Rupert-Neudeck-Gymnasium
Ins Gespräch gekommen

Nottuln -

Schüler und Lehrer strahlten vor Freude. Das neue Diskussionsformat „Nottuln spricht“ hat seine Feuertaufe bestanden. Und das zum Start mit dem schwierigen Thema „Migration und Integration“.

Freitag, 29.03.2019, 21:00 Uhr
Die Schüler des Projektkurses Sozialwissenschaften Q2 des Rupert-Neudeck-Gymnasiums, hier im Bild mit den Referenten, ernteten für ihr neues Veranstaltungsformat „Nottuln spricht“ viel Lob.
Die Schüler des Projektkurses Sozialwissenschaften Q2 des Rupert-Neudeck-Gymnasiums, hier im Bild mit den Referenten, ernteten für ihr neues Veranstaltungsformat „Nottuln spricht“ viel Lob. Foto: Frank Vogel

„Was kann unserer Gesellschaft Besseres passieren, als dass sich Jugendliche engagieren?!“ Lobende Worte fand Beigeordnete Doris Block zur Eröffnung des Themenabends „Nottuln spricht: Migration und Integration“ für den Projektkurs Sozialwissenschaften Q2 des Rupert-Neudeck-Gymnasiums. Dieser hatte ins Forum eingeladen, um an sieben Tischen sieben verschiedene Aspekte des Themas zu diskutieren. Für jeden Tisch hatten die Schülerinnen und Schüler Experten gefunden, die aus ihrer Sicht Rede und Antwort standen.

Und genau darum ging es, wie die beiden Moderatoren David Lunau und Lukas Sydow zu Beginn der Veranstaltung erläuterten. Das Thema „Migration und Integration“ sei überall präsent, alles hänge mit allem zusammen, und alles geht irgendwie auch durcheinander. „Wir hoffen, dass Sie Antworten auf Ihre Fragen bekommen“, luden sie die Gäste an die Tische ein. In vier Blöcken à 20 Minuten konnte diskutiert werden, dann sollten die Gäste zu einem anderen Tisch weiterziehen, sodass jeder vier verschiedene Aspekte des Themas für sich beleuchten lassen konnte.

Rupert-Neudeck-Gymnasium: „Nottuln spricht – Migration und Integration“

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  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel
  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel
  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel
  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel
  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel
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  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel
  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel
  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel
  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel
  • An den einzelnen Thementischen wurde rege diskutiert. Foto: Frank Vogel

Kirche muss sich einmischen

Pfarrdechant Norbert Caßens war für das Thema „Kirche“ eingeladen worden. Für ihn war ganz klar, dass sich Kirche politisch einmischen muss. Migration, so Caßens, sei eine fundamentale Erfahrung, die schon dann anfange, wenn man in eine neue Stadt zieht und dort niemanden kennt – so wie es ihm bei seinen beruflich bedingten Wohnungswechseln passiert ist. Da sei man froh, wenn einem jemand die Hand reicht und beim Ankommen hilft.

Vermieter sind unsicher

Interessante Gespräche gab es auch am Tisch „Wohnen und leben“. Fachbereichsleiter Benedikt Gellenbeck und Elisabeth Krampe von der Verwaltung schilderten, wie schwierig es ist, für die Flüchtlinge eine Wohnung zu finden. „Die Vermieter sind unsicher, wie lange bleiben die neuen Mieter, wird die Miete bezahlt?“, erzählte Elisabeth Krampe. Wie lange Flüchtlinge bleiben, hänge von ihrem Status ab, da habe die Gemeinde keinen Einfluss. Was die Miete angehe, da sei der Staat aber immer in der Hinterhand, erklärte Benedikt Gellenbeck. Was aber helfe sei, dass Vermieter und möglicher Mieter die Chance bekommen, sich kennenzulernen.

Struktur im Alltag tut gut

Auch bei den Flüchtlingen sei die Unsicherheit groß, erklärte Jutta Glanemann am Tisch zum Thema „Schule“. Diese Unsicherheit sei durch die Politik verursacht und könne man nicht direkt ändern. „Lasst uns gerade für die Kinder eine Ruheinsel schaffen – in der Schule.“ Die Lehrerinnen Christine Kuthe und Sarah Tenberge, die sich in besonderer Weise um die Integrationskinder kümmern, bestätigten: „Strukturierung im Alltag und neue Ziele, das tut den Kindern gut.“ Bei den jüngeren gelinge die Integration besser als bei den älteren. Ein Problem der Sprache.

Bürokratie abbauen

Das war auch am Tisch „Arbeitswelt“ ein wichtiger Aspekt. Ute und Marcus Ahlers (Polstermöbel Ahlers) und Jasmin Haga-Issa vom Salon Icking bestätigten: Die handwerklichen Fähigkeiten und das Engagement hätten die Flüchtlinge (so wie Icking-Azubi Hassouna Biro, der ebenfalls am Tisch saß). Auch das Sprechen ginge oft ganz ordentlich, das Schriftliche aber sei eine Riesenhürde für eine Ausbildung. „Da muss sich Ausbildung ändern“, forderte Marcus Ahlers. Überhaupt seien die bürokratischen Berge so hoch, dass man daran manches mal verzweifelt. Setze sich der Unternehmer nicht für seinen Mitarbeiter ein, sei dieser hoffnungslos verloren, erklärte Jasmin Haga-Issa. „Und dabei brauchen wir diese guten Arbeitskräfte dringend.“

Kontakte sind entscheidend

Marga Lütkecosmann saß für die Flüchtlingshilfe Nottuln an einem weiteren Tisch und berichtete von der Arbeit der Ehrenamtlichen. Kontakt aufzubauen, sei ein entscheidender Baustein für die Integration. „Das kann man aber nicht auf dem Reißbrett. Nicht jeder Helfer passt zu jedem Flüchtling. Da muss auch Vertrauen entstehen.“ Wünschenswert, sei, dass jeder Flüchtling oder jede Flüchtlingsfamilie einen Paten bekäme. „Das ist vielleicht utopisch, aber das wäre der einfachste Weg.“

Journalisten im Fokus

Schwieriger sei die Arbeit für die Journalisten geworden, erklärte Ludger Warnke, Leiter der WN-Redaktion Baumberge. Die sogenannten Sozialen Medien bauen Druck auf, dem man seriös recherchierte Informationen entgegenhalten muss. Das braucht Zeit, ist aber entscheidend, um den Vorwurf der „Lügenpresse“ entgegentreten zu können.

Schwere Sprache

Und auch die Flüchtlinge selbst kamen zu Wort. An einem Tisch saßen mit Qasim Murad und Nima Hajihashemi zwei junge Männer, die am kommunalen Integrationszentrum des Kreises am Projekt „Willkommen im Kreis Coesfeld“ teilgenommen haben. Begleitet wurden sie von Lydia Kerkfeld. Sie berichteten von ihrer Flucht, aber auch von ihrem Willen, sich zu integrieren. „Ich feiere auch beim Schützenfest mit“, erzählte Qasim Murad. Was das Schwierigste für sie sei, wollte ein Gast wissen. „Keine Frage: die Sprache“, waren sich die Beiden einig. Und da nütze es auch nichts, jeden Tag Unterricht zu nehmen. „Entscheidend ist, dass wir im Kontakt mit den Deutschen das Gelernte auch anwenden und üben.“

Tolles Format

Am Ende des Abends dankten die Organisatoren allen Beteiligten und vor allem auch dem Förderverein, der den Imbiss gesponsert hatte: syrischer Fingerfood aus dem münsterschen Imbiss Elben, Teil eines Sozialprojektes, bei dem Syrer sich über die Herstellung von Essen aus ihrer Heimat in Deutschland einbringen.

Die Gymnasiasten werden den Abend noch analysieren und evaluieren, erklärte Lehrerin Cornelia Hilgensloh. Jutta Glanemann hatte sich ihre Meinung schon gebildet: „Dieser Gesprächsabend ist ein tolles Format.“

Kommentar: Gelungenes Experiment

Von Frank VogelDer Themenabend „Nottuln spricht: Migration und Integration“ war ein Experiment. Und es ist gelungen. Die, die gekommen waren, bekamen Antworten auf ihre Fragen, konnten Anregungen loswerden und kamen miteinander ins Gespräch. Den Beifall der Gäste hat sich der Projektkurs Sozialwissenschaften Q2 des Rupert-Neudeck-Gymnasiums für Organisation und Durchführung der Veranstaltung redlich verdient.Ins Gespräch zu kommen, das war nicht nur das Konzept des Abends, sondern ist – so war an den Thementischen immer wieder zu hören – das Konzept, mit dem Integration gelingen kann.An die Adresse der Bürger: Geben Sie sich einen Ruck, vergessen Sie die eigene Unsicherheit, achten Sie die des ausländischen Mitbürgers, und gehen Sie ins Gespräch.An die Adresse der Migranten: Lernen Sie Deutsch. Denn wie sagte Marga Lütkecosmann von der Flüchtlingshilfe so treffend: Sprache ist Integration.An die Landes- und Bundespolitiker und die Berufsbildungsverantwortlichen: Tragen Sie endlich die bürokratischen Berge ab. Machen Sie engagierten Migranten und Arbeitgebern das Leben nicht so schwer.Und an die Schüler: Engagiert euch weiter.

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