Lokale Wirtschaft
Ein anspruchsvolles Geschäft

Nottuln -

Herbert Lohmann, Vorstand der Volksbank Nottuln, wechselt zum Jahresende in den Ruhestand.

Samstag, 08.12.2018, 13:00 Uhr
Bankvorstand Herbert Lohmann blickt auf 47,5 Jahre Berufsleben zurück. Zum Ende des Jahres wechselt er in den Ruhestand.
Bankvorstand Herbert Lohmann blickt auf 47,5 Jahre Berufsleben zurück. Zum Ende des Jahres wechselt er in den Ruhestand. Foto: Ludger Warnke

Wenn Herbert Lohmann, Vorstand der Volksbank Nottuln, danach gefragt wird, was der Unterschied zwischen dem Bankgeschäft der 1980er-Jahre und heute sei, dann fällt ihm zum Beispiel diese Episode ein: Damals habe er mit einem Appelhülsener ein Kreditgespräch geführt. Man sei sich schnell einig gewesen. „Ich habe das Formular, insgesamt nur zwei Seiten, in die Schreibmaschine eingespannt, kurz ausgefüllt, dann die Unterschrift drunter – fertig“, erinnert sich der noch 64-Jährige im WN-Gespräch. Heute reichen zwei Seiten Formular nicht mal für den Vertragsvorspann. Die Regulatorik, also der Eingriff des Gesetzgebers in das Bankenwesen, habe in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen und stelle vor allem kleinere und mittlere Häuser vor große Herausforderungen.

Auch deshalb sei es richtig gewesen, in der Vergangenheit Fusionen mit anderen Genossenschaftsinstituten vorzunehmen. „Die Fusionen waren und sind sinnvoll. Das steht außer Frage“, betont Herbert Lohmann. Schließlich habe es dadurch Synergieeffekte gegeben, von denen Mitglieder und Kunden profitierten.

Seit insgesamt 47,5 Jahren steht der gebürtige Seppenrader im Beruf. Zum Ende des Jahres wird Bankvorstand Herbert Lohmann als dann 65-Jähriger in den Ruhestand wechseln. Auf die gewonnene Mehrzeit für die Familie (verheiratet, drei erwachsene Kinder, zwei Enkel) freut er sich schon sehr.

Herbert Lohmann begann seine Ausbildung zum Bankkaufmann 1971 bei der Volksbank in Olfen und arbeitete auch dort schon im Kreditgeschäft. Nach der Wehrpflichtzeit und nach einem Studium an der Bankakademie sowie dem Besuch weiterer Seminare und Führungslehrgänge wechselte Lohmann zum 1. Januar 1985 als Vorstandsmitglied zur Volksbank Appelhülsen. Die Bilanzsumme lag damals bei knapp 20 Millionen D-Mark, die Bank hatte acht Mitarbeiter. „Hier musste der Vorstand noch selbst arbeiten“, schmunzelt der Lüdinghauser.

Auch wenn die Sachbearbeitung zum alltäglichen Aufgabenfeld gehörte, so durften strategische Weichenstellungen nicht vernachlässigt werden. Als Bankvorstand war Herbert Lohmann in vorderster Reihe daran beteiligt, dass sich die genossenschaftliche Bankenwelt in und um Nottuln in den Folgejahren stark wandelte. Denn es folgten im Zehn-Jahres-Rhythmus drei Fusionen: 1997 Appelhülsen und Nottuln, 2007 Nottuln und Buldern, und schließlich 2017 Nottuln und Lette-Darup-Rorup. Heute behauptet sich die größer gewordene Volksbank Nottuln mit ihren rund 100 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von rund 500 Millionen Euro erfolgreich am Markt.

Herbert Lohmann hat dabei in seinem gesamten Berufsleben stets die wichtige Säule des Kreditgeschäfts bearbeitet und verantwortet. „Das ist ein sehr anspruchsvolles Geschäft“, betont er. „In meiner Brust schlagen zwei Herzen: das eine für den Kunden, das andere für die Bank“, formuliert er. Die Abwägung sei nicht immer einfach gewesen, manchmal habe er auch unbequeme Entscheidungen treffen müssen. „Aber ich habe immer versucht, objektiv zu bleiben.“ Vielen Privatleuten und heimischen Firmen habe die Bank mit Krediten helfen können, Träume und geschäftliche Erfolge zu verwirklichen. Bei den Investitionen im Gewerbegebiet Beisenbusch zum Beispiel sei man Marktführer, freut sich Lohmann über das Vertrauen der Firmen in die Volksbank Nottuln.

Die zweite große berufliche Leidenschaft galt den Bauprojekten der Bank. So entwickelte er zum Beispiel 1987 die architektonische Idee für den Um- und Erweiterungsbau der Volksbank Appelhülsen, leitete 1999/ 2000 den Um- und Erweiterungsbau in der Hauptstelle am Hanhoff in Nottuln und verantwortete 2013 quasi als „Bauleiter“ den nochmaligen Um- und Erweiterungsbau der Hauptstelle am Hanhoff. Ein Projekt mit einem Gesamtvolumen von rund 3,8 Millionen Euro.

Privat ist Herbert Lohmann ein Familienmensch – und ein Auto-Narr. Und kann manchmal das eine mit dem anderen verbinden. Denn er hat vor einiger Zeit zu den bereits vorhandenen Fahrzeugen noch einen elf Jahre alten VW Bulli erworben und den Wagen nach allen Regeln der Kunst wieder auf Vordermann gebracht. Der Achtsitzer erweist sich als absolut familientauglich – sowohl für Transporte als auch für Ausflüge mit Ehefrau Marlies, Kindern und Enkeln. Der Zusammenhalt in der Familie, das Basteln an Autos, die Leidenschaft für Haus und Garten, für Doppelkopf und auch für den Fußballclub Schalke 04 bilden den Ausgleich zum Beruf.

Mit Beginn des neuen Jahres 2019 kann Herbert Lohmann all dies als Ruheständler dann noch intensiver genießen. Wenn­gleich er im Gespräch auch ehrlich einräumt: „Ich werde meine Kollegen vermissen.“

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