Erinnerung an die Reichspogromnacht
„Neuen Anfängen müssen wir entgegentreten“

Nottuln -

Wegen des Martinimarktes hat die Friedensinitiative erst am Dienstag an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 erinnert. Das Gedenken verband die FI mit einem eindringlichen Appell.

Mittwoch, 14.11.2018, 20:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 14.11.2018, 20:00 Uhr
Mit „Tears in heaven“ und „Imagine“ umrahmte der Musiker Joao Alves (r.) die Gedenkviertelstunde. Die Ansprache hielt Jürgen Hilgers-Silberberg (l.).
Mit „Tears in heaven“ und „Imagine“ umrahmte der Musiker Joao Alves (r.) die Gedenkviertelstunde. Die Ansprache hielt Jürgen Hilgers-Silberberg (l.). Foto: Frank Vogel

Das letzte Wort gehörte Erich Fried : Was keiner geglaubt haben wird / was keiner gewusst haben konnte / was keiner geahnt haben durfte / das wird dann wieder das gewesen sein / was keiner gewollt haben wollte. Mit dem Gedicht des am 22. November 1988 verstorbenen Lyrikers beendete Jürgen Hilgers-Silberberg seine Ansprache zur Gedenkviertelstunde anlässlich der Reichspogromnacht.

Wegen des Martinimarktes hatte die FI den Termin für das Gedenken um ein paar Tage verschoben und mit Joao Alves einen Musiker gefunden, der die Veranstaltung mit zwei gekonnt interpretierten Liedern („Tears in heaven“ von Eric Clapton und „Imagine“ von John Lennon) umrahmte.

Jürgen Hilgers-Silberberg erinnerte an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, die der Beginn der Verfolgung der Juden mit dem Ziel von deren Vernichtung gewesen sei. In Nottuln eine Nacht später geschehen, bekam dieses Ereignis einen „weiteren grausigen Beigeschmack“, den des „Nicht-sehen-wollens“. Denn es seien die Nachbarn und Mitbürger gewesen, die deportiert und später ermordet wurden. Mit der Gedenktafel an der Aschebergschen Kurie gebe es einen Platz der Erinnerung für die 13 Nottulner, deren Leben ausgelöscht worden ist.

Die Gedenktafel an der Aschebergschen Kurie.

Die Gedenktafel an der Aschebergschen Kurie. Foto: Frank Vogel

Dieses „Nicht-sehen-wollen“ dürfe es nicht noch einmal geben, mahnte Hilgers-Silberberg. Rechtes Gedankengut, Rassismus und Antisemitismus träten wieder offen zutage, das Aussprechen sei wieder „hoffähig“ geworden, die AfD, die überall zweistellig in den Parlamenten vertreten sei, biete eine Basis dafür. Das sei erschreckend und schändlich. „Diesen neuen Anfängen müssen wir entgegentreten, das ist im Moment dringend geboten. Wir müssen uns einmischen, den Angegriffenen Schutz und Rückhalt bieten.“

Die FI machte abschließend auf weitere Veranstaltungen im Rahmen der Novembertage aufmerksam. So findet am Montag (19. November) der Friedensgang statt. Treffpunkt ist um 16.05 Uhr das Schlaun-Denkmal. Von dort geht es zu zwölf Stationen, an denen innengehalten und an Friedensaktivitäten erinnert wird.

Am 29. November (Donnerstag) wird um 19 Uhr der Film „Schmetterling und Taucherglocke“ im Alten Hof Schoppmann gezeigt. Anschließend wird zum Gespräch mit einer Betroffenen eingeladen.

Außerdem finden Gedenkfeiern zum Volkstrauertag statt in Nottuln (Samstag, 17. November, um 17 Uhr an der evangelischen Kirche „Unter dem Kreuz“), Appelhülsen (Samstag, 17. November, 18 Uhr an der Kriegergedächtniskapelle) und in Schapdetten (Sonntag, 18. November, nach der 8.30-Uhr-Messe am Ehrenmal).

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