die Wahl-Billerbeckerin ganz nebenbei: „Dit is jetzt aber kein Heimatfilm“. Ihre Editorin Stefanie Trambow schnappte den Satz auf und zeigte sich begeistert: „Das ist es: ,Keinheimatfilm‘“. So war der Titel zu ihrem 75-minütigen Dokumentarfilm mit dem Untertitel „Willkommen in Deutschland“ geboren.

Drei Jahre liegt es zurück, dass Susanna Wüstneck fast täglich in der Erstaufnahmeunterkunft für Geflüchtete, der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Nottuln, zu Gast war. Immer dabei: Ihre Kamera, die sie bei ihren Besuchen von November 2015 bis Juni 2016 stets begleitete. „Zunächst war es nur Neugier. Ich wollte wissen, wer die Menschen sind, die dort wohnen“, gesteht sie. „Daraus wurde große Anteilnahme und es entwickelten sich Freundschaften.“

Von der Bezirksregierung erhielt sie damals wohlwollende Unterstützung – die Dreherlaubnis. Auch der DRK-Kreisverband Coesfeld, der das Betreuungsteam vor Ort stellte, zeigte sich von ihrem Projekt „Dokumentarfilm“ sehr angetan.

Susanna Wüstneck war fast überall mit dabei: im Deutschunterricht, in der Strickrunde, einem jesidischen Neujahrsfest, der Abschiedsparty oder auch im Vier-Augen-Interview in dem eine junge Frau sehr gefasst von ihrer durch die Flucht versprengten Familie erzählt und ganz plötzlich das Gespräch abbricht, weil es zu schmerzhaft für sie wird. Der „Keinheimatfilm“ hat zahlreiche beeindruckende Szenen, die wirklich berühren.

120 Stunden Filmmaterial waren nach acht Monaten zu sichten. Alle ausgewählten Szenen sprechen für sich. Für das Intro stellte ihr der befreundete Fotograf und Filmemacher Robert Wilken aus Billerbeck eine interessante Drohnen-Sequenz zur Verfügung. Sie zeigt, wie sich die Kamera aus der Vogelperspektive vom Außenbereich dem Ortskern von Nottuln nähert. Begleitet von der Melodie „Keiner schöner Land in dieser Zeit“, verursacht das beim Anschauen schon die erste Gänsehaut.

Unterstützung bei diesem Filmprojekt erhielt sie auch von der Gemeinde Nottuln, der Stiftung Kunst und Kultur Münsterland und über die Plattform www.gut-fuer-das-westmuensterland.de der Sparkasse Westmünsterland. „Der Film soll Berührungsängste abbauen. Nur was fremd ist und bleibt, baut Unsicherheit und Ängste auf. Wir sind alle Menschen, auch wenn wir aus unterschiedlichen Kulturen kommen“, sagt Susanna Wüstneck.

Premiere ist am Samstag (22. September, 17.45 Uhr) in Münster, Cinema, Warendorfer Straße.

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