Bürgerinformation
Bürger äußern massive Kritik

Nottuln/Schapdetten -

Etwa 250 bis 300 Bürger haben an einer Informationsveranstaltung der Gemeinde über die Windkraftplanungen in der Gemeinde teilgenommen. Es wurde ein Abend voller kontroverser Diskussionen. Schapdettener fürchten um die Zukunft ihres Dorfes.

Freitag, 05.04.2019, 21:10 Uhr aktualisiert: 05.04.2019, 21:18 Uhr
Rund 250 bis 300 Bürger waren gekommen, um sich über die Windkraftplanungen der Gemeinde Nottuln zu informieren. Alle Bürger, die sich am Donnerstagabend äußerten, brachten massive Kritik vor und lehnten die neue Konzentrationsfläche „Südlich Schapdetten“ ab.
Rund 250 bis 300 Bürger waren gekommen, um sich über die Windkraftplanungen der Gemeinde Nottuln zu informieren. Alle Bürger, die sich am Donnerstagabend äußerten, brachten massive Kritik vor und lehnten die neue Konzentrationsfläche „Südlich Schapdetten“ ab. Foto: Ludger Warnke

Die geplante Festsetzung einer Windkraftkonzentrationsfläche südlich von Schapdetten stößt bei den Bürgern des Dorfes auf breiten Widerstand. Zahlreiche Schapdettener nahmen am Donnerstagabend im Forum an der knapp dreistündigen Bürgerinformationsveranstaltung der Gemeinde Nottuln teil. Insgesamt waren rund 250 bis 300 Bürgerinnen und Bürger (darunter auch Havixbecker) gekommen, die sich ausnahmslos kritisch und ablehnend zu den Plänen der Gemeinde äußerten. Den meisten Beifall gab es an diesem Abend für zwei Personen: für das Schapdettener Urgestein Bernhard Aldenborg, der davor warnte, die Zukunft Schapdettens durch den Bau von Windkraftanlagen zu verspielen, und für Helmut Walter . Der FDP-Politiker kündigte einen Antrag seiner Fraktion im Gemeinderat an, wonach die gemeindlichen Planungen zunächst zurückgestellt werden sollen, bis die Vorgaben der NRW-Landesregierung zur Windkraft (1500-Meter-Abstand) im neuen Landesentwicklungsplan Gesetzeskraft erlangt haben.

Dass der Informationsabend in Teilen emotional werden würde, bekam gleich am Anfang Bürgermeisterin Manuela Mahnke zu spüren. Ihre Aussage, man diskutiere an diesem Abend nicht mehr „ob Windkraft“, sondern nur über das „Wie“, löste kritische Zwischenrufe aus, sodass die Bürgermeisterin letztlich ihre Begrüßungsrede vorzeitig beendete.

Das Podium: Gefragte Gesprächspartner waren Fachbereichsleiter Jonas Sonntag (Mitte) und Gutachter Reiner Winterkamp (2.v.r.).

Das Podium: Gefragte Gesprächspartner waren Fachbereichsleiter Jonas Sonntag (Mitte) und Gutachter Reiner Winterkamp (2.v.r.). Foto: Ludger Warnke

Fachbereichsleiter Jonas Sonntag von der Gemeindeverwaltung schilderte die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen und erläuterte, dass die Gemeindeverwaltung aufgrund eines Ratsbeschlusses gehalten sei, den Flächennutzungsplan der Gemeinde zu überarbeiten. Mit der Fokussierung auf aktuell drei Konzentrationsflächen (Hastehausen und Buxtrup/Horst gibt es schon, südlich Schapdetten soll neu dazukommen) greife die Gemeinde steuernd ein und versuche, einen Wildwuchs zu verhindern.

Ein gefragter Mann an diesem Abend war Gutachter Reiner Winterkamp (Fachbüro WWK - Büro für Kommunal- und Landschaftsplanung), der im Auftrag der Gemeinde die Planung erstellt. Schritt für Schritt führte er aus, wie man bei der Überarbeitung des Flächennutzungsplans vorgegangen sei und welche Rahmenbedingungen es gebe, die die Gemeinde beachten müsse, zum Beispiel die Vorgaben aus dem Regionalplan der Bezirksregierung Münster. „Deshalb werden wir an der Fläche bei Schapdetten nicht vorbeikommen“, war Winterkamp überzeugt.

Eine häufig benutzte Formulierung an diesem Abend war, man müsse der Windkraft „substanziell Raum geben“. Ein Gericht, so Winterkamp, habe dafür als Maßstab zehn Prozent der überplanbaren Fläche in einer Kommune als Richtschnur ausgegeben. Die drei Windkraftkonzentrationszonen in Nottuln umfassen nur 8,1 Prozent der überplanbaren Fläche, was schon sehr knapp sei. Deshalb empfiehlt der Gutachter, keine Höhenbeschränkung für Windkraftanlagen festzusetzen, damit Investoren wirtschaftliche Anlagen errichten können.

So sehr Winterkamp für seine Informationen auch anfangs Beifall erhielt, so sehr wurde aber auch deutlich, dass die anwesenden Bürger in vielen Punkten völlig anderer Meinung sind. Die von der Gemeinde gewählten Abstände von 600 Metern zur bebauten Ortslage und 450 Metern zu Einzelgebäuden wurden als deutlich zu gering empfunden. Dass die Flächen zwischen Nottuln und Darup als Konzentrationszone nicht mehr geeignet sind, weil sie im Landschaftsschutzgebiet liegen, die Schapdettener Flächen aber als Konzentrationszone ausgewiesen werden sollen, obwohl Teile auch unter Landschaftsschutz stehen, war ein weiterer Kritikpunkt. Sorgen machten sich die Bürger auch um ihre Gesundheit. Ein Mediziner schilderte die Folgen von Infraschall; andere Bürger, die in der Nähe einer Windkraftanlage wohnen, berichteten davon, wie sehr sich seitdem der Gesundheitszustand der ganzen Familie verschlechtert habe. Schließlich wurden auch massive Zweifel geäußert, ob die Gemeinde überhaupt den gültigen Flächennutzungsplan jetzt ändern muss, da es ja schon zwei Konzentrationsflächen gibt und außerdem die Landesregierung Aussagen zur Windkraft (1500-Meter-Abstand) im neuen Landesentwicklungsplan treffen wird. Winterkamp warnte vor übertriebenen Erwartungen an die 1500-Meter-Regelung. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei das keine zwingende Zielfestsetzung, die befolgt werden müsse, sondern nur eine Sollvorgabe.

Den Hinweis von Anwesenden auf das Beispiel Havixbeck, wo die Windkraftplanung aufgrund eines Ratsbeschlusses ruht, griff Helmut Walter ( FDP ) auf. Er kündigte einen entsprechenden Ratsantrag an. Das war ganz im Sinne der anwesenden Bürger, wie der lautstarke Beifall deutlich machte.

Wenn die Politik das so beschließen sollte, habe die Verwaltung kein Problem damit, versicherte Fachbereichsleiter Jonas Sonntag. Die am Freitag (5. April) gestartete Öffentlichkeitsbeteiligung könne man aber nicht stoppen. Deshalb liegen alle Pläne zur Windkraft noch bis zum 8. Mai bei der Gemeinde Nottuln öffentlich aus und können auch über die Homepage (www.nottuln.de) eingesehen werden. Bis zum 8. Mai können alle Bürger der Gemeinde auch Anregungen oder Bedenken vorbringen.

Kommentar: Ein Hoffnungsschimmer

Von Ludger Warnke   Das konnte ja nicht gutgehen: Die Gemeindeverwaltung wollte über das „Wie“ der Windkraft reden, dabei stellt sich vielen Bürgern eher die Frage, „ob“ die Windkraft im Münsterland weiter so privilegiert ausgebaut werden soll. Zwei sehr verschiedene Ausgangspunkte, die zu einer völlig missglückten Anfangsphase der Bürgerinformation geführt haben.Dass die Gemeinde zu einer Informationsveranstaltung eingeladen hat, verdient Anerkennung. Die Zweifel der Bürger konnten Gemeinde und Gutachter aber nicht ausräumen. Die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen, ist eine Aufgabe der Politik. Die FDP hat mit ihrer Ankündigung, das Zurückstellen der Planungen zu beantragen, für ein Hoffnungsschimmer bei den Bürgern gesorgt. Jetzt ist klar, auch die CDU vertritt diese Position, wie der gemeinsame Antrag zeigt. Der Gemeinderat ist gefordert, eine Entscheidung zu treffen.Gefordert sind weiterhin alle Bürger. Aktuell läuft die offizielle Öffentlichkeitsbeteiligung für das beabsichtigte Planverfahren. Wollen die Bürger ihre Beteiligungs- und Überprüfungsrechte wahren, müssen sie jetzt aktiv bleiben und ihre Anregungen oder Bedenken der Gemeinde vorlegen.

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