Menschen
Künstler von Kindesbeinen an

Nottuln -

Für seine Glaskunst ist der Nottulner Künstler Ulli Messing berühmt. Der 65-Jährige war schon als Kind von der Kunst fasziniert.

Samstag, 29.12.2018, 12:00 Uhr
Der 65-jährige Ulli Messing ist für seine Glaskunst nicht nur in der Gemeinde Nottuln gut bekannt.
Der 65-jährige Ulli Messing ist für seine Glaskunst nicht nur in der Gemeinde Nottuln gut bekannt. Foto: Marion Fenner

„Ich bin zwischen Pinseln und Farbe aufgewachsen“, sagt der Künstler Ulli Messing über sich selbst. Seine Eltern und auch seine Großeltern hatten einen Malerbetrieb und waren zudem auch künstlerisch tätig. „Sie hatten sich der Postkartenmalerei verschrieben“, erzählt der Nottulner und meint damit, dass sie vor allem Landschaften auf Papier und Leinwand verewigt haben. „Als Zehnjähriger habe ich mein erstes Ölgemälde angefertigt“, erinnert sich Messing. „Ich musste klassische Sachen nachmalen.“ Doch solche Motive gefielen dem talentierten Jungen nicht und er widmete sich der abstrakten Kunst.

Früh stand für Ulli Messing fest, dass er die Kunst zu seinem Beruf machen will. „Alternativen wären nur Elektroingenieur oder Tierfilmer gewesen“, verrät er mit einem Augenzwinkern. Es wurde die Kunst. Nach dem Abitur studierte er Malerei. Voraussetzung dafür war ein Praktikum in einem Betrieb. So lernte er die Arbeit in einer Glasmalerei für Kirchenfenster kennen. Dort erkannten die Inhaber schnell, dass Ulli Messing etwas von dem Handwerk versteht. „Sie hätten mich gerne behalten“, sagt Messing, doch ihn zog es zum Studium an der Folkwangschule in Essen.

Doch was tun, damit Kunst kein brotloses Geschäft wird? „Ich hatte erst vor, Kunsterzieher an einer Schule zu werden, doch Lehrer in diesem Fach wurden damals nicht benötigt.“ Dann gab es das Angebot, ein Projekt für arbeitslose Menschen zu leiten: die damaligen „Nottulner Hilfsdienste“. Über zehn Jahre hat er das gemacht. „Wir haben dort Holzspielzeug hergestellt, weiße Bettwäsche gefärbt und daraus Jacken und Westen gefertigt, und viele weitere kreative Dinge gemacht.“

Danach widmete sich Messing überwiegend seiner wahren Leidenschaft. Die Glasmalerei blieb dabei ein Schwerpunkt. „Meine Frau und ich sind auf unserer Hochzeitsreise mit einem alten VW-Käfer die Wein- und Edelsteinstraße entlang gefahren. Dabei habe ich Achatplatten für mich entdeckt, die ich mit der Glasmalerei verbunden habe.“ Sehr schöne Objekte sind entstanden, nachdem er eine Technik gefunden hatte, wie der schöne Rand des Steines erhalten werden kann.

Eine Zeit lang widmete er sich auch wieder der Malerei. „Doch das ging aus gesundheitlichen Gründen irgendwann nicht mehr.“ Eher durch Zufall kam Messing vor einigen Jahren zum sogenannten Glasfusing. Eine besondere Technik, bei der zwei ausgeschnittene Glasscheiben aufeinandergelegt werden. Dazwischen kommen Farbpigmente. Anschließend wird alles im Ofen gebrannt. Eine Technik, die Messing für sich perfektioniert hat.

Seine Werke sind an vielen Stellen in der Gemeinde zu sehen. In der Friedhofshalle hat er ein Fenster mitgestaltet, auf einer Grabfläche für Kinder auf dem Friedhof steht ein symbolischer Regenbogen. Auch bei vielen Bürgern zu Hause sind Werke von Messing eingezogen. Und seine Idee war es, für einen Spendensammelaktion zugunsten der Kirchenrenovierung von St. Martinus alte Steine aus der Kirche mit seiner Glaskunst zu einem Kunstwerk zu verbinden. Eine Aktion, die sehr beliebt war.

Die Ideen gehen dem 65-jährigen Nottulner auch heute nicht aus. Geplant ist unter anderem, zum 35-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen Nottuln und dem französischen St. Amand-Montrond im nächsten Jahr eine Bank mit Grundschülern aus beiden Orten zu gestalten – natürlich mit Glaskunst.

Messing engagiert sich in vielen Bereichen für die Kunst. Er organisiert seit nunmehr zehn Jahren die Ausstellungen der Reihe „Kunst im Rathaus“, wirkt auch mit am NRW-Programm „Kulturrucksack“. Früher organisierte er die noch gut bekannte „Nottulner Kunstbörse“ und das Projekt „Nottuln kreativ“.

Und außerdem bringt Messing seine Kreativität und Erfahrungen in die Arbeit des Nottulner Teilhabebeirates ein, dessen Vorsitzender er ist.

„Als Jugendlicher habe ich einmal gesagt, für das, was ich vorhabe, brauche ich mehrere Leben“, erinnert sich Ulli Messing. „So formuliere ich das heute nicht mehr. Jetzt heißt es, wenn das eine nicht mehr klappt, ziehe ich die nächste Schublade auf. Und weiter geht‘s.“

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