Schlaun Cirkel: Siedlungspolitik
Kontroverse Einschätzungen

Nottuln -

Wohin geht die Reise für Nottuln und den Kreis Coesfeld? Dazu wurde beim Vortrag von Prof. Dr. Michael Voigtländer intensiv diskutiert.

Mittwoch, 21.11.2018, 23:00 Uhr aktualisiert: 22.11.2018, 06:28 Uhr
Hans H. Gabbert (r.) als Vorsitzender des Schlaun Cirkels begrüßte Prof. Dr. Michael Voigtländer zum Diskussionsabend in der Alten Amtmannei.  Ein volles Haus konnte Hans H. Gabbert als Vorsitzender des Schlaun Cirkels zu dem Diskussionsabend begrüßen. Kl. Bild: Prof. Dr. Michael Voigtländer referierte.
Hans H. Gabbert (r.) als Vorsitzender des Schlaun Cirkels begrüßte Prof. Dr. Michael Voigtländer zum Diskussionsabend in der Alten Amtmannei.  Ein volles Haus konnte Hans H. Gabbert als Vorsitzender des Schlaun Cirkels zu dem Diskussionsabend begrüßen. Kl. Bild: Prof. Dr. Michael Voigtländer referierte. Foto: Frank Vogel

„Kommen Sie in zehn Jahren wieder und schauen Sie nach, was aus Nottuln geworden ist.“ Mit dieser Einladung verband Hans H. Gabbert , Vorsitzender des Schlaun Cirkels, den Dank an Prof. Dr. Michael Voigtländer , nachdem dieser am Dienstagabend in der gut gefüllten Alten Amtmannei zum Thema Siedlungspolitik gesprochen hatte. Die Einladung traf den Nagel auf den Kopf, denn die Diskussion um die zukünftige Entwicklung Nottulns, aber vor allem auch des Kreises Coesfeld war durchaus kontrovers, die Einschätzungen gingen weit auseinander.

Prof. Voigtländer, der am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln für das Kompetenzfeld „Finanz- und Immobilienmärkte“ verantwortlich ist, hatte nationale Zahlen und Prognosen dabei, die einen Trend deutlich machten: Die Menschen zieht es in die Städte. Die wissensorientierten Jobs, die Bildungsangebote, die Infrastruktur und auch die gesparte Zeit für die Anreise zur Arbeit seien Gründe dafür. Auf der anderen Seite stehe: Die Großstädte kommen bei der hohen Nachfrage nach (bezahlbaren) Wohnungen nicht mehr hinterher. Voigtländer: „Das ist eine Chance für die umliegenden Gemeinden und Kreise.“

Die müssten allerdings auf den Bedarf achten und nicht nur Eigenheime anbieten, sondern auch die besonders nachgefragten Zwei- bis Dreizimmerwohnungen (gerade für ältere Menschen). Und dann erklärte der Volkswirt, was bei der Diskussion im Nachgang für deutlichen Widerspruch sorgen sollte: „Im Ländlichen wird zu viel gebaut und der Leerstand von morgen produziert.“ 126 Prozent Bautätigkeit, also über Bedarf, stellte er als Zahl für den Kreis Coesfeld in den Raum.

Für Nottuln machte Voigtländer zwei Szenarien auf, die die Siedlungspolitik beide im Auge haben sollte. Die positive Variante: Münster boomt weiter und kann den Wohnungsbedarf nicht decken, Nottuln bietet günstige Mieten und Kaufpreise, eine gute Infrastruktur. Oder die negative Variante: Münster verliert gegen die großen Städte, die Anbindung Nottulns ist nicht ausreichend und die Infrastruktur ebenfalls nicht. „Die Kunst ist es, eine ausbalancierte Strategie zu finden, die beide Entwicklungen im Auge behält.“

Als Tipp gelte für ländliche Gemeinden wie Nottuln: Die Anbindung an Münster zu verbessern, Schulen und Kitas zu stärken, der Innenentwicklung der Ortsteile Vorrang vor der Außenentwicklung zu geben (um Leerstände im Innenbereich zu verhindern), die Wohneigentumsbildung zu unterstützen (durch Programme wie „Jung kauft Alt“), ein gemischtes Angebot zu machen, nicht nur Eigenheime zu ermöglichen. Ob das alles im Einzelnen für Nottuln zutreffe, möglicherweise schon gemacht werde, das könne er allerdings mangels genauerer Ortskenntnis nicht sagen.

Wie er auf darauf komme, dass die Bautätigkeit im Kreis über dem Bedarf liege, wollte Heinrich-Georg Krumme, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westmünsterland, vom Referenten wissen und bekam Hinweise auf statistisches Datenmaterial von Voigtländer. Die praktische Erfahrung sei allerdings eine komplett andere, wusste Krumme zu berichten: „Die Nachfrage ist um ein Vielfaches höher als das Angebot.“ Münster sei und bleibe eine boomende Stadt, und die Region wachse ebenso, hielt er dem negativen Szenario entschieden entgegen. Sparkasse, Stadt Münster und die umliegenden Kreise hätten eine Studie in Auftrag gegeben, „die Klarheit schaffen wird“, kündigte er an.

Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr ergänzte, dass der Kreis nicht nur von der Entwicklung Münsters abhängig sei, sondern Zuwanderung auch aus dem Ruhrgebiet bekomme, die Arbeitslosigkeit seit Jahren absolut niedrig sei und dass der heimische Arbeitsmarkt viele Arbeitsplätze biete, sodass man sogar schon Fachkräftemangel spüre.

Ein guter Arbeitsmarkt gebe keine Gewähr, dass es nicht doch zu Einwohnerschwund komme, hielt Voigtländer dagegen. „Und wo gehen die Firmen hin, wenn sie Fachkräftemangel haben, bleiben die dann im Kreis?“ Er habe auch nicht nur das negative Szenario aufzeigen wollen, sondern auch das positive. „Es kann beides passieren. Der Wettbewerb um die Menschen wird sich intensivieren. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dabei gewinnen.“

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