Diskussionsabend der Grünen
Dürresommer hat wachgerüttelt

Nottuln -

Klimaforscher Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen warnt: „Wenn wir so weitermachen, steigt die durchschnittliche Temperatur um etwa vier bis fünf Grad.“ Er war zu Gast bei einer Podiumsdiskussion der Grünen.

Mittwoch, 19.12.2018, 19:45 Uhr aktualisiert: 19.12.2018, 19:50 Uhr
Beim Vortragsabend von Bündnis 90/Die Grünen zum Thema Klima und Landwirtschaft sprachen (v.li.) der konventionell wirtschaftende Landwirt Michael Uckelmann, Klimaforscher Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen, die Sprecherin des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Anne-Monika Spallek,, und Biolandwirt Friedrich Ostendorff.
Beim Vortragsabend von Bündnis 90/Die Grünen zum Thema Klima und Landwirtschaft sprachen (v.li.) der konventionell wirtschaftende Landwirt Michael Uckelmann, Klimaforscher Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen, die Sprecherin des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Anne-Monika Spallek,, und Biolandwirt Friedrich Ostendorff. Foto: Iris Bergmann

„Der Klimawandel ist da!“ Davon ist Dr. Anne-Monika Spallek überzeugt. „Der Dürresommer hat uns im Kreis Coesfeld wachgerüttelt. Meine Weiden waren braun.“ Spallek ist nicht nur Nebenerwerbslandwirtin, sondern auch Sprecherin des Kreisverbandes Coesfeld von Bündnis 90/ Die Grünen . Als solche begrüßte sie am Dienstagabend zu einem Vortrag mit Podiumsdiskussion zum Thema „Klima und Landwirtschaft – Wie Landwirtschaft zum Klimaschutz beitragen kann“ neben dem Referenten Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen auch den konventionell wirtschaftenden Landwirt Michael Uckelmann sowie den Bio-Landwirt und Grünen-Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff.

Der große Saal in der Alten Amtmannei war rappelvoll mit einem interessiertem Publikum, für das Klimaexperte Lotze-Campen erschreckende Zahlen bereithielt. Der Referent arbeitet am Potsdamer Institut für Klimaforschung. Fest steht: Die Treibhausgas-Emissionen sind in den letzten Jahrzehnten rasant angestiegen. „Der Trend ist eindeutig und es ist nicht zu erwarten, dass sich das einfach so umkehrt“, weiß der Klimaforscher. Die Landwirtschaft trage an den Emissionen einen Anteil von etwa einem Viertel, erläutert er. Da sei zum einen die Landnutzungsänderung und zum anderen die tropische Entwaldung.

„Wenn wir so weitermachen, steigt die durchschnittliche Temperatur um etwa vier bis fünf Grad“, prognostiziert Lotze-Campen. Dann läge Berlin klimatisch etwa auf der Höhe der kroatischen Mittelmeerküste. Die sogenannten Hitzetage würden mehr werden, was bedeute, dass es deutlich längere Trockenperioden geben werde, aber auch eine Zunahme an Wetterex­tremen. Insgesamt drohten Mindererträge, zum Beispiel bei Weizen und Mais, es drohe Wasserknappheit. Gleichzeitig werde die Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln zunehmen. Die Weltpreise würden 10 bis 30 Prozent steigen. „Bei schlechter wirtschaftlicher Entwicklung bis 2030 sind dann 45 Millionen Menschen vom Hunger bedroht“, schaut Lotze-Campen voraus.

Kurzfristige Anpassungen der Landwirtschaft seien schwer, weiß der Experte. Dennoch gebe es mittelfristig umsetzbare Maßnahmen wie zum Beispiel die Renaturierung von Moorböden, ein verbessertes Wirtschaftsdünger-Management oder Fütterungszusätze für Wiederkäuer. Aber: „Wir müssen langfristig denken“, appelliert Lotze-Campen. Es müsse auch ein Umdenken in der Ernährung stattfinden. Das bedeute auch, weg vom hohen Fleischkonsum.

Auch die politischen Ins­trumente sollten auf eine nachhaltige Landwirtschaft ausgerichtet werden. Hier sieht der Experte die Notwendigkeit einer Reform der Subventionen und einer Liberalisierung des Handels. Auch müsse die tropische Entwaldung vermieden werden. „Wir haben eine Menge Herausforderungen bei der klimatischen Entwicklung“, schloss Lotze-Campen.

„Wir wollen unsere Höfe und die Landwirtschaft im Kreis behalten“, eröffnete Dr. Anne-Monika Spallek die Gesprächsrunde, in der der konventionell wirtschaftende Landwirt Michael Uckelmann die neue Gülleverordnung, die eine bodennahe Einbringung vorschreibe, als eine gute Maßnahme sieht.

Mit Blick auf das Treibhausgas Methan sagt Bio-Landwirt Friedrich Ostendorff: „Die Kuh ist ein Problem, dem wir uns widmen müssen.“ Allerdings sei es kaum möglich, Menschen zu ernähren ohne Grasland und Kühe, denn die Kuh mache aus Gras wertvolle Nahrungsmittel. Deshalb: „Es gibt keine widerspruchsfreie Landwirtschaft.“

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